Mitteleuropa
Slowakei erwartet rasanten Aufschwung

Die Slowakei scheint ein Musterschüler der EU zu sein. Dank der starken Exportwirtschaft hat das Land die Krise gut überstanden. Doch der Wohlstand ist sehr ungleich verteilt und das Defizit wächst.
  • 2

WienDas Wort „Krise“ mag in der Slowakei niemand mehr hören. Und tatsächlich hat der „slowakische Tiger“ den globalen Konjunktureinbruch gut weggesteckt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des kleinen Landes mit seinen fünf Millionen Einwohnern wächst rasant. Ging die Nationalbank vor drei Monaten für das laufende Jahr noch von 3,3 Prozent Plus aus, so hat sie ihre Prognose nun auf 3,6 Prozent angehoben.

Für die beiden kommenden Jahre erwartet sie sogar einen rasanten Aufschwung mit Wachstumsraten von 4,7 und 5,3 Prozent – beinahe Werte wie vor der Finanzkrise. „Auch während der Krise hat die Slowakei eigentlich nie richtig gelitten“, sagt Gianni Franco Papa, Osteuropa-Chef des italienischen Bankkonzerns Unicredit. Das liegt vor allem an der starken Exportbranche des Landes: „Exporte sind der wichtigste Wachstumstreiber“, betont Notenbank-Präsident Jozef Makuch. Andere osteuropäische Staaten wie Rumänien, deren Volkswirtschaften 2010 noch geschrumpft sind, werden voller Neid auf den kleinen Nachbarn blicken, weil ihnen vergleichbare Ausfuhren fehlen.

Niedrige Löhne locken Investoren

Ausländische Investoren wie Volkswagen oder Samsung lockt die Slowakei vor allem mit relativ niedrigen Löhnen und der Flat-Tax von 19 Prozent. Im Herbst soll zudem ein neues Arbeitsrecht in Kraft treten, das unter anderem mit der Einführung von Arbeitszeitkonten zusätzliche Flexibilität bringen soll. „Vor allem Automobilzulieferer werden die Situation nutzen und investieren“, glaubt Margareta Sovova, Rechtsanwältin in der Wirtschaftskanzlei BNT in Bratislava.

Die wirtschaftlichen Erfolge lassen die Slowaken auch international mit großem Selbstbewusstsein auftreten. So ist beispielsweise der slowakische Finanzminister Ivan Miklos einer der lautesten Kritiker der Griechenland-Hilfsprogramme. Die vergleichsweise arme Slowakei – erst seit 2009 in der Euro-Zone – sieht es nicht ein, dem reicheren Griechenland immer wieder in der Not zu helfen. „Die Slowaken haben ein großes Selbstbewusstsein wegen ihrer wirtschaftlichen Erfolge. Das erklärt die immer wiederkehrende Kritik an Griechenland“, erklärt der Slowakei-Experte Zdenek Lukas vom Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW).

Seite 1:

Slowakei erwartet rasanten Aufschwung

Seite 2:

Kommentare zu " Mitteleuropa: Slowakei erwartet rasanten Aufschwung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Spiegelbild Griechenlands heißt: Slowakei. Solide, fleißig, erfolgreich und sparsam. Alles Attribute, die auf Griechenland nicht zutreffen. Insofern wundert es nicht, daß die Griechen Härte spüren müssen. Wenn sie das nicht wollen, sollten sie aus der Eu oder zumindest aus dem Euro-Raum ausgestoßen werden bzw. selbst austreten. Erst danach können sie ihre Schlampigkeit weiter pflegen!

  • Hallo,
    noch immer sind nicht einmal ansatzweise Grundlagen für eine auf Dauer angelegte Europäische Gemeinschaft vorhanden. Nach der EURO-Währung fehlt insbesondere die Steuer- und Sozialharmonisierung.
    Nichts gegen eine Erweiterung, aber das Ganze ist einfach nur auf Sand gebaut und eine Änderung nicht in Sicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%