Modellversuch
Kombilohn in Österreich entpuppt sich als Flop

Der Kombilohn in Österreich erfüllt nicht die hohen Erwartungen der Politik. Ein im Februar gestarteter Modellversuch hat nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur Apa bislang nur 180 neue Arbeitsplätze gebracht. Die Agentur beruft sich auf eine Umfrage unter den Arbeitsämtern.

oli WIEN. Die Regierung in Wien war beim Start des Versuchs davon ausgegangen, dass in diesem Jahr dank Kombilohn rund 3 000 Arbeitsplätze entstehen werden. 20 Mill. Euro stellte sie zur Förderung des Modellversuchs bereit, der zunächst auf ein Jahr begrenzt wurde. Bislang sind von dieser Summe erst 5,5 Mill. Euro abgerufen worden. Der Leiter des Arbeitsamtes Oberösterreich, Roman Obrovski, sprach angesichts des bisherigen Ergebnisses von einem „Rohrkrepierer“.

Seit Anfang Februar können Niedriglohnjobs für Langzeitarbeitslose in Österreich durch Zuschüsse des Arbeitsmarktservices unterstützt werden. Der Zuschuss soll Arbeitslose motivieren, offene Stellen auch dann anzunehmen, wenn dort sehr wenig Lohn gezahlt wird. Je nach Verdienst schießt der Staat zwischen fünf und 50 Prozent dazu. Der Kombilohn darf aber 1 000 Euro nicht übersteigen. Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslose im Niedriglohnbereich einstellen, erhalten 15 Prozent des Bruttolohns vergütet. Das österreichische Modell richtet sich damit insbesondere an Branchen wie den Handel, Reinigungsdienste, die Gastronomie und auch den Bürobereich. Vor allem Teilzeitjobs fallen unter die Regelung.

Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein war beim Start des Kombilohn-Modells sogar davon ausgegangen, dass sich nach einer zwölfmonatigen Einführungsphase bis zu 5 000 Arbeitsplätze pro Jahr zusätzlich schaffen ließen. Dass diese Erwartungen nicht aufgehen, dürfte mit zwei Entwicklungen zusammenhängen: Zum einen werden die Vergabekriterien streng gehandhabt. So lag bei einer ersten Zwischenumfrage im Frühsommer die Zahl der beantragten Förderfälle mehr als doppelt so hoch wie die Zahl der Fälle, die tatsächlich genehmigt wurden. Dass das Modell auf die kleine Zielgruppe der jungen und älteren Langzeitbeschäftigungslosen ausgerichtet sei, wirke sich selbstverständlich auf die Zahl der Förderfälle aus, sagte damals eine Sprecherin der Arbeitsverwaltung.

Zum anderen hat sich aber auch die Lage am Arbeitsmarkt aus Sicht der Arbeitssuchenden entspannt. Ende Juli gab es in Österreich 6,7 Prozent weniger Arbeitslose als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote beträgt nach EU-Berechnungen 4,9 Prozent. Im europäischen Vergleich liegt Österreich damit auf Rang fünf. Bis zum Jahr 2010 strebt Bartenstein eine Quote „mit einem Dreier vor dem Komma“ an.

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