Möglicher Uno-Botschafter
US-Botschafter Bolton gewinnt an Ansehen

„Wir glauben nicht, dass wir eine dauerhafte Lösung finden, wenn wir einfach zu business as usual zurückkehren.“ Es war einer dieser klassischen John-Bolton-Sätze, mit dem Washingtons Uno-Botschafter Kofi Annan abblitzen ließ.

WASHINGTON. Nach der Bombardierung von Kana hatte der Uno-Generalsekretär zu einer Verurteilung Israels und einer Waffenruhe aufgerufen – doch einmal mehr ließ Bolton ihn hilflos aussehen. „Wir sollten an den tragischen Tod der Zivilsten denken“, sagte Bolton, „das ist heute wichtig.“

Dieses Talent zur verborgenen Spitze hat dem 57-jährigen Bolton in den vergangenen zwölf Monaten Respekt eingebracht – so viel, dass der gelernte Jurist inzwischen Aussichten hat, vom Senat als Uno-Botschafter bestätigt zu werden. Bislang hat Bolton seine Autorität nur einem – verfassungsgemäßen – Kunstgriff des Präsidenten zu verdanken. Der hatte, nachdem er seinen Kandidaten im Kongress nicht durchbringen konnte, die Abwesenheit der Abgeordneten in der Sommerpause genutzt und Bolton per Dekret ernannt. Mit Ablauf der Legislaturperiode im Januar läuft das Mandat aber aus. Bolton musste sich deshalb einer erneuten Anhörung stellen, um seinen Posten behalten zu können.

Nun hat sich zwar in der Ablehnung Boltons durch die Demokraten nichts Wesentliches geändert. Jedoch hat inzwischen George Voinovich, republikanischer Senator aus Ohio, die Seiten gewechselt. Der Gegner Boltons hat sich von dessen Arbeit so sehr überzeugen lassen, dass er der Öffentlichkeit seinen Sinneswandel über die „Washington Post“ mitteilte. Dies könnte im Senat eine neue Dynamik auslösen, die Bolton womöglich die nötige Unterstützung einbringt.

In seinem ersten Jahr bei der Uno hat Bolton stets entlang seiner Weisungen aus Washington gestimmt und Alleingänge vermieden. Selbst Kritiker in den USA räumen ein, dass er etwa in der Ablehnung des Uno-Menschenrechtsrates eine richtige Gegenposition vertreten habe – in der ihm eigenen deutlichen, bisweilen rüden Sprache. Die ist es aber auch, die ihm eine weitere Uno-Zukunft verbauen könnte. Bei den Sechser-Gesprächen zu Nordkorea hatte er Staatschef Kim Jong-Il als „tyrannischen Diktator“ bezeichnet. So richtig diese Einschätzung sein mag, zur Verbesserung der Atmosphäre trägt so eine Sprache nicht bei – deshalb wurde Bolton von den Gesprächen 2003 abgezogen.

Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent
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