Moody’s stuft Irland herab

Ein Teufelskreis aus lauter Kleinmut

Erst Portugal, jetzt Irland: Dass die Ratingagentur Moody's die Bonitätsnoten für die beiden Schuldenländer auf Ramschstatus herabstuft, verschärft die Finanzkrise in der Eurozone weiter. Statt über das Urteil von Moody's und anderen zu lamentieren, muss die Politik nun endlich handeln. Denn die Verunsicherung auf den Märkten ist hausgemacht.
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Moody's stuft Irland herab

Die Politiker in Europa sollten heute auf ihre traditionelle Rhetorik gegen Spekulanten und Ratingagenturen verzichten und lieber ihren eigenen Kleinmut und ihre eigene Unentschlossenheit überwinden - denn die ist derzeit das größte Problem in dieser Krise, die sich immer weiter ausbreitet.

Nicole Bastian ist Leiterin des Finanz-Desk des Handelsblatt. Quelle: Pablo Castagnola

Nicole Bastian ist Leiterin des Finanz-Desk des Handelsblatt.

(Foto: Pablo Castagnola)

Denn es ist die seit Monaten anhaltende, endlose und öffentlich geführte Debatte darüber, wie denn ein dringend nötig gewordenes zweites Rettungspaket für Griechenland geschnürt werden soll, die die Finanzmärkte in höchsten Alarm versetzt. Da sprechen Finanzminister von Euroländern öffentlich darüber, dass man Griechenland ja auch zeitweise auf den Status „zahlungsunfähig“ fallen lassen könnte, ohne für diesen Fall die Absicherung parat zu haben, dass sich die anderen Euroländer weiter am Kapitalmarkt finanzieren können.

Öffentlich werden da seit Wochen zwischen Politik, Europäischer Zentralbank und Ratingagenturen alle möglichen Modelle erläutert. Und weil die meisten davon eine freiwillige Beteiligung von Banken und Versicherungen, die Griechenlandanleihen halten, einschließen, aber eine Entscheidung einfach nicht gefunden wird, folgert die Ratingagentur, dass auch für die Anleihen anderer Länder wie Portugal und Irland private Anleihegläubiger mit Verlusten rechnen müssen.

Deshalb stuft sie die Bonitätsnoten herab, die Zinsen für Anleihen dieser Staaten steigen weiter, so dass sie erst recht Probleme bekommen werden, sich in Zukunft am Kapitalmarkt Geld über mehrere Jahre zu leihen. Dadurch steigt die Gefahr, dass sich die Misere auf andere Euroländer ausbreitet. Diesen Teufelskreis müssen die Regierungschefs der Eurostaaten jetzt auf ihrem Krisentreffen endlich mit Entscheidungen durchschlagen und nicht durch endlose Diskussionen vergrößern. Denn es ist nicht zuletzt ihre Unentschlossenheit, die sich in den Herabstufungen niederschlägt.

Teilverzicht muss sein
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  • Wie naiv ist denn der Autor dieses Artikels ?
    "... würde Griechenlands immense Schuldenlast reduzieren und endlich eine klare Struktur schaffen, um dem Teufelskreis zu entrinnen. "
    Keine Struktur dieser Welt kann Opportunismus, Betrügereien und parasitäres Streben, wie es dem Griechen oder Zyprioten innewohnt, beseitigen.
    Es ist ein mentales Problem dieser Völker kein Problem einer Struktur o.ä.

  • @ hgert:

    Mit Ihrer Meinung fahren wir mindestens genauso schnell vor die Wand.

    1. Soros wurde nicht Milliardär weil er die kleine nationale Währung GBP in die Ecke treiben konnte.
    Er hat die Überbewertung des GBP erkannt und auf Abwertung spekuliert.
    Die BoE, die sich dagegenstellte, hat das Kräftemessen verloren; die Überbewertung wurde korrigiert
    (soviel auch zu den "bösen Spekulanten" die Währungen "angreifen", wenn nicht mal eine Zentralbank eine bestehende Über-/Unterbewertung aufrechterhalten kann).

    2. Die Exporte müssen erstmal bezahlt werden.
    Momentan wird unterstellt das wir als Exporteur vom Export profitieren obwohl die Zeche noch nicht bezahlt ist;
    deshalb sollen wir das Geld zum bezahlen derselben gleich noch mitliefern.
    Mit diesen theoretischen Gewinnen wird derzeit auch eher unsere Beteiligungsfähigkeit an Rettungsschirmen berechnet als unser Haushalt saniert.
    Es kann niemand ernsthaft glauben das unsere Neuverschuldung auf Null sinkt oder gar negativ wird, schon vorher würde man von uns einen höheren, "den Möglichkeiten angemessenen" Beitrag fordern.

