Mitt Romney
Die Rede seines Lebens

Drei Tage lang haben sie ihn gefeiert. Als netten Kerl, als Problemlöser, der Amerika rettet. Heute Abend hat Mitt Romney seinen Auftritt auf dem Parteitag. Es ist die große Chance, eigene Schwächen vergessen zu machen.
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TampaErst war es die Diskussion um Schweizer Konten und Investments auf den Cayman-Inseln. Dann bescherte ein irrlichternder Parteifreund Amerika eine Debatte über echte und unechte Vergewaltigungen. Schließlich war noch es Hurrikan „Isaac“, der Aufmerksamkeit vom Parteitag der Republikaner absaugte und die große Show durcheinanderbrachte.

Mitt Romney kann solche Meldungen überhaupt nicht brauchen. Sie lenken nur ab von seiner wichtigsten Botschaft: Obama ruiniert die Wirtschaft. „Zwei Monate vor der Wahl“, sagte Parteistratege John Ullyot, „ist jeder Tag, an dem nicht die Wirtschaft und Jobs im Vordergrund stehen, ein Verlust für Romney“.

Heute Abend (Ortszeit) hat der Präsidentschaftskandidat der Republikaner nun die große Chance, dafür zu sorgen, dass Amerika wieder über das redet, was er will. Jobkrise, ausufernde Schulden, schwaches Wachstum, Überregulierung – damit will Romney in seiner großen Rede zum Abschluss der Convention in Tampa, Florida, den Amtsinhaber angreifen. Der sieche Zustand der Wirtschaft ist Romneys Hauptthema im Wahlkampf, hier liegt der Ex-Geschäftsmann und selbst ernannte „Mister Fix it“ gegenüber Obama in Umfragen unerreichbar vorn. Und der Zustand der Wirtschaft ist für die Wähler das mit Abstand wichtigste Thema.

Keine einzige Rede Romneys und seiner Parteigenossen auf dem Parteitag kam deshalb ohne eine Lobpreisung seiner Bilanz aus: Als Chef des Finanzinvestors Bain Capital habe er angeschlagene Firmen wieder flott gemacht und Tausende Jobs gerettet. Als Gouverneur von Massachusetts habe er das Wachstum angekurbelt, die Steuern gesenkt und die Arbeitslosigkeit reduziert. Schließlich habe er die Olympischen Spiele von Salt Lake City vor der Pleite gerettet und zum Erfolg geführt.

Dass das alles höchstens zur Hälfte stimmt, spielt keine Rolle. Man muss es nur oft genug wiederholen, dann setzt es sich schon fest. Dann klingt es auch, wie es klingen soll: Romney, der Problemlöser, wird auch den Niedergang der USA stoppen und dem Land zu neuer Blüte verhelfen.

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