Monrovia in zwei Hälften geteilt
USA fordern Rebellen in Liberia zum Rückzug auf

Die USA haben am Sonntag die Rebellen-Gruppen in Liberia, die für den Sturz von Präsident Charles Taylor kämpfen, aufgefordert das Feuer einzustellen und sich aus der Hauptstadt Monrovia zurückzuziehen. Zugleich kündigte ein hochrangiger Vertreter des westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas die Stationierung ausländischer Friedenstruppen in Liberia für diese Woche an.

Reuters MONROVIA. Liberias Präsident Taylor hat zwar am Wochenende in Monrovia seine Rücktrittsabsichten nochmals bekräftigt, einen Termin dafür aber bisher nicht genannt. Taylor macht seinen Rücktritt vom Eintreffen einer multinationalen Friedenstruppe abhängig. Die USA verlangen dagegen als Vorbedingung einer eventuellen Beteiligung an einem solchen Einsatz den Rücktritt Taylors. Um die Hauptstadt dauerten die Kämpfe verschiedener Rebellengruppen gegen Regierungseinheiten am Wochenende an. Monrovia wurde von den Kämpfen inzwischen in zwei Hälften geteilt, wobei der Hafen in der Hand der Rebellen ist.

US-Botschafter John Blaney sagte vor der Presse in Monrovia, die liberianische Regierung habe bereits zugesagt, den Fluss Po, zwölf Kilometer vor den nördlichen Vororten Monrovias als Demarkationslinie zu akzeptieren. „Die Regierung von Liberia hat den US-Vorschlag akzeptiert und ich fordere die LURD (die Rebellen) auf, das selbe zu tun“, sagte Blaney. Die Liberians United for Reconciliation and Democracy (LURD) hat am Sonntag einen neuen Vorstoß in die Hauptstadt unternommen. Taylor kontrolliert nur noch rund ein Drittel des 1847 von freigelassenen amerikanischen Sklaven gegründete Staates.

Unter den andauernden Kämpfen leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Die Kämpfer auf allen Seiten setzten zudem Kinder als Soldaten ein. Laut Taylor kamen in den vergangenen acht Tagen mehr als 1000 Zivilisten um.

Sieben Tote bei Granatangriff auf Kirche

US-Präsident George Bush hatte am Freitag seine Forderung bekräftigt, Taylor müsse das Land verlassen. „Wir sind zutiefst besorgt, dass die Situation des liberianischen Volkes schlimmer und schlimmer wird“, hatte Bush gesagt. Rund 2000 US-Marineinfanteristen, deren Flottenverband noch Tage weit von Liberia entfernt ist, sollen nach den bisher bekannten Plänen der US-Regierung lediglich eine Intervention der angekündigten Friedenstruppe der Gemeinschaft westafrikanischer Staaten von See aus absichern.

Mohamed Ibn Chambas, hochrangiger Ecowas-Vertreter, kündigte Friedenstruppen für Liberia noch in dieser Woche an. „Sie müssen sehr schnell dort sein und wir arbeiten rund um die Uhr. Ecowas, die UNO, und die USA. Das Militär plant, die Kräfte so schnell wie möglich zu stationieren, aber wirklich innerhalb dieser Woche werden die Truppen stationiert sein“, sagte er. Sie würden zwischen den Kontrahenten Stellung beziehen, um die Kämpfe zu beenden, fügte er hinzu.

Am Vortag war eine Kirche in Monrovia, in der viele Menschen aus Angst vor der Anarchie Zuflucht gesucht hatten, mit Granaten beschossen worden. Mindestens sieben Menschen kamen nach Angaben der Rettungsdienste ums Leben, mindestens 30 wurden verletzt. Seit rund 14 Jahren herrscht in Liberia fast ununterbrochen Bürgerkrieg. Nach Einschätzung von Hilfsorganisation versinkt das Land zunehmend in Anarchie und Chaos. Vor allem in Monrovia verschlechtere sich die Lage fast stündlich. So waren die Lebensmittel-Vorräte im Hafen gelagert worden, den die Rebellen jetzt kontrollieren.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%