Mohammed-Karikaturen
Islamische Staaten setzen Dänemark unter Druck

Was die Leser der dänischen Zeitung „Jyllands-Posten“ erheitern sollte, entwickelt sich für Dänemark zu einem handfesten politischen und wirtschaftlichen Problem: Wegen elf Karikaturen des Propheten Mohammed ziehen nach Saudi-Arabien zwei weitere islamische Staaten ihre Botschafter aus Kopenhagen ab.

HB KOPENHAGEN. Nachdem Saudi-Arabien seinen Botschafter aus Kopenhagen abgezogen hatte, kündigte die Regierung von Kuwait diesen Schritt nach Angaben aus Kopenhagen für diese Woche an. Auch Libyen will laut einer Erklärung des Außenministeriums in Tripolis seine Botschaft in der dänischen Hauptstadt schließen.

Die Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) forderte am Sonntag eine Entschuldigung der dänischen Regierung, weil sie die Veröffentlichung der Karikaturen im September weder verhindert noch unzweideutig verurteilt habe. OIC-Generalsekretär Ekmeleddin Ihsanoglu erklärte in Dschidda: „Die 1,3 Milliarden Muslime können zu Recht erwarten, dass diejenigen, die sich der Blasphemie (Gotteslästerung) schuldig gemacht und die zivilisatorischen Grenzen der Freiheit überschritten haben, die Angelegenheit wieder in Ordnung bringen, indem sie sich ohne Einschränkung entschuldigen.“

Die syrische und die iranische Regierung verurteilten die Karikaturen am Sonntag in scharfer Form. In Saudi-Arabien nahmen einige Supermarktketten aus Protest alle dänischen Produkte aus ihren Regalen. In der Erklärung des libyschen Außenministeriums wurden „wirtschaftliche Maßnahmen“ ohne weitere Einzelheiten angedroht.

Die Darstellung Gottes oder des Propheten Mohammed ist im Islam nicht erlaubt. Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hatte im vergangenen September trotzdem elf Karikaturen Mohammeds veröffentlicht. Sie wollte damit nach eigenen Angaben gegen die aus ihrer Sicht zunehmende Bedrohung der Freiheit durch islamistische Fundamentalisten protestieren.

„Jyllands-Posten“ veröffentlichte am Wochenende auch auf Arabisch eine Erklärung, wonach man die Verletzung religiöser Gefühle von Menschen bedaure. Dies sei nicht die Absicht bei der Veröffentlichung der Zeichnungen gewesen. Die Erklärung enthielt aber keine Entschuldigung.

Scharfe Kritik am Verhalten der größten dänischen Zeitung hatte nach Bekanntwerden von Boykottaktionen in arabischen Ländern unter anderem der Chef des Dänischen Industrieverbandes (DI), Hans Skov Christensen, geübt. Dänemarks Botschafter in Saudi-Arabien, Hans Klingenberg, distanzierte sich ebenfalls von der Veröffentlichung der Karikaturen. Er sagte in einem TV-Interview, das Blatt habe mit den Zeichnungen „Mangel an Urteilskraft“ bewiesen. Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen hat die Veröffentlichung stets verteidigt und als Ausdruck des dänischen Sinns für Direktheit und Humor bezeichnet.

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