Mord an Fussballfunktionär: Südafrika ächzt unter Kriminalität

Mord an Fussballfunktionär
Südafrika ächzt unter Kriminalität

Es gibt nur wenige Orte, die so gefährlich sind wie Johannesburg. Die südafrikanische Metropole, in der 2010 das Fussball-WM-Finale steigen soll, hat eine der höchsten Mordraten der Welt. Eines der jüngsten Opfer der Kriminalitätswelle ist ein Mitglied des WM-Organisationskomitees. Ein Raubmord, vermutet die Polizei. Doch viele Fragen bleiben offen.

KAPSTADT. Achtzehn Monate vor der Fußball-WM 2010 lenkt der Mord an einem Sportfunktionär das Augenmerk erneut auf die hohe Kriminalität in Südafrika. Vor allem in Johannesburg, der Wirtschaftsmetropole des Landes, bekommen Polizei und Justiz das Problem kaum in den Griff. Kritiker werfen der Regierung vor, mit zu wenig Nachdruck gegen Kriminelle vorzugehen. Noch immer sterben am Kap jeden Tag rund 50 Menschen eines gewaltsamen Todes; das Land hat eine der höchsten Mordraten der Welt.

Jüngstes prominentes Opfer der Gewalt ist Jimmy Mohlala, ein lokaler ANC-Politiker. Unbekannte erschossen den Funktionär, als dieser am Sonntag in sein Haus in Nelspruit im Nordosten des Landes zurückkehrte. Nach den Ermittlungen der Polizei deuten viele Anzeichen auf einen Raubmord hin. Der Fall ist aber deshalb pikant, weil Mohlala im vergangenen Jahr wiederholt schwere Korruptionsvorwürfe gegen ein Mitglied des in Südafrika seit 1994 regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) erhoben hatte. Bei den Vorwürfen ging es um angebliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Bau verschiedener WM-Stadien. Mohlala hatte zudem behauptet, dass andere ANC-Mitglieder die Veröffentlichung eines Untersuchungsberichts über korrupte Praktiken verhindert hätten.

Der ANC hatte versucht, Mohlala, der der Partei selbst angehört, wegen seiner Vorwürfe aus dem Amt zu werfen. Allerdings hatte sich der Funktionär mit Erfolg dagegen gewehrt. Zum Zeitpunkt seines Todes hatte der ANC offenbar gerade begonnen, disziplinarische Schritte zu ergreifen.

Schon im November 2007 – kurz vor der Auslosung der Qualifikationsgruppen für die WM – hatte der Mord an dem österreichischen Ex-Profifußballer Peter Burgstaller Bedenken genährt, ob Südafrika bei einem Großereignis wie der Weltmeisterschaft überhaupt die Sicherheit der Sportler und Gäste gewährleisten kann. Zwar sind in den letzten beiden Jahren 40 000 zusätzliche Polizisten eingestellt worden. Doch die Wirtschaftsmetropole Johannesburg, wo die deutsche Mannschaft vermutlich ihr Quartier aufschlägt, gilt weiter als hochgefährlich.

Johannesburg liegt – wie die Hauptstadt Pretoria – in der Provinz Gauteng. Zyniker übersetzen das Autokennzeichen der Provinz, GP, längst mit „Gangster’s Paradise“. Mit einem jährlichen Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 30 000 Rand (2 500 Euro) ist Johannesburg die ökonomische Zugmaschine des südlichen Afrika. In der Metropole und der Provinz Gauteng werden fast 40 Prozent des Sozialprodukts des Landes und zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des gesamten Kontinents erwirtschaftet.

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