    Nebenbei: Wenn Ihr Geld 30% mehr wert ist, werden Sie das (obwohl es nicht nur Vorteile hat) beim Kauf eines (Fernost-)Fernsehers sicher merken.

  • Die Titanic "Eurozone" wird untergehen. Deutschland ist gut beraten sich besser heute als morgen aus der Eurozone zu verabschieden. Wieso noch Milliarden deutscher Steuergelder verschwenden, nur um das absaufen zu verzögern?

    Deswegen ist dieser Beitrag ein weiterer törichter Bastelvorschlag bis zum Endsieg. Diese vorherrschende Bunkermentalität würde selbst Adolf erstaunen.

    Zu den Ratingagenturen: Eine europäische Ratingagentur würde nur mehr Objektitität bei amerikanischen Anleihen und Aktien bringen. Kein Menschen würde sich für ein besseres Rating von PIGS-Anleihen einer europäischen Agentur interessieren (wer das glaubt hat ein Brett vor dem Kopf). Außer die EZB vielleicht, aber diese Bad Bank hat eh soviel Dreck am stecken, dass Imagepflege nun wirklich nichts mehr bringt! Wäre ja so, als würde sich ein Schwein parfümieren.

  • Der (T)Euro und die EUdSSR sind das Beste, was Deutschland je passieren konnte!
    Ohne den (T)Euro würden wir im Krieg versinken, wir wären 3.Welt, und die DM wäre weniger Wert als die Aluknete!

    Das ist die gemeinsame Aussage der Politclowns und der "abgeschobenen" Eurokraten.
    Nachzulesen in deren Zentralorgan (aka Pravda)

    /Ironie off

  • Moody's stuft Irland auf Ramschstatus herab, weil Moody's glaubt, Irland wird bis 2013 ein wieteres "Hilfspaket" benötigen.
    Gleichzeitig stuft Moody's die USA auf "AAAA" herauf (diese Ratingstufe gibt es noch nicht), obwohl die USA in 3 Wochen pleite sind.
    cui bono?

  • @tbhomy - Teil 2 -
    Kredite werden benötigt, um die Erzeugung von Dienstleistungen und Waren vorzufinanzieren, Löhne vorzustrecken, etc. . Anschließend muß dieses entstandene "Geld" im derzeitigen Geldsystem unbedingt die entstandenen Güter wieder kaufen, damit es nicht zu Verwerfungen kommt.
    Sowie jemand anfängt, dieses Geld zurückzuhalten, nämlich zu sparen, ist jemand anderer gezwungen, sich weiter zu verschulden, wenn der Wirtschaft nicht das Kreislaufgeld ausgehen soll ( Deflation ) und ein Wirtschaftsteilnehmer auf der Strecke bleibt.
    Die Schuldenkrise ist eigentlich eine Guthabenkrise.
    Die gehorteten Ersparnisse ( Guthaben ) erzwingen weitere Verschuldung. Dies übernimmt zur Not der Staat, damit niemand verhungert.
    Im derzeitigen Geldsystem kann Geld nur Tauschmittel und kein Wertaufbewahrungsmittel sein. Steigen die Ersparnisse ( Lebensversicherungen, Sparverträge, Tagesgeld etc. ), steigen auch die Schulden.
    Es gibt keinen Mechanismus, der Ersparnisse zwanghaft wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück holt und sich die Schulden gegen die Guthaben wieder aufheben.
    Der Zins ist der exponentiale Beschleuniger des Ganzen. Er transferiert die Guthaben von Fleißig nach Reich.
    Das heutige Geldsystem kommt niemals mit weniger aus, sondern immer nur mir mehr, mit allen Konsequenzen.
    Irgendwann koppeln sich die Schulden/Guthaben von der realen Wirtschaftsleistung ab, da vorhandene Ressourcen endlich sind und es entsteht ein Papiergeld-Universum, so, wie wir es heute sehen.
    Am Ende bilden sich immer mehr Guthaben auf eine begrenzte Gütermenge ab ( Inflation ), wenn es chaotisch wird, müssen Schulden gegen Guthaben gestrichen werden.
    Woraus bestehen am Ende diese Guthaben / Schulden, wenn unser universelles Tauschmittel Geld das Äquivalent der hergestellten Güter sein sollte ?
    Aus Nichts !

