Mittlerer Osten
Irak fremdelt mit dem Regime in Teheran

Dieses Treffen dürfte in Washington für Stirnrunzeln sorgen: Der irakische Premier Nuri al-Maliki hat den einstigen Kriegsgegner Iran erstmals besucht und sich mit Präsident Mahmud Ahmadinedschad getroffen, den die USA bekanntlich als Bösewicht Nummer 1 ansehen. Der Iraker verzichtete sogar auf Besänftigungsversuche.

HB TEHERAN. Ahmadinedschad bot al-Maliki an, dem Irak bei der Wiederherstellung der Sicherheit zu helfen. „Eine Verbesserung der Sicherheitslage im Irak bedeutet auch mehr Sicherheit und Stabilität in der Region“, so der iranische Staatschef.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz gaben die beiden schiitischen Politiker aber nur wenige Details ihrer Unterredung bekannt. „Der Besuch wird für eine Kooperation zwischen dem Irak und dem Iran in allen Bereichen von Politik, Sicherheit und Wirtschaft hilfreich sein“, sagte Maliki lediglich. In Wien sagte Iraks Öl-Minister Hussain al-Scharistani, beide Länder würden schon bald ein Abkommen zur Erschließung von Ölfeldern unterzeichnen.

Ursprünglich war erwartet worden, dass Maliki den Iran auffordern würde, sich nicht in interne Angelegenheiten seines Landes einzumischen. Dies hatte ein Regierungssprecher vor Antritt der zweitägigen Reise angekündigt. Beobachtern zufolge wollten damit die USA zufriedengestellt werden, die Maliki unterstützen, dem Iran aber vorwerfen, die Gewalt im Irak zu schüren.

Maliki hatte zuvor mehrere arabische Staaten besucht, die im Gegensatz zum Irak von sunnitischen Moslems dominiert werden. Diese sehen mit Argwohn auf die aktuellen Beziehungen zwischen dem Irak und dem Iran. Unter dem früheren irakischen Präsidenten Saddam Hussein führte der Irak in den 80er Jahren einen mehrjährigen Krieg mit dem Nachbarland. Damals hatte der Iran vielen Politikern des Irak auf der Flucht vor Saddam Unterschlupf geboten, die heute in wichtigen Positionen sind.

Maliki hatte das Amt des Ministerpräsidenten vor fünf Monaten übernommen. Unter Saddam Hussein, einem Sunniten, wurden die Schiiten unterdrückt. Obwohl die USA die Beziehungen zwischen den beiden Ländern offiziell unterstützen, wird ein möglicher Einfluss des Iran auf Iraks Regierung gefürchtet. Im Zusammenhang mit dem Konflikt um das iranische Atomprogramm und der Haltung der USA gibt es Vorwürfe, der Iran schüre die Gewalt gegen die US-Soldaten im Irak.

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