Moody's Herabstufung
Ungarns Staatsanleihen verfallen zu Ramsch

Ein weiteres europäisches Land fällt bei einer Ratingagentur in Ungnade: Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit herabgestuft. Die ungarische Regierung fürchtet Spekulationen gegen die nationale Währung Forint.
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Washington/Budapest/FrankfurtDie US-Ratingagentur Moody's hat Ungarns Kreditwürdigkeit auf Ramschniveau herabgestuft. Ungarische Staatsanleihen wurden von der Note Baa3 um eine Stufe auf Ba1 herabgesetzt, teilte Moody's am Donnerstag mit.

Die Agentur begründete den Schritt mit anhaltenden Zweifeln an der Fähigkeit des Landes, seine Finanzen nachhaltig in Ordnung zu bringen. Es werde immer unsicherer, ob das Land angesichts seiner eingeschränkten Wachstumsaussichten seine mittelfristigen Ziele zur Konsolidierung der Finanzen und der Reduzierung der öffentlichen Schulden erreichen könne. Der Ausblick bleibe „negativ“.

Ungarn hatte am Montag angesichts einer drohenden Herabstufung durch Ratingagenturen den Internationalen Währungsfonds und die Europäische Union um vorsorgliche Finanzhilfen gebeten. Die ungarische Regierung betonte dabei, dass die Ersuchen um Hilfe „vorbeugend “ seien. Der Fraktionschef der regierenden Fidesz-Partei, János Lázár, bekräftigte, das Land wolle sich weiter selbst Geld am Markt beschaffen. Die Hilfen von IWF und EU dienten als Sicherheitsnetz, um ein Wirtschaftswachstum von einem Prozent im Jahr zu erreichen.

Durch die Hilfeersuchen können IWF und EU nun offizielle Verhandlungen mit Budapest über eine Unterstützung aufnehmen. Ungarn gehört der Europäischen Union an, ist aber nicht Mitglied der Eurozone.

Das Land steht an den Finanzmärkten seit Wochen unter Druck. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Viktor Orban versicherte mehrfach, dass sie die Neuverschuldung unter drei Prozent der Wirtschaftsleistung drücken wolle. Zudem verwies sie darauf, dass die Gesamtverschuldung des Landes im vergangenen Jahr von 81 auf 73 Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt worden sei.

Die ungarische Regierung vermutet zudem, dass in jüngster Zeit gegen die nationale Währung Forint spekuliert wurde. Die Ermittlungsbehörden seien deshalb angewiesen worden, Nachforschungen anzustellen, sagte ein Regierungssprecher am Donnerstag. „Die makroökonomischen Daten geben keinerlei Anlass, gegen den Forint zu wetten“, erklärte er auf einer Pressekonferenz.

Zudem werde das Verbot von Zwangsräumungen ab 1. Dezember wieder eingeführt und gelte bis März kommenden Jahres. Die Regelung war zum 1. Oktober aufgehoben worden.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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DAPD Deutscher Auslands-Depeschendienst GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Die lustigste Baracke im sozialistischen Lager konnte nach der Wende 1989 unbekümmert weitermachen, weil sich europäische und vor allem österreichische Banken an Angeboten überboten, die man getrost schon als „unmoralische Angebote“ bezeichnen kann. Sicherungen uninteressant, Verwendungszweck: Der Merzi (Daimler), der Palast, Luxusreisen, großzügige Anerkennungsprämien (Schmiergelder), warum nicht. Gewinnbringende Investitionen, müssen nicht sein. Wichtig war vor allem vor den konkurrierenden Banken im Geschäft zu sein. Verdient haben die Vermittler an den saftigen Provisionen. Nun könnten selbst Leute wie Soros oder Kostolany nicht mehr helfen. Dem liebenswürdigen, aber nun zahlenden Volk bleibt nur noch, wie schon zur kommunistischen Zeit, der erste Satz der Nationalhymne: „Gott segne den Ungarn“.

  • "Das ist wohl der Preis, der für ein friedliches Europa gezahlt werden muss."

    Also mir erschien das "friedliche" Europa wie es vor dem Euro bereits seit Jahrzehnten bestand deutlich friedlicher als jetzt. Der jetzige Friede besteht aus Neid, Wohlstandsabbau und zunehmenden Hass.

    Dazu die überall die Protest- und Streikbewegungen die von den Medien so gerne ignoriert werden damit der dumme deutsche Michel nicht merkt in was für einen schmutzigen Europa er tatsächlich lebt. Von den zeitweise Bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Grie-chenland will ich überhaupt nicht sprechen...

    Wenn das der Friede und Wohlstand dieser kommunistischen Brüsseler Zentral-EU ist, kann ich nur hoffen dass genau "dieser Friede" bald auch in Brüssel einzieht!

    Das ist kein Friede und Wohlstand, das ist ein stiller sozialistischer EU-Putsch gegen alle demokratischen Nationen in Europa!

  • „Die makroökonomischen Daten geben keinerlei Anlass, gegen den Forint zu wetten“! Soso. Die Immobilienblase, kreditfinanziert in Schweizer Franken, wird natürlich überbewertet. Alles super in der Pusta. Deshalb wird der Kampf gegen die Märkte aufgenommen. Die überschuldeten Immobilienbesitzer dürfen in ihren Wohnungen bleiben und sind selber Schuld, wenn sie ihre ausstehenden Kredite weiter bedienen. Die Moral ist ja auf ihrer Seite, ist doch das Gros der Gläubiger im österreichischen Bankensektor zu finden. Demnächst wird auch der Verkauf von Forint unter Starfe gestellt. Es wird doch wohl niemand daran zweifeln, daß die ungarische Regierung alles richtig gemacht hat. Außer vielleicht die Märkte.

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