  • Hört auf mit dem Schwachsinn über Ratingagenturen! Die Bundesregierung hat die Bewertung der Ratingagenturen in sämtliche Vorschriften für die Geldanlage von Versicherungen und Banken als entscheidend darüber eingesetzt, ob ein Finanzinstitut sein Geld beispielsweise in Staatanleihen anlegen darf oder nicht. Somit hat erst die Bundesregierung in Deutschland den Agenturen die Macht gegeben, über die Anlagepolitik sämtlicher hier regulierten Finanzinstituten zu entscheiden. Tja, und jetzt sprechen die Wahrheiten aus, die man nicht hören will und schon mosert man über deren Macht und die böse amerikansiche Weltverschwörung. Man hätte sich ja nicht per Gesetz deren Urteil unterwerfen müssen. Selber Schuld. Und außerdem: wer solide wirtschaftet (Schweiz, Norwegen etc.) braucht auch keine Angst vor den Agenturen zu haben. Komisch, oder?

  • @tbhomy - Teil 1 -
    Der Zins ist nicht das Hauptproblem, sondern nur ein Teil des Problems.
    Das Grundübel besteht darin:
    Schulden haben einen Rückzahltermin, Guthaben nicht !
    "Geld" als Solches, als Ding, das man in die Tasche steckt, existiert im derzeitigen Geldsystem nicht.
    Ein heutiger Geldschein ist die Dokumentation eines Guthabens, dem eine gleich hohe Schuld eines Anderen gegenüber steht. Die Schulden der einen sind die Guthaben der anderen.
    Alles "Geld" kommt ausschließlich als Kredit in die Welt, Kredite sind Schulden/Guthabenpaare.
    Wenn Sie einen Kredit bei einer Bank aufnehmen, bekommen Sie Geld auf Ihrem Girokonto gutgeschrieben, gleichzeitig hat die Bank eine Forderung gegen Sie.
    Buchungstechnisch entspricht dies bei der Bank einer Bilanzverlängerung, welche genau den Prozess der heutigen Geldschöpfung abbildet.
    Alles "Geld", das "Schmieröl " unserer Wirtschaft ist nur geliehen. Und es kommt im System dank der Saldenmechanik nichts weg.
    Niemand kann etwas guthaben, ohne daß ein anderer dafür etwas schuldet.
    Guthaben = Schuld, Forderung = Verbindlichkeit, Soll = Haben.
    Wenn jemand ganz viel Guthaben hat, muß ein anderer ganz viele Schulden haben.
    Die globale Aufstellung der Schulden und Guthaben gegeneinander ergibt NULL. Wenn nicht, hätten wir mit einem anderen Planeten Geldgeschäfte gemacht.

  • Lieber Herr Meinungsmache! Solche Meinungen wie Ihre treiben uns direkt in die Katastrophe. Ihre ganze Argumentation beruht auf Meinung und nicht Fakt. Warum soll die EWG besser sein mit Bandbreiten anstatt festen Werten? Das wurde von Soros und Co schon mal bewiesen: schon vergessen? Und da haben wir die Engländer freikaufen müssen! Und ohne Beweis warum solle es mir besser gehen wenn mein Arbeitgeber keine Aufträge mehr bekommt, weil ich nur wegen der DM 30% mehr verdiene ohne was davon zu merken. Diese 30% sind nur ein Vorteil ins Ausland! Und deshalb Exportwahn? Wenn jemand daherkommt und unsere Produkte kauft was ist da wahnwitzig dran. Wie sollen wir unseren Staatshaushalt sanieren ohne Geld von aussen? Und dann noch dieses Totschlagargument höhere Löhne usw. dann geht alles wie von selbst! Erst müssen die verdient werden, siehe Sowjetversuch bis 1990. Wer soll die Ersatzbinnennachfrage bezahlen? Können Sie sich ein Auto vom laufenden Einkommen ohne Bank leisten?

  • ....sie sollen bleiben, die Ratings. Sind sie doch der Garant, daß nicht alles den Bach herunterläuft. Steckt doch in der Abschaffung die Absicht, durch eigene europäische Ratings manipulatorisch in den Prozeß einzugreifen. Es ist glockenklar, daß gelogen, vertuscht und manipuliert wurde und wird. Es muß gefragt werden, wie es zu der Aufnahme der unfähigen Staaten in der Eurozone gekommen ist. Wer ist dafür verantwortlich? Diese Typen müssen an den Pranger und vor einen Richter. Aber das ist alles Wunschdenken. Der Glaube an das System ist nicht mehr vorhanden. Der Pessimismus regiert. Und die Unfähigkeit zieht weitere Kreise.

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