Möglicher Giftgaseinsatz

Obama warnt vor schneller Intervention in Syrien

Der US-Präsident sieht die Interessen der USA nach dem möglichen Giftgasanschlag in Syrien bedroht. Obama warnt aber einer schnellen Intervention. Unterdessen sind laut UN mehr als drei Millionen Kinder auf der Flucht.
Update: 23.08.2013 - 14:30 Uhr 17 Kommentare
US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals zu dem Giftgasanschlag in Syrien geäußert. Quelle: ap

US-Präsident Barack Obama hat sich erstmals zu dem Giftgasanschlag in Syrien geäußert.

(Foto: ap)

WashingtonDie Vereinten Nationen schätzen, dass im syrischen Bürgerkrieg mittlerweile mehr als drei Millionen Kinder auf der Flucht sind. Ein Drittel von ihnen habe das stark zerstörte Land verlassen. Diese Zahl sei „ein Meilenstein der Schande“, erklärten das Kinderhilfswerk Unicef und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR. Viele Kinder seien traumatisiert, deprimiert und ohne Hoffnung. Nach Berichten über einen neuen Giftgaseinsatz in Syrien wächst unterdessen der Druck auf US-Präsident Barack Obama, militärisch einzugreifen. Dieser jedoch warnte in einer ersten Stellungnahme vor einer schnellen Intervention.

Die meisten minderjährigen Flüchtlinge haben eine Bleibe in den Nachbarländern Libanon, Jordanien, Türkei, Irak oder auch in Ägypten gefunden. „Wir sprechen von Kindern, die von ihrem Zuhause fortgerissen wurden, vielleicht von ihrer Familie. Sie sehen sich Schrecken gegenüber, die wir gar nicht nachvollziehen können“, sagte Unicef-Chef Anthony Lake. Die meisten der ins Ausland geflohenen Kinder sind jünger als elf Jahre. Auch in Europa wachse die Zahl der syrischen Flüchtlinge.

Innerhalb des Bürgerkriegslandes sind nach Angaben der Vereinten Nationen mehr als zwei Millionen Kinder auf der Flucht. Das Flüchtlingshilfswerk unterscheidet zwischen Flüchtlingen im Ausland und Menschen, die innerhalb des eigenen Landes vor dem Bürgerkrieg geflohen sind.

Nach Ansicht der Hilfsorganisation Medico International ist eine angemessene medizinische Versorgung der Menschen in Syrien nicht möglich. Medico-Sprecher Martin Glasenapp sagte dem Hessischen Rundfunk (HR): „Es werden Medikamente benötigt, vor allem in den direkt umkämpften Gebieten. Es wird aber auch mehr und mehr Nahrungsmittelhilfe nötig sein.“ Von 23 Millionen Syrern seien mittlerweile zwei Millionen ins Ausland oder in die benachbarten Länder geflohen, innerhalb Syriens seien insgesamt fünf Millionen Menschen unterwegs.

US-Präsident Barack Obama hat unterdessen erstmals zu den jüngsten Berichten über einen Giftgaseinsatz in Syrien Stellung genommen. Zwar seien die USA noch dabei, Informationen zu sammeln. Aber es handele sich „klar um ein großes Ereignis“, das Anlass zu ernster Sorge gebe, sagte Obama in einem Interview des TV-Senders CNN. Bei einem Chemiewaffeneinsatz seien auch die Interessen der USA und der internationalen Gemeinschaft berührt.

Allerdings warnte Obama vor schnellen Forderungen nach einer militärischen Intervention. Es gebe rechtliche Fragen sowie die Frage einer internationalen Unterstützung. Bei einem Einsatz ohne UN-Mandat müsse man auch die Frage stellen: „Haben wir eine Koalition, die es machbar machen würde?“ Mit Blick auf die Entwicklung in Syrien und Ägypten betonte Obama, das die Zeit auslaufe.

In der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus sollen nach Rebellenangaben am Mittwoch Hunderte Menschen von Regierungstruppen mit Giftgas getötet worden sein.

