Mohammed-Karikaturen
Viele Tote bei Straßenschlachten in Pakistan

In vielen islamischen Ländern ist auch an diesem Freitag gegen das Anti-Islam-Video demonstriert worden. In der pakistanischen Stadt Peshawar kam es zu einer Straßenschlacht, bei denen ein Dutzend Menschen starben.
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Islamabad/Kuala LumpurZehntausende Muslime haben am Freitag in der islamischen Welt gegen ein Schmähvideo aus den USA und derbe Mohammed-Karikaturen eines französischen Satireblatts protestiert. In Pakistan kam es trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen nach den Freitagsgebeten zu Unruhen mit mindestens 16 Toten und Dutzenden von Verletzten. Auch in vielen anderen Ländern gab es Proteste.

In der pakistanischen Hafenstadt Karachi im Süden des Landes starben nach Polizeiangaben zwölf Menschen, darunter drei Polizisten, 80 Menschen wurden verletzt. Es wurde befürchtet, dass die Zahl der Toten steigen könnte. Bei Unruhen im nördlichen Peshawar gab es nach Angaben des Rettungsdienstes vier Tote, unter ihnen ein Mitarbeiter eines Fernsehsender. In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Erst gegen Abend gelang es der Polizei, die aufgebrachte Menge unter Kontrolle zu bringen.

Im ostpakistanischen Lahore lieferten sich Demonstranten in der Nähe des US-Konsulats ebenfalls Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit. Die Kommunikation im Land war schwierig, weil die Regierung am Freitag in 15 großen Städten zeitweise den Mobilfunkservice ausgesetzt hatte.

Die USA bemühten sich unterdessen um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen von dem Schmähvideo. In dem von sieben Sendern ausgestrahlten Beitrag sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, die USA hätten mit dem Video nichts zu tun. Für die TV-Sendezeit gab die US-Regierung umgerechnet mehr als 50 000 Euro aus. In Islamabad erklärte der amtierende US-Botschafter, die Produktion des Schmähvideos beruhe auf der „zutiefst taktlosen Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren“.

Pakistans Premierminister Raja Pervez Ashraf hatte den Freitag zum landesweiten Feiertag zu Ehren des Propheten Mohammed erklärt. Zahlreiche politische und religiöse Gruppen hatten zuvor zu Protesten nach den Freitagsgebeten aufgerufen. Das Schmähvideo aus den USA, in dem der Prophet Mohammed verunglimpft wird, sei die „schlimmste Art von Bigotterie“, sagte Ashraf. Gleichzeitig forderte er die internationale Gemeinschaft dazu auf, Wege zu finden, um Äußerungen zu verbieten, die „Hass schüren und die Saat der Zwietracht säen“.

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Frankreich verbietet Proteste

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  • Ich bin agnostischer Atheist. Das ist mir sowas von egal.

  • @Rasiermesser
    Das sogenannte Schmähvideo habe ich mir angesehen. Jeder normale Mensch würde über dieses dumme Filmchen lachen und dann zur Tagesordnung übergehen.
    Das Karrikaturen und stupide Filme solche Reaktionen in der muslimischen Welt auslösen, zeigt wie die Führtung dieser Menschen tickt und wie sie die Religion für ihre Zwecke missbrauchen.

    In Augen des Koran sind wir Christen Ungläubige. Wir sollten uns deshalb auch generell beleidigt fühlen und auf die Straße gehen und Menschen töten...oder besser doch nicht?

    Ich glaube wir müssen begreifen, daß sich einige Muslime noch im Mittelalter befinden, zu Zeiten der Glaubenskriege. Das ist gefährlich und darf von uns Christen nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

  • Na also, hat doch prächtig funktioniert! Die Regierung organisiert ein fröhliches Schlachtfest und lenkt so Volkes Dumpfbacken ab. Die gefürchtete Al-Kaeda kann etwas Dampf ablassen, aber nicht gegen die Regierenden. Die Empörung und Beleidigung scheint bei diesen bärtigen Kuttenträgern ja genetisch vorprogrammiert. Vor nicht allzulanger Zeit hat der westliche Satan die desolate Unfähigkeit der Regierung angesichts der schweren Überschwemmungen mit riesigen Mengen an Hilfsgütern entlastet. Das ist den Beleidigten natürlich schon wieder entschwunden. Vermutlich machen die jetzt Jagd auf die christliche Bevölkerung (die übrigens damals leer ausging). Oder man schlachtet sich aus Langeweile auch gegenseitig mal schnell ab. Leute, das ist alles einfach nur peinlich und bekloppt. Und dann gibt es hierzulande Politiker, die sich eilends mit Entschuldigungen und Erklärungen zu Worte melden. Wären die so fleissig und empört bei den massenhaften Morden an Christen oder antijüdischen Karikaturen in islamischen Ländern, könnte man dieser betriebsamen Hektik ja vielleicht noch etwas abgewinnen. Aber so ist es eigentlich nur noch peinlich.

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