Möglicher Brexit Tusk warnt vor Zerfall der Europäischen Union

„Was einmal zerbrochen ist, kann man nicht reparieren", mahnt EU-Ratspräsident Donald Tusk angesichts des bevorstehenden Referendums über einen möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union.
Die Briten stimmen in einem Referendum über den Verbleib in der EU ab. Quelle: dpa
EU und Großbritannien

Die Briten stimmen in einem Referendum über den Verbleib in der EU ab.

(Foto: dpa)

BukarestAngesichts des bevorstehenden Referendums über einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat EU-Ratspräsident Donald Tusk vor einem Auseinanderbrechen der Gemeinschaft gewarnt. Kurz vor dem EU-Gipfel am Donnerstag sprach der polnische Politiker in Bukarest von einem entscheidenden Moment.

„Es ist höchste Zeit, dass wir mehr auf die Argumente der anderen als auf unsere eigenen hören“, mahnte er am Montag. Das Risiko eines Auseinanderbrechens sei real, sagte Tusk und plädierte für ein behutsames Vorgehen. „Was einmal zerbrochen ist, kann man nicht reparieren.“ Die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens, aber auch die Zukunft der gesamten Union stünden auf dem Spiel.

Die „Horror-Szenarien“ eines Brexits
EU und Großbritannien
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Der „Brexit“, der Austritt Großbritanniens aus der EU, ist nicht mehr auszuschließen. Unternehmer und Finanzexperten in Großbritannien und der EU entwerfen überwiegend Negativ-Szenarien. Das Problem: Es gibt kein „historisches Vorbild“. Niemals zuvor hat ein Gemeinschaftsmitglied den Austritt gewagt. Doch grundsätzlich sind sich alle einig: Der Markt mag keinen „Brexit“. Hier einige Ängste, Vorhersagen und Bedenken vor dem EU-Gipfel am 18. und 19. Februar.

Pfund-Sterling
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Die „Times“ berichtete jüngst, die Bank of England habe ihre „Kriegskasse“ kräftig auf 98 Milliarden Dollar (umgerechnet 87,5 Milliarden Euro) aufgestockt, um im Zweifel einem Währungskollaps zu begegnen. Die Londoner Analysten der Investmentbank Goldman Sachs schließen bis zu 20 Prozent Wertverlust nicht aus – sollte nach dem „Brexit“ ausländisches Kapital massiv ausbleiben.

Die City
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Ein Bedeutungsverlust des Finanzplatzes London wäre der Super-Gau. Möglicherweise werde die „City“ sogar unabhängiger, sagen manche. Die meisten Analysten sind sich aber einig: Wahrscheinlich wäre ein Abstieg kaum aufzuhalten. Zumal, so die Banker, die Europäische Zentralbank (EZB) bereits in der Vergangenheit starke Begehrlichkeiten gezeigt hat, in die Londoner Handelsdomäne einzubrechen. Ein Austritt Londons wäre die Chance, immer mehr Handel in Euro abzuwickeln. Britische Banken hätten zudem keinen Zugang mehr zu günstigen Finanzierungsbedingungen der EZB.

Weicher oder harter Austritt?
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Alles kommt auf die vermutlich extrem komplizierten Verhandlungen an. Würde es für London einen Freihandelsstatus geben wie ihn Norwegen, Schweiz, Lichtenstein und Island genießen? Oder kommt eine Lösung wie etwa mit der Türkei und anderen Ländern der Welthandelsorganisation (WTO) mit wesentlich weniger Handelsvorteilen? Ohne ein Freihandelsabkommen müssten womöglich mit jedem EU-Land eigens Abkommen geschlossen werden – riesiger Verwaltungsaufwand, für Unternehmen ein Alptraum.

Handel
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Es gibt Schätzungen von Exportverlusten bis zu 30 Milliarden Pfund (38,8 Mrd Euro) im Worst-Case-Szenario, falls London beim Austritt kein Freihandelsabkommen abschließt. Das wären rund acht Prozent der Exporte. Zurückhaltende Analysten gehen aber eher nicht von derart schweren Rückschlägen aus - denn auch die anderen EU-Länder möchten handeln und Geld verdienen. Dazu sind die Wirtschaften viel zu stark miteinander verwoben. 

Investitionen
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London gilt für Auslandsinvestoren als Eldorado. Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet mit 210 Milliarden Pfund, die in den ersten vier Jahren verloren gehen könnten. Experten der Großbank HSBC rechnen eher nicht mit „plötzlicher und massiver Kapitalflucht“. Großbritannien dürfte weiterhin attraktiv für Gelder aus dem Ausland bleiben. Wunschdenken oder Realismus?  

Wirtschaftswachstum
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Hochrechnungen, wonach sich das britische Bruttosozialprodukt auf rund einen Prozent halbieren könnte, sehen zurückhaltende Experten als Kaffeesatzleserei. Entscheidend seien die Austrittsbedingungen. Doch das einhellige Urteil: Die Unsicherheiten nehmen zu – und der Markt mag keine Unsicherheiten.

Großbritannien verhandelt mit der EU über eine Reihe von Reformen. Premierminister David Camerons Druckmittel ist das Referendum. Tief zerstritten sind die EU-Staaten auch über den Umgang mit Flüchtlingen.

Während Deutschland mehr Solidarität einfordert, schotten sich viele Staaten immer mehr ab und weigern sich, mehr Flüchtlinge aufzunehmen.

  • rtr
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