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17 Kommentare zu "Möglicher Giftgaseinsatz: Obama warnt vor schneller Intervention in Syrien"

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  • Wie ein gluecklicher Zufall. Kaum haben die Kriegstreiberlaender von Syrien,US+UK+DE+FR+Israel in den VN durchgepeitscht das Giftgaskontrolleure geschickt werden muessen , und sehe da ist schon der erste Giftgaseinsatz , alsob man drauf gewartet hat.Dabei soll man bedenken das mindestens US+UK+FR+Israel Giftgas besitzen

  • "Bei einem Einsatz ohne UN-Mandat müsse man auch die Frage stellen: „Haben wir eine Koalition, die es machbar machen würde?“ Mit Blick auf die Entwicklung in Syrien und Ägypten betonte Obama, das die Zeit auslaufe."
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    Da die Zeit lt. Mr. Obama "ausläuft" wird der Glaube an den angeblichen Einsatz von Giftgas durch Assad ausreichen müssen, um einen Angriffskrieg - ohne UN-Mandat - gegen Syrien zu beginnen, welcher allerdings als Vorspiel zum Angriffskrieg gegen den Iran gedacht ist.
    Da es beim Iran um die Beseitigung einer angeblichen atomaren Bedrohung Israels geht und lt. Frau Merkel "die Sicherheit Israels Teil der deutschen Staatsraison ist" wird es nicht - wie beim Irak-Krieg - mit einer Scheckzahlung getan sein sondern es wird erwartet, dass Deutschland nicht nur einen Blankoscheck ausstellt sondern aktiv an militärischen Aktionen teilnimmt -- an einer Koalition der Willigen.

    Die nächste Katastrophe bahnt sich für Deutschland und möglicherweise für die ganze Welt an !!

  • Deutschland das durch seinen Superstar und Außenminister vertreten wird und man Ohnmächtig zusehen muss,ist alles andere als Human. Sehen sie sich an wer nach Deutschland darf. Sind das wirklich Hilfsbedürftige oder sind es diejenigen die sich überall ihre Vorteile holen. Die Kinder tun mir wirklich Leid,aber ein Land das bekannt ist als Kinderärmstes Land auf der Welt wird auf das Elend keinen Blick werfen. Dabei könnte man für diese Kinder Geld in die Hände nehmen und sie versorgen und eine schulische Ausbildung zukommen lassen. Mit Kindern kann man einen neuen gesunden Staat aufbauen und es gebe
    sicherlich große Zustimmung zu dieser Hilfe aus der bevölkerung. Staatdessen muss ich mir muslime ansehen die Polizisten mit messern angreifen und diesen Staat vernichten wollen. Was für ein Land.

  • Das Geflecht im Nahen Osten ist ziemlich unüberschaubar. So kann höchstens helfen, zu fragen, wer profitiert davon, wenn der Westen in Syrien militärisch eingreift. Dies ist offensichtlich der Iran. Erstens würde damit westliches Militärpotential den Iran selbst nicht mehr bedrohen können oder dabei zumindest erheblich eingeschränkt werden. Zweitens würde damit China und Russland schon aus Gründen einer Gleichgewichtsstrategie auf die Seite Irans gedrängt. Nachdem der britische Geheimdienst nicht einmal im Stande war, sich die unliebsamen Unterlagen des Guardian unbemerkt wieder zu beschaffen, dürften deren Fähigkeiten auch nicht mehr die besten sein. Die Lehren aus Irak und Afghanistan zeigen deutlich, dass militärische Interventionen nur gerechtfertigt sind, wenn die eigene Sicherheit des Westens erheblich bedroht ist. Dazu ist vielleicht der Iran zukünftig im Stande wohl aber kaum Syrien. Zweifelssohne würde aber eine westliche Intervention gegen Syrien der Atomrüstung der Mullahs wesentlich mehr nutzen als schaden. Damit würde sich für den Iran ein Bauernopfer Assad wohl lohnen. Umgekehrt sind Vorteile für Assad durch diese Eskalation nicht zu erkennen

  • "..Als verschwindend gering bezeichnete er die Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei den Berichten über den Chemiewaffeneinsatz um eine Verschwörung der Rebellen handele..."

    Klar,was hätten die auch davon, wenn die USA und andere Staaten völkerrechtswidrig das Assad-Regime stürzen?

    Was hat der denn geraucht?

    Wahrscheinlich haben ihn seine Schlapphüte nicht davon berichtet,das es eine Nato-Granate war,die 5 Menschen in der Türkei tötete und wahrscheinlich selbst von der Türkei oder über die Türkei an die "Rebellen" geliefert wurde!

    Dumm gelaufen!

    Zitat: "Türkei
    Jene Werfergranate aus Syrien, die fünf Türken tötete,
    stammt eindeutig aus NATO-Beständen. Es scheint so,
    als hätte das NATO-Mitglied Türkei die syrischen Aufständischen mit Waffenlieferungen unterstützt. Allerdings müssten diese Lieferungen mit anderen NATO-Staaten abgestimmt sein."

