Mohammed-Affäre: Karikatur-Protest in Pakistan eskaliert

Mohammed-Affäre
Karikatur-Protest in Pakistan eskaliert

In Pakistan haben sich die Proteste gegen die dänischen Mohammed-Karikaturen erheblich radikalisiert: In mehreren Städten wurden amerikanische Schnellrestaurants, CD- und DVD-Geschäfte und Kinos in Brand gesteckt. Die Polizei antwortete mit Tränengas und Schlagstockseinsätzen. Drei Menschen starben.

HB ISLAMABAD. Die Demonstration in Peshawar war landesweit mit 70 000 Teilnehmern die bislang größte Kundgebung gegen Karikaturen des Propheten Mohammed, die von einer dänischen Zeitung veröffentlicht worden waren und von Muslimen als gotteslästerlich empfunden werden.

Ein Polizeisprecher sagte, die große Menge habe randaliert, Geschäfte in Brand gesteckt und Polizisten angegriffen. In Peshawar kamen bei den Unruhen zwei Menschen ums Leben. Ein achtjähriger Junge wurde nach Polizeiangabe von der Kugel eines Demonstranten tödlich im Gesicht getroffen. Ein 25-jähriger Mann erlitt nach Angaben eines Verwandten einen tödlichen Stromschlag, als eine Stromleitung auf den Boden fiel, die von Schüssen aus der Menge durchtrennt worden sei. In Lahore wurde ein Mann bei Zusammenstößen mit der Polizei erschossen.

Tausende Demonstranten blockierten eine der Hauptstraßen Peshawars und skandierten Parolen wie „Tod für Dänemark“ und „Hängt diejenigen, die die beleidigenden Karikaturen zeichneten“. Einige plünderten ein Büro des norwegischen Mobilfunkkonzerns Telenor.

In Indonesien beschloss die Vereinigung der Importeure einen Boykott gegen dänische Waren. Das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt führte im vergangenen Jahr Waren im Wert von 62 Millionen Euro ein, darunter Milchprodukte, Babynahrung und Rindfleisch. In Manila auf den Philippinen verbrannten hunderte Demonstranten vor einem dänischen Konsulat dänische Flaggen.

Die Europäische Union bedauerte, dass die Kontroverse über die Mohammed-Karikaturen das gegenseitige Vertrauen zwischen den Religionen erheblich erschüttert habe. In einer Erklärung wurde aber zugleich bekräftigt, dass die Meinungs- und Pressefreiheit ein „nicht verhandelbarer Wert“ sei. EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso sagte, friedliche Proteste von Muslimen gegen die Karikaturen würden akzeptiert. Die EU verurteile aber aufs Schärfste Gewalt gegen ihre Einrichtungen in Gaza und die Botschaften von Mitgliedstaaten, insbesondere Dänemarks. Den Dänen versicherte er als „eines der offensten und tolerantesten Völkern nicht nur in Europa, sondern in der Welt“ die Solidarität der EU.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%