Mord an drei Jugendlichen
Israel zerstört Häuser von Tatverdächtigen

Nach der Entführung und Ermordung von drei jüdischen Schülern im Westjordanland hat die israelische Armee die Häuser von zwei Tatverdächtigen zerstört. Die Wohnung eines dritten Verdächtigen wurde abgeriegelt.

Tel AvivDie israelische Armee hat am Montag die Wohnhäuser von zwei Palästinensern zerstört, die als Hauptverdächtige für die Entführung und Ermordung von drei jungen Israelis im Juni gelten. Nach Armeeangaben wurden zudem die Zugänge zur Wohnung eines dritten Verdächtigen blockiert. Die drei Talmud-Schüler waren Mitte Juni im Süden des Westjordanlands beim Autostopp zwischen Bethlehem und Hebron entführt worden. Tage später wurden ihre Leichen auf einem abgelegenen Feld entdeckt.

Tatverdächtig sind laut israelischen Ermittlungen die beiden flüchtigen Palästinenser Marwan Kawasmeh und Amer Abu Eischeh. Hussan Kawasmeh soll seinen Bruder Marwan und dessen Freund zu der Tat angestiftet und die Waffen beschafft haben. Er wurde Mitte Juli in der Nähe von Ramallah festgenommen. Nach tagelangen Verhören durch den Inlandsgeheimdienst soll er die Taten und den Hergang gestanden haben. Den Ermittlern liegen nach eigenen Angaben zudem Beweise gegen die drei Männer vor.

Zerstört wurden am Montag die Häuser von Hussan Kawasmeh und Abu Eischeh; versiegelt wurde die Wohnung von Marwan Kawasmeh, weil sie in einem Mehrfamilienhaus liegt. Der Oberste Gerichtshof Israels hatte einen Einspruch der Familien der drei verdächtigen Palästinenser gegen die Zerstörung abgelehnt, weil die Strafmaßnahme als Abschreckungsmittel gerechtfertigt sei. Der Abriss von Häusern palästinensischer Attentäter war während der Zweiten Intifada häufig verfügt worden. Ungewöhnlich ist, dass im aktuellen Fall zu dieser Maßnahme gegriffen wird, bevor ein Gericht einen eindeutigen Schuldspruch gefällt hat.

In Hebron protestierten am Montag mehrere Dutzend Palästinenser gegen die Zerstörungen. Nach Steinwürfen auf israelische Soldaten gingen laut Augenzeugenberichten diese mit Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor.

Die israelische Rechtshilfeorganisation Hamoked, die die betroffenen Familien vor dem Obersten Gericht vertreten hatte, kritisierte die Demolierungen: "Es handelt sich um eine Kollektivstrafe, die internationalem Recht widerspricht", sagte Hamoked-Sprecherin Dalia Kerstein der Nachrichtenagentur AFP. Zudem sei der Hausabriss 2005 eingestellt worden, weil er statt zu Abschreckung nur zu einer Verschärfung der Spannungen geführt habe.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
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