Mittlerweile ist im Reich der Mitte ein attraktiver Binnenmarkt entstanden
China saugt das Geld der Investoren auf

Chinas Wachstum elektrisiert Investoren aus aller Welt. Zum zweiten Mal in Folge erreicht das Land 2004 den Spitzenplatz der beliebtesten Zielländer für ausländische Direktinvestitionen und verdrängt damit die USA. Die Gründe dafür gehen weit über die billige Produktion und den riesigen Markt hinaus.

PEKING. Allen voran die beschleunigten Reformen der neuen Führung, die erstmals ohne Turbulenzen einen Machtwechsel vollzog. Außerdem die massive Urbanisierung, die bis 2020 noch 200 Millionen Menschen in die Ballungsräume spült und von Konsumgütern über Immobilien bis zu Autos die Märkte auf Trab halten wird. Ferner die bislang sanfte Abkühlung der heiß gelaufenen Turbokonjunktur. Peking, so die Botschaft, hat die Zügel fest in der Hand. Investoren lieben Stabilität.

Und das Wachstum hält an. Für 2005 sagt die Regierung ein Wachstum von acht Prozent vorher. Das stärkt das Vertrauen derjenigen, die die Milliarden bringen: Autohersteller, Chemiefirmen, Stahlkocher und Telekomkonzerne, aber auch Banken, die sich zunehmend in lokale Institute einkaufen sowie mehr und mehr Handelsketten und Medien. In ihrem Fahrtwind kommt immer öfter der Mittelstand. Resultat: Von Januar bis Oktober legten ausländische Direktinvestitionen in China um 23 Prozent auf 53,8 Mrd. Dollar zu. Damit ist bereits der Vorjahresrekord gebrochen. Insgesamt werden es mehr als 60 Mrd. Dollar werden.

Ein Ende der Euphorie ist kaum abzusehen, denn es kommen immer neue Investitionsanreize hinzu. In den 80er- und frühen 90er-Jahren kamen westliche und japanische Firmen, weil China im Überfluss billige Arbeit bot. Das hat sich nicht geändert. Der Medizintechnik-Hersteller Clinico in Bad Hersfeld schippert Vorprodukte für Infusionsapparate zur Zwischenfertigung nach China und wieder zurück und kann trotz der Odyssee nach der Endmontage in Deutschland noch die Kosten senken. China kann Socken zu 20 Eurocent pro Paar nach Europa exportieren. In den Regalen hiesiger Warenhäuser werden sie für mehrere Euro angeboten. Doch inzwischen bietet das Land mehr als nur billige Löhne.

In den 90er-Jahren erwachte Chinas gigantischer Heimatmarkt, die zweite Investitionswelle rollte an, verstärkt durch den Beitritt des Landes zur WTO. Jetzt gibt es eine Mittelklasse mit über 100 Millionen Chinesen. Der jährliche Durchschnittsverdienst im Land hat die magische Schwelle von 1 000 Dollar fast erreicht. Zudem schafft die erheblich verbesserte Infrastruktur einen zusammenhängenden Inlandsmarkt. Auch das weckt Phantasien.

Und die Chinesen wollen mehr und bessere Produkte. Das Geld dafür ist reichlich vorhanden. Denn die Inflation von über vier Prozent sorgt dafür, dass selbst nach der ersten Zinserhöhung in neun Jahren vor einem Monat die massiven Ersparnisse mit negativen Realzinsen belegt werden. Das treibt das Geld in die Kaufhäuser. Nach Kühlschränken, TV-Geräten und Handys wollen die Chinesen nun Autos und Wohnungen. Der Konsum wächst derzeit um 14 Prozent pro Jahr. Und immer anspruchsvollere Produkte werden verlangt. Der Inlandsmarkt für elektronische Produkte, sagen Experten, wächst so gewaltig, dass er bis Ende des Jahrzehnts mehr aufnehmen wird als in den Export geht.

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