Mohammed Yunus
„Nur die Banken zu retten reicht nicht“

Für sein System der Mikrokredite für Arme erhielt Mohammed Yunus vor drei Jahren den Friedensnobelpreis. Im Handelsblatt-Interview bekennt er sich zur Globalisierung, kritisiert die Zielrichtung des Weltfinanzgipfels und verrät, ob er auch in Deutschland eine Zukunft für Mikrokredite sieht.

Handelsblatt: Herr Yunus, lebt es sich anders als Nobelpreisträger?

Yunus: Eindeutig (lacht). Eigentlich erzähle ich ja mit meiner Idee der Mikrokredite seit 30 Jahren immer dasselbe. Aber früher sagten die Leute, ich sei verrückt. Seit ich den Nobelpreis erhalten habe, gelten meine Äußerungen plötzlich als weise.

Wir dachten eher an praktische Vorteile ...

(Lacht erneut.) Die hat der Preis auch: Heute kann ich jeden Vorstandsvorsitzenden in der Welt anrufen. Er teilt vielleicht nicht meine Meinung. Aber er weist mich nicht mehr ab. Der Nobelpreis wird weltweit als Oscar für gute Ideen gewürdigt.

Ihre Grameen-Bank expandiert. Aber die Mikrofinanzwelt scheint nach einer Boomphase jetzt Probleme zu haben.

Einige neue Akteure, die Mikrokredite vergeben, haben Probleme. Wer etwa Geld in harten Währungen geliehen hat, um Mikrokredite in schwachen Währungen zu vergeben, steckt bei der Rückzahlung in Schwierigkeiten. Auch Investmentfonds sind in dem Sektor gescheitert - zu Recht übrigens.

Wieso?

Ich hatte private Investoren gewarnt, dass das Instrument der Mikrokredite kein Mittel ist, mit hohen Margen Geld nun auch noch aus den Armen zu pressen. Eigentlich sollte es in Entwicklungsländern wie Bangladesch ein Mittel gegen Kredithaie sein - um denen zu helfen, die von normalen Banken als nicht kreditwürdig eingestuft werden. Jetzt schwimmen unter dem Namen leider selbst Kredithaie umher, die Zinssätze von 100 Prozent und mehr fordern.

Welchen Zinssatz nimmt Ihre Grameen-Bank für Existenzgründer?

Normalerweise 20 Prozent, acht Prozent für Immobilien, fünf für Studentenkredite und null Prozent bei Bettlern - denn auch diesen geben wir Kredit.

Seit die staatliche Entwicklungshilfe die Mikrokredite entdeckt hat, gibt es aber auch die Kritik, dass zu niedrige Sätze lokale Banken kaputtmachen.

Das stimmt, das kritisiere ich auch. Wenn ausländische Organisationen staatlich subventionierte Kredite vergeben, können kleine kommerzielle Banken in den Entwicklungsländern nicht mithalten. Statt den Armen zu helfen, schaden künstlich verbilligte Kredite, weil sie einige Wege zum Kapital versperren. Das ist schlecht. Denn gerade in der weltweiten Finanzkrise und den wirtschaftlichen Turbulenzen werden die Mikrokredite noch wichtiger, weil sie helfen, ein eigenes Geschäft aufzubauen.

Seite 1:

„Nur die Banken zu retten reicht nicht“

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%