Mit oder ohne die EZB
Griechenland will zurück auf die Anleihemärkte

Griechenland drängt auf die internationalen Anleihemärkte zurück. Dennoch bleibt ein gewisses Maß an Vorsicht. Denn die Griechische Regierung will den Schritt nicht zu früh wagen und Investoren abschrecken.
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LagonisiGriechenland wird nach den Worten von Finanzminister Euklid Tsakalotos mit oder ohne Hilfe der Europäischen Zentralbank auf die internationalen Anleihenmärkte zurückkehren. Tsakalotos erklärte am Donnerstag, eine Teilnahme am sogenannten Programm der quantitativen Lockerung der EZB wäre hilfreich für sein Land, hätte aber doch eher eine symbolische Bedeutung. Griechenland ist von dem Programm ausgeschlossen.

„Ich würde das nicht zu hoch bewerten“, erklärte Tsakalotos auf einer Wirtschaftskonferenz in Lagonisi. „Es ist wichtig, aber doch eher aus symbolischen Gründen.“ Die EZB kauft im Rahmen des Programms der quantitativen Lockerung langfristige private und öffentliche Wertpapiere auf, meist Staatsanleihen. Griechische Anleihen sind nicht Teil des Programms. EZB-Chef Mario Draghi erklärte kürzlich, es bestünden Zweifel an der Tragfähigkeit der griechischen Staatsschulden.

Tsakalotos sagte, die griechische Regierung wolle keinesfalls zu früh auf die Märkte zugehen. Investoren sollten wissen, dass es sich dann nicht um eine einmalige Sache handele.

Griechenland verlor 2010 den Zugang zu den internationalen Anleihemärkten und war auf den Euro-Rettungsschirm angewiesen. Die Zinsen für griechische Anleihen gingen deutlich zurück, seit die internationalen Geldgeber angesichts von Reformen und Sparmaßnahmen Mitte Juni weitere Milliarden-Kredite zusagten.

Auch der Chef des Europäischen Rettungsschirms ESM, Klaus Regling, erklärte, Griechenland werde auf den Anleihenmarkt zurückkehren. Für die Verzögerungen sei die amtierende Regierung verantwortlich, die zu Beginn ihrer Amtszeit einige Reformen zurückgedreht habe. Die Griechen hätten durch Lohn- und Rentenkürzungen gelitten, erklärte Regling. Dies sei schmerzhaft, aber unvermeidlich gewesen und eine Konsequenz politischer Fehler der Vergangenheit.

In Athen setzten die Mitarbeiter der Müllabfuhr unterdessen ihren Streik fort. Rund 1000 von ihnen zogen durch die Straßen der Hauptstadt und forderten eine Abschaffung befristeter Arbeitsverträge. Einen Kompromiss lehnten sie bei einem Treffen mit Ministerpräsident Alexis Tsipras ab. In den Straßen türmte sich der Müll, der nach Warnung der Gesundheitsbehörden in der sommerlichen Hitze die Gesundheit der Menschen gefährdet.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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