Mit Kaffee übergossen
Griechen attackieren deutschen Konsul

Am Rande einer Konferenz in Thessaloniki haben Demonstranten den deutschen Konsul Wolfgang Hoelscher-Obermaier mit Kaffee und Wasser übergossen. Dazu skandierten sie: „Nazis raus!“
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ThessalonikiDutzende griechische Demonstranten haben in Thessaloniki eine Bürgermeisterkonferenz mit deutschen Teilnehmern gestürmt und sich Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Der Protest am Donnerstag richtete sich gegen die Anwesenheit des parlamentarischen Staatssekretärs im Arbeitsministerium, Hans-Joachim Fuchtel (CDU). Er ist der deutsche Sondergesandten für Griechenland. Zudem wurde ein deutscher Diplomat geschubst und mit Kaffee beschüttet.

"Diese Leute sind nicht hierhergekommen, um uns zu helfen, sondern um unsere Todesstrafe zu verkünden", sagte Themis Balasopoulos, Chef der Gewerkschaft der Kommunalangestellten. Die Demonstranten skandierten "Nazis raus", als sie die Teilnehmer der Konferenz von griechischen und deutschen Bürgermeistern bedrängten und am Zugang hindern wollten. Über Lautsprecher wurden Nazi-Hymnen und griechische Radioaufnahmen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs abgespielt.

Die Polizei verfolgte die Protestierenden durch das Konferenzzentrum. Zunächst wurden keine Verhaftungen bekannt. Vor dem Gebäude beteiligte sich die Bundestagsabgeordnete Annette Groth (Linke) an der Demonstration. "Nicht Ihr solltet den Preis für diese Krise zahlen, sondern die Reichen", sagte Groth. In Griechenland wird Deutschland, obwohl es einer der größten Geldgeber ist, häufig für die harten Sparmaßnahmen verantwortlich gemacht, die das Land erfüllen muss, um Finanzhilfe zu erhalten. Erst vergangene Woche hatte das Parlament ein weiteres Sparpaket verabschiedet. Bei einem Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Athen gingen im Oktober rund 50.000 Bürger auf die Straße.

 
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
dapd 
DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Mit Kaffee übergossen: Griechen attackieren deutschen Konsul"

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  • @DerMatze
    Haben Sie eine Ahnung.
    Hier sind sehr viele Griechen, die so denken. Und die Poliezi, die die beiden deutschen und Andere hätten schützen sollen, hat nicht richtig reagiert. dabei war es vorhersehbar.
    Im Übrigen: wie bei uns auch werden auch die Griechen von ihren Medien gelenkt. Die Medien gehören den mächtigen und korrupten Parteien, den mächtigen und korrupten Gewerkschaften, den mächtigen und korrupten, reichen Familien. Glauben Sie, die haben Lust, die Wahrheit zu berichten und im Knast zu landen oder getötet zu werden? Natürlich haben sich alle rasch auf die Deutschen als wahre Schuldige geeinigt, sonst wäre es für sie viel zu gefährlich.
    Also - es SIND sehr viele Griechen, die gegen Deutsche und Deutschland sind. Aber sie sind sehr schlecht informiert - nur zu ihrer Entschuldigung und zu Ihrem Verständnis.

  • @Eurotiker
    Welche Stückkosten denn? Es werden hier keine Stücke mehr produziert...;) deswegen können auch die Kosten gegen Null sinken - am Dilemma ändert das nichts.

  • Der deutsche Konsul wurde drausen vor dem Gebäude nicht "geschubst und mit Kaffee übergossen", sondern er wurde tatsächlich bedroht, und zwar so stark, dass er von der Polizei kaum noch geschützt werden konnte. Mehrere Arme von demonstranten griffen nach ihm, er wurde massiv beschimpft. Es war auch nicht nur Kaffee - der Farbe nach war noch Anderes im Spiel - und es war auch nicht nur EINER. Der Konsul war danach noch deutlich mitgenommen, die Angst stand ihm auf der Stirn. Seine Worte waren ängstlich und supervorsichtig - wie in Feindesland.
    Und Fuchtel wurde drinnen ausgebuht, als er es wagte zu sagen, dass die deutschen Gemeindeverwaltungen mit einem drittel der Beschäftigten gut auskämen und dass diese Beschäftigten eben viel effektiver arbeiteten.
    Eigentlich wollte er damit nur auf einen Mangel an Organisation hinweisen - aber der Schuss ging nach hinten los.
    Tja, die Griechen wollen eben einfach nicht am deutschen Wesen genesen...
    Also, loslassen und den Griechen endlich einen Neuanfang ermöglichen.

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