Mitbestimmungspläne für US-Werk

Senator Corker rügt Volkswagen

VW will in seinem Werk im US-Bundesstaat Tennessee nach deutschem Vorbild einen Betriebsrat gründen lassen. Dafür erntet der deutsche Autokonzern jetzt massive Kritik von einem einflussreichen Senator aus dem Kongress.
  • Moritz Koch
9 Kommentare
US-Senator Bob Corker im Gespräch mit Journalisten. Quelle: ap

US-Senator Bob Corker im Gespräch mit Journalisten.

(Foto: ap)

WashingtonDer einflussreiche US-Senator Bob Corker hat den Autokonzern Volkswagen scharf für seine Pläne kritisiert, das VW-Werk in Chattanooga, Tennessee, gewerkschaftlich zu organisieren. Die Deutschen verhielten sich „schrecklich naiv“ und stünden davor, einen der „größten Fehler ihrer Unternehmensgeschichte“ zu begehen, sagte der republikanische Politiker dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Auf Drängen des Betriebsrats und der IG-Metall haben die Wolfsburger Gespräche mit der amerikanischen Autogewerkschaft UAW begonnen. Ziel ist es, einen Betriebsrat nach dem deutschen Modell der Mitbestimmung zu gründen. Corker, der Bürgermeister von Chattanooga war, bevor er in den Senat einzog, äußerte sich darüber „tief enttäuscht“.

Während der Verhandlungen um die Ansiedlung des Werks habe er die deutschen Spitzenmanager bei sich zuhause empfangen. Damals sei ihm signalisiert worden, dass VW keinerlei Absicht hege, sich mit der UAW einzulassen. Jetzt müsse er sich um das Wohlergehen seiner Heimatstadt sorgen: Der Investitionsstandort Chattanooga würde leiden, sollte es der UAW gelingen, dort Fuß zu fassen. Sollte es so kommen, „würde ich das Gefühl nicht los, meine Heimat im Stich gelassen zu haben, weil ich mich so dafür eingesetzt habe, VW nach Chattanooga zu holen“, sagte Corker.

Der Senator betonte, kein Gewerkschaftsfeind zu sein. Er selbst sei früher Gewerkschaftsmitglied gewesen und habe später ein gewerkschaftlich organisiertes Unternehmen geführt. Er sei allerdings ein entschiedener Gegner der UAW. Sie habe einen großen Anteil am Niedergang von General Motors, Ford und Chrysler und am Verfall der Autostadt Detroit. „Ich wünsche Detroit alles Gute, aber ich will niemals erleben, dass meine Heimat wird, was Detroit ist“, sagte er.

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9 Kommentare zu "Mitbestimmungspläne für US-Werk: Senator Corker rügt Volkswagen"

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  • Mein Gott wie bloed muss man bei VW sein.

  • [...] Corker hat voellig recht. Lassen wir den Sozialismus in Europa (und vielleicht kann man Obama ueberreden in Deutschland zu kandidieren.) Das waere schoen....

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • VW zeigt den Amerikanern wie das geht. Man gruendet einen Betriebsrat und zaehmt damit die Arbeiter, denn die fuehlen sich gut vertreten. Dann zieht man den Betriebsrat auf seine Seite indem man zum Beispiel gelegentlich Luxusprostituierte auf Firmenkosten einfliegen laesst, zum Beispiel aus Brasilien. Herr Hartz, Herr Gebauer, Herr Volkert und eine Dame namens Adriana Barros lassen gruessen.

    General Motors, Chrysler, Ford koennten mit so einem Team sicher auch gut fahren.

  • Gewerkschaft ist nicht gleich Gewerkschaft. In Amerika haben Gewerkschaften teilweise immer noch mafiöse Strukturen. Das naive Vorgehen einiger VW-ler hat dies nicht bedacht. Die Berichterstattung des Handelsblattes hätte auf historische Verbindungen der Gewerkschaften zur Maffia in in der Entstehungsphase von Las Vegas hinweisen können diese und ähnliche Strukturen von Gewerkschaften in den USA ind teilweise immer noch vorhandenen (eine kleine Anmerkung hierzu ...Herr Koch) Der Senator Corker hat da nicht ganz Unrecht.

  • VW sollte das auf jeden Fall durchziehen und das deutsche Modell vorexerzieren. Die von hier nicht zu beantwortende Frage ist natürlich, ob amerikanische Gewerkschaften überhaupt bereit und in der Lage sind, vernünftige Kompromisse wie in Deutschland einzugehen und auch die Arbeitnehmer bereit sind, sich derart mit dem Werk zu identifizieren, wie es für dieses Modell nötig ist. Eine amerikanische Gewerkschaft, die mit VW am Tisch sitzt, wird auf jeden Fall Macht und Einfluss gewinnen. Ob sie dies dann vernünftig nutzen wird, ist komplett offen.

  • Gewerkschaften sind überflüssig, wenn der Staat seinen ordentlichen Aufgaben gerecht werden würde. Wenn ich in einer organisierten Gemeinschaft lebe (Staat), in der ich auch steuern zahle, um gemeinschaftliche Aufgaben finanzieren zu können, dann erwarte ich von der Gemeinschaft, das ich mich nicht ausnutzen lassen muss. Dafür noch eine extra Organisation zu betreiben bedeutet, mein recht gegen mich selbst einzufordern, um es mir gleichzeitig zu verweigern...
    Aber in diesem Land merkt ja eh keiner mehr was...

  • Wenn die Mexikaner die gleiche Arbeit für weniger Geld machen, dann ist das so.
    Die Gewerkschaften sind viel zu mächtig und haben keinerlei Bestreben dem Unternehmen etwas Gutes zu tun. Sie sind ebenso wie Politiker darauf aus möglichst viele Unterstützer (vgl. Wähler) zu erhalten und dadurch machen sie immer weiter unnötig Druck um schön viel Kohle für ihre Mitgleider rauszupressen. Denn das ist die beste Werbung.
    Gewerkschaften gehören verboten.

  • "Sollte es so kommen, „würde ich das Gefühl nicht los, meine Heimat im Stich gelassen zu haben, weil ich mich so dafür eingesetzt habe, VW nach Chattanooga zu holen“, sagte Corker."

    Diese "Denke" kann nur von einem kranken Ideologen vergangener Tage kommen. Die können und wollen sich nur ein Gegeneinander statt ein Miteinander vorstellen. Deren Welt besteht aus vielen dienenden Rechtlosen und wenigen Herrenmenschen. Wie sagte schon das "nette" Gesicht des Kapitalismus Warren Buffett, „Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse hat angefangen und gewinnt, aber das sollte sie nicht“.
    Vielleicht sollte man dem Senator Corker erklären, warum es für VW möglich sein wird, trotz Betriebsrat, der größte Autokonzern der Welt zu werden.

  • Der Erfolg der deutschen Autobauer ist nicht gegen die deutschen Gewerkschaften sondernmit diesen erzielt worden.
    Für die US-manager ist das natürlich reinster Kommunismus. Das ist der schlimmste Feind. Ein Us-autobauer beschäftigt am liebsten rechtlose Mexikaner und zahlt seinen Managern 180 Mio $ p.a. Und zu jedem Quartalsbericht gibts Boni obendrauf!
    VW weiter so!!!

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