Mission "Atalanta"
Kampf gegen Seeräuber wird zum Risiko

Die EU will somalische Piraten auch an Land bekämpfen. Doch Experten warnen vor den Risiken - der Schuss könnte wie in Afghanistan nach hinten losgehen. Der Tod von Zivilisten könnte verheerende Folgen haben.
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Sie sind von Luft aus gut zu sehen, die Lager der Piraten an der Küste Somalias. Mitten am Strand lagern Fässer mit Treibstoff, Zelte voll mit Ausrüstung, die weißen Boote der Piraten liegen einsatzbereit am Ufer. Durch den Sand rumpelt ein Tankwagen mit Nachschub. All das beobachten die Fernaufklärer der europäischen Anti-Piraterie-Mission EUNAVFOR, die hoch im Himmel über der Küste Somalias kreisen.

Bislang waren die Flugzeuge für die Piraten weitgehend bedeutungslos. Das Festland war für die Piraten am Horn von Afrika ein sicherer Rückzugsort. Doch damit dürfte es bald vorbei sein. Denn die Europäische Union will künftig auch die Stützpunkte der Piraten ins Visier nehmen, um Boote und Munitionslager der Seeräuber auszuschalten. Die 27 EU-Außenminister haben jüngst einer entsprechenden Anpassung des Anti-Piraterie-Einsatzes „Atalanta“ zugestimmt. „Wir sind uns in der EU einig, dass gegen die Piraterie ernst, robust und auch nachhaltig vorgegangen werden muss“, begründete Bundesaußenminister Guido Westerwelle die Entscheidung.

Für Konteradmiral Duncan Potts, der das Oberkommando über die EUNAVFOR im britischen Northwood inne hat, kommt die Ausweitung des Mandats genau rechtzeitig. “Wir verzeichnen taktische Erfolge gegen die Piraten”, sagt Potts im Gespräch mit “Handelsblatt Online”. “Die Piraten sind unter Druck und es ist jetzt ein kritischer und richtiger Zeitpunkt, diesen noch weiter zu erhöhen.”

Tatsächlich hat sich die Zahl der erfolgreichen Piratenangriffe auf Handelsschiffe deutlich  reduziert. Laut dem International Maritime Bureau der Internationalen Handelskammer (ICC) wurden im letzten Quartal 2011 31 Schiffe angegriffen, vier wurden von den Piraten gekapert - im Jahr zuvor waren es noch 90 Angriffe und 19 gekaperte Schiffe gewesen. Und während im vergangenen Jahr 30 Handelsschiffe und mehr als 700 Seeleute in der Gewalt der Piraten waren, sind es jetzt noch acht Schiffe und 200 Geiseln.

“Das sind alles gute Nachrichten, aber letztlich hat sich an den großen strategischen Gegebenheiten in Somalia nichts geändert”, sagt Konteradmiral Potts.  “Wir dämmen die Bedrohung zweifellos ein, aber in dem Moment, wo wir aus der Region abzögen, würden die Angriffe der Piraten und vor allem die Zahl der erfolgreich gekaperten Schiffe wieder zunehmen.”

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  • besser ist: keinen fisch mehr aus der gegend essen. denn man muss auch daran denken, dass nicht nur die existenz der fischer, sondern eines ganzen ökosystems auf dem spiel steht.

  • Mit Gewalt sollten schon viele Konflikte gelöst werden, sie ist keine Lösung.
    Staaten unter das UNO Verwaltung zu stellen, wie anmaßend wie kommen wir dazu anderen vorzuschreiben wie sie zu leben haben? Ferner bei unserem Korrupten Staatsapparaten wird alles erreicht nur kein Vorteil für die Bevölkerung.
    Wir Europäer sind schuld, wir beuteten zu Kolonialzeiten und auch heute noch Afrika aus. Die holen sich nur zurück was ihnen einst gehörte!

  • Na, das ist ja ein ganz anderes Fass ... Natürlich hängt das mit der Überfischung zusammen, aber auch da gibt es ja keine Einigung der "Weltgemeinschaft". Selbst die EU fischt viel mehr, als sie sich eigentlich selbst auferlegt hat.

    Mit einer amerikanisch-jüdischen Weltanschauung hat das übrigens herzlich wenig zu tun. Die Weltmiserien darauf zu schieben, zeugt auch nicht gerade von weltpolitischem Weitblick.

    Die Ursachen liegen darin, dass jeder einfach zuerst an sich selbst denkt. Das gilt insbesondere für jeden Staat. Auch hier wäre eine Vorgabe der UNO wünschenswert, aber auch in diesem Fall gilt immer: Innere Angelegenheit!

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