Möglicher Euro-Austritt: „Tsipras-Regierung ist größte Gefahr für Griechenland“

Möglicher Euro-Austritt
„Tsipras-Regierung ist größte Gefahr für Griechenland“

Der neue griechische Premier Alexis Tsipras sucht die Machtprobe mit Europa und löst damit ein Börsen-Beben in Athen aus. Ein deutscher Top-Ökonom warnt bereits: Das Land könnte sich so selbst aus dem Euro katapultieren.
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BerlinNach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, ist das Risiko eines Euro-Austritts Griechenlands mit der neuen griechischen Regierung unter Premier Alexis Tsipras eher gestiegen als gesunken. „Die größte Gefahr für Griechenland heute ist, dass die neue Regierung das Land unbeabsichtigt selbst aus dem Euro wirft“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt (Online-Ausgabe). Die Drohungen der griechischen Regierung, einen Schuldenschnitt vorzunehmen seien ein „gefährliches Spiel“.

Das einzige was Tsipras damit erreichen werde, sei, dass er die Bevölkerung und die eigene Wirtschaft verängstige und damit dazu treibe, ihre Ersparnisse und Investitionen ins Ausland zu verlagern. „Wenn sich die bereits begonnene Kapitalflucht fortsetzt, wächst die Gefahr einer erneuten Banken- und Wirtschaftskrise in Griechenland, die letztlich Griechenland zu einem Austritt zwingen könnten“, warnte der DIW-Chef.

Hinter der Einschätzung steht auch die Befürchtung, dass die neue Regierung von ihrer bislang unnachgiebigen Haltung bei Sparkurs und Schuldenschnitt nicht abrückt. Danach sieht es derzeit aus. Zum Amtsantritt bekräftigte Tsipras seine Wahlversprechen vehement. Der Regierungschef sprach am Mittwoch zum ersten Mal vor seinem Kabinett.

Im Umgang mit dem enormen Schuldenberg will die Tsipras-Regierung demnach die für das Volk als katastrophal bezeichnete Sparpolitik stoppen. So sollen entlassene Staatsbedienstete wieder eingestellt, der Mindestlohn in der Privatwirtschaft angehoben und die für das Sparprogramm gestrichene 13. Monatsrente (Weihnachtsgeld) wieder aufgelegt werden. Das Privatisierungsprogramm soll ausgebremst werden, bevor es überhaupt richtig begonnen hat.

Damit dreht die Regierung die Reformen, die für Finanzhilfen zugesagt worden waren, teilweise zurück. Trotzdem will Athen „keinen Bruch“ mit den Geldgebern, allerdings auch „keine Unterwerfung“ dulden, wie Tsipras sagte. Die Sparpolitik werde aber gestoppt. Die Finanzmärkte des Landes stürzten daraufhin regelrecht ab.

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  • Was um alles in der Welt, haben wir mit den US-Interessen in der Ukraine zu schaffen???
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    Wenn sich die USA (wie Obama kürzlich meinte tönen zu müssen) als
    einzig relevanter Staat der Welt betrachten, ist es dann gut, diesen
    neuen Herrenmenschen die Stiefel zu küssen und als treuer Vasall tapfer
    jedes Opfer zu bringen, bis zur Selbstaufgabe.
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    Kann doch nicht sein, oder?
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    Wenn die europäischen Politiker noch einen winzigen Draht zu ihren
    Völkern haben sollten, und ihnen etwas an ihrem politischen Überleben
    liegt, sollten sie genau nachdenken, was sie jetzt tun.

  • Es ist wirklich nicht zu verstehen… Und ich glaube mit einem klaren
    Verstand kann man die Handlungen der “Spitzenpolitiker” nicht mehr
    verstehen…
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    In Deutschland sind die Sanktionen gegen Russland schon mehr
    als nur angekommen… Wieviele arbeitende Menschen in Deutschland wurden
    auf Grund dieser Umstände schon entlassen…?!
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    Wieviel Schaden hat die deutsche Wirtschaft schon erhalten?!
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    Und dennoch wird weiter drüber debattiert neue Sanktionen zu verhängen? Und alles obwohl nichts von den Anschuldigungen bewiesen werden kann… Möchten unsere lieben Politiker, dass Deutschland bald komplett drauf geht?
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    Weshalb geht es wohl den USA jetzt so gut? Weil sie einfach viel Mehr mit Russland wirtschaften… Und die Mega schlauen Politiker hier lassen sich immer noch von den Amis lenken und irgendwas sagen?!
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    Einfach unglaublich! Ich glaube es wird langsam Zeit auf die Straße zu gehen!!!

  • Die deutsche und EU-Politik ist krachend gescheitert.
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    Merkel, Schäuble, Draghi, Juncker und Schulz haben ihr Pulver verschossen. Und nun kommen die Griechen, denen man den Hals zugeschnürt hat.
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    Muss man sich da wundern, wenn die Bürger und nicht die Bankenzocker und Kapitallobbyisten die Folgen tragen? Es wird bald mehrere Griechenlands geben. Die Politik Deutschlands und der EU haben den Bürger vergessen. Das ist tödlich.
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    Von Demokratie und Bürgermitbestimmung kann längst keine Rede mehr sein. Wo kommen die neuen Bewegungen und die Stärkung anderer Parteien her? Es ist die Folge der verfehlten Altparteienpolitik, die rat- und alternativlos ist.

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