    Siehe: http://www.dersoldat.at/uploads/files/Milizarchiv/2013/der_soldat_2013_01_09.pdf

    Was machen also noch unsere Patriots Monate später in der Türkei?
    Offensichtlich scheint die Nato wohl auf der Seite von Islamisten zu stehen, die Kinder köpfen,oder?

  • Das fatale an der Giftgasaktion ist, dass nicht mal sicher bewiesen werden kann, das die Regierung dahintersteckt. Auch verschieden Oppositionsgruppen bis hin zu Al Kaida hätten eine Grund so Druck auf die USA auszuüben endlich einzugreifen.
    Man darf nicht vergessen, dass ein eingreifen der USA auch die Sündenbocksituation beeinflusst und das vielleicht sogar beabsichtigt ist.
    Kriege in islamischen Ländern sind seit je her schmutzig, weil sie es nie für nötig erachtet haben sich an die Genfer Konventionen zu halten. Eine "humantäre" Kriegsführung, d.h. Minmierung von Toten und Schäden, die nicht direkt beteiligt sind, ist in diesen Ländern ausgeschlossen.
    Bei asymetrischer Kriegsführung weis man zu dem nie, wem man vertrauen kann und wem was zuzurechenen ist.
    Und Krieg führt man nie der Moral wegen, das wäre unverantwortlich, was aber einige Foristen immer noch zu glauben scheinen. Allerdings ist eine Krieg meistens nur dann erfolgreich, wenn neben dem Grund auch die Moral auf der eigenen Seite ist.

    H.

  • "Bei einem Einsatz ohne UN-Mandat müsse man auch die Frage stellen: „Haben wir eine Koalition, die es machbar machen würde?“"

    Ohne UN-Mandat wäre es ein rechtswidriger Krieg, aber darin kennt sich die USA ja aus (Irak und Afghanistan)!
    Beide Gründe für den Irak- und Afghanistan-Krieg waren Lügen, genauso wie der Grund für unsere Patriot-Raketen in der Türkei (die dort immer noch stehen)!

    Zitat der österreichischen Zeitschrift "Der Soldat" bereits vom 18.01.2013:

    "Türkei
    Jene Werfergranate aus Syrien, die fünf Türken tötete,
    stammt eindeutig aus NATO-Beständen. Es scheint so,
    als hätte das NATO-Mitglied Türkei die syrischen Aufständischen mit Waffenlieferungen unterstützt. Allerdings müssten diese Lieferungen mit anderen NATO-Staaten abgestimmt sein."

    Siehe dazu:
    http://www.neopresse.com/politik/naherosten/nun-ist-es-offiziell-der-granatangriff-auf-die-turkei-war-inszeniert/

    "Mit Blick auf die Entwicklung in Syrien und Ägypten betonte Obama, das die Zeit auslaufe."

    Ja, aber anders als mit einem inszenierten Krieg!

    Es ist auch sehr kommisch,das die US nicht mit Spezialeinheiten die islamistischen Terroristen in Syrien bekämpfen, die so grausam sind und selbst Kinder köpfen!
    Guter Islamist, böser Islamist?
    Alle Länder, die angeblich gegen den Terror kämpfen sind in Bezug auf die Islamisten in Syrien völlig unglaubwürdig! Uns überwachen und die islamistischen Terroristen in Syrien mit Waffen unterstützen und laufen lassen! Völlig abgekartertes und durchschaubares Spiel,das nur noch zum k... ist!

  • @hafnersp
    Danke, diese Videos sollten von allen Lesern u n b e d i n g t abgesehen werden.

  • >>Ein Militäreinsatz wäre daher mit verbunden, US-Soldaten würden nicht gefährdet.<<

    Mit „geringen Kosten“ - nur nicht für die Araber, auf die der Bombenhagel herab-regnet.
    Was für eine menschenverachtende Aussage von diesem Neo/Zion-Konservativen.

  • Nachtrag: hier ist das Video mit General Clark

    http://www.youtube.com/watch?v=9RC1Mepk_Sw

    Selbst Irak war offenbar schon geplant zur Zeit des 9-11-Vorfalls.

    7 Länder in fünf Jahren - tja, da hat sich wohl der militärisch-industrielle Komplex der USA komplett überschätzt!

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