Mohammed-Karikaturen: Der Kulturkampf erreicht Europa

Mohammed-Karikaturen
Der Kulturkampf erreicht Europa

Die Unsicherheiten sind groß: Journalisten bieten im Streit um die Mohammed-Karikaturen Entschuldigungen an, werden entlassen oder üben sich in Selbstzensur. Politiker und Pressevertreter verteidigen in einem Moment vehement die Meinungsfreiheit - und schwächen ihre Aussagen wenig später wieder ab. Die Diskussion entzweit Europa und die islamische Welt.

co DÜSSELDORF. Der Streit um die Mohammed-Karikaturen der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ hat sich zu einer Art Kulturkampf entwickelt, in dem sich zwei scheinbar unvereinbare Positionen gegenüber stehen: Auf der einen Seite befinden sich die Verfechter von Pressefreiheit und dem Recht auf freie Meinungsäußerung - einem der Grundpfeiler jeder Demokratie. Auf der anderen Seite wehren sich gläubige Moslems gegen einen respektlosen Umgang des Westens mit ihrem Glauben.

Beispiele für die verschiedenen Standpunkte: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble hat eine Entschuldigung der Regierung für Veröffentlichungen der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der deutschen Presse abgelehnt. Sein Standpunkt: „Warum sollte sich die Regierung für etwas entschuldigen, was in Ausübung der Pressefreiheit passiert ist", fragt er.

Für welche Unsicherheit der Streit auch in Deutschland sorgt, wird vor allem dann deutlich, wenn Vertreter der gleichen Organisationen mit teils widersprüchlichen Aussagen an die Öffentlichkeit treten. So verteidigte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, den Nachdruck der Karikaturen als „notwendigen Beitrag zur Meinungsbildung“, nachdem sein Sprecher zuvor noch erklärt hatte, dass die Veröffentlichungen mit der Verantwortung der Presse nicht zu vereinbaren seien.

Auch in anderen Ländern Europas wird heftig über Meinungsfreiheit und die Verletzung religiöser Gefühle debattiert. Die Schweizer Zeitung „Tribune de Genève“ schreibt: "Dass Staaten eingreifen, wie sie es jetzt tun, und dass ein ganzes Land für die Tat einer Zeitung an den Pranger gestellt wird, ist unannehmbar.“ In den Niederlanden meinen die Kommentatoren der Zeitung „Trouw“: "Es geht darum, dass es unannehmbar ist, wie einige Muslime und Regierungen ihre Gefühle ausdrücken. Respekt vor der Religion kann nicht erzwungen mit Einschüchterung durch diejenigen, die keinen Respekt vor der Freiheit haben. Und tatsächlich - Entschuldigungen stellen die Welt dann auf den Kopf.“

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