Mit Hilfe des Iran
Assad plant Bodenoffensive

Der Kampf gegen die Terrormiliz IS in Syrien spitzt sich zu: Offenbar plant der syrische Machthaber Baschar al-Assad eine Bodenoffensive gegen die Islamisten. Hilfe bekommt er dabei vom Iran, Russland und der Hisbollah.

Moskau/BeirutDie syrische Armee bereitet offenbar mit Unterstützung iranischer Soldaten, der libanesischen Hisbollah-Miliz und der russischen Luftwaffe eine großangelegte Offensive im Norden des Landes vor. Der Iran habe dazu in den vergangenen zehn Tagen Hunderte Soldaten nach Syrien entsandt, sagten zwei libanesische Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag. Der geplante Vorstoß am Boden solle die russischen Luftschläge gegen Rebellenstellungen ergänzen. Trotz wachsender Kritik setzten russische Kampfjets ihre Angriffe in Syrien den zweiten Tag in Folge fort. Die irakische Regierung erklärte, sie würde russische Angriffe auf Stellungen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat (IS) auch auf ihrem Territorium begrüßen.

US-Präsidialamtssprecher Josh Earnest sagte, Russlands Eingreifen berge das Risiko, dass sich der Syrien-Konflikt noch länger hinziehen werde. Sollten zudem die Berichte über iranische Truppen in Syrien zutreffen, wäre dies ein Zeichen, dass die russischen Luftangriffe den Konflikt verschlimmert hätten.

Russland fliegt zur Unterstützung von Präsident Baschar al-Assad seit Mittwoch Angriffe in Syrien. „In Kürze sollen die Luftschläge durch eine Bodenoffensive der syrischen Armee und ihrer Verbündeten ergänzt werden“, verlautete aus den libanesischen Kreisen. „Die Vorhut der iranischen Bodentruppen ist in Syrien eingetroffen: Soldaten und Offiziere, die an den Kämpfen teilnehmen sollen“, sagten die Insider. Es handele sich um Hunderte Bewaffnete, denen weitere folgen sollten. Auch die vom Iran unterstützte Hisbollah werde sich beteiligen. Ziel sei es, Gebiet zurückzugewinnen, über das die Regierung in Damaskus jüngst die Kontrolle verloren habe.

Der Kommandeur der Rebellengruppe Liwa Sukur al-Dschabal, Hassan Hadsch Ali, sagte Reuters, ihr Lager in der Idlib-Provinz sei bei zwei russischen Angriffen von rund 20 Raketen getroffen worden. Dabei habe es Verwundete gegeben. Damit berichteten insgesamt drei Gruppe, die zur Freien Syrischen Armee zählen, von russischen Luftangriffen. Der US-Geheimdienst CIA unterstützt die Rebellen-Kämpfer, die er teils in Katar ausgebildet hat.

Das Verteidigungsministerium in Moskau räumte ein, dass die Angriffe sich nicht nur gegen IS-Stellungen richteten. „Die Ziele werden in Zusammenarbeit mit dem syrischen Militär in Syrien ausgewählt“, sagte Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow. Die russische Luftwaffe erklärte der Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf die Auswertung der ersten Angriffe allerdings, es seien nur Ziele der Islamisten-Gruppe getroffen worden.

Der irakische Ministerpräsident Haidar al-Abadi zeigte sich am Rande der UN-Vollversammlung in New York offen für russische Einsätze auch in seinem Land. „Wir würden das begrüßen“, sagte er dem Sender France 24. Von der bisherigen Luftunterstützung durch die US-geführte Allianz sei er enttäuscht. Der Irak habe „massive Luftschläge der internationalen Koalition, der Amerikaner erwartet“, sagte Abadi. „Das haben wir nicht erhalten.“ Russlands Außenminister Sergej Lawrow sagte, Pläne zur Ausweitung der Angriffe auf den Irak gebe es bislang nicht. „Wir sind, wie Sie wissen, höfliche Menschen“, sagte Lawrow in New York vor Journalisten. „Wenn wir nicht eingeladen werden, kommen wir auch nicht.“

Durch das Eingreifen Russlands in den Konflikt in Syrien sind nach Darstellung von Diplomaten die Karten in dem seit etwa vier Jahren anhaltenden Bürgerkrieg neu gemischt worden. „Damaskus ist aus dem Schneider“, sagte ein Insider, der namentlich nicht genannt werden wollte. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte auf einer Veranstaltung in Halle, eine Lösung in Syrien könne es nur mit Russland geben.

Die Bombardierung im Irak ist der erste Kampfeinsatz der russischen Armee außerhalb der ehemaligen Sowjetunion seit dem Afghanistan-Krieg in den 80er-Jahren. Er bedeutet zugleich eine deutliche Eskalation der Krise, bei der etwa 250.000 Menschen ums Leben gekommen sind und mehr als elf Millionen weitere in die Flucht getrieben hat, zum Teil auch nach Deutschland.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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