Mord an Zentralbank-Vize
Viel Schatten, viel Profit

Bei den schwarzen Schafen der russischen Finanzwirtschaft war er verhasst wie kein zweiter: Der oberste Bankenaufseher und Vizechef der Zentralbank, Andrej Koslow. Am Donnerstag starb er mit mehreren Kugeln im Körper an den Folgen eines Attentats. Ermittler vermuten die Hintermänner in der Bankenwelt.

HB MOSKAU. Der 41 Jahre alte Koslow war als Säuberer der Branche berühmt-berüchtigt. Dutzende Kleinbanken ließ er schließen, ebenso viele standen auf der Abschussliste. Zuletzt hatte Koslow ein lebenslanges Berufsverbot für kriminelle Finanziers gefordert.

Der eher kleine und untersetzte Zentralbanker passte mit seinem Vollbart schon rein äußerlich nicht in die smarte russische Finanzwelt. Während seine Gegenüber als Bosse mehr oder minder gut beleumdeter Finanzhäuser sich beim Golfen trafen, zog es Koslow zum Fußball mit Kollegen. Dieses Hobby wurde dem dreifachen Familienvater zum Verhängnis: Als er nach einem Trainingsspiel frisch geduscht in seine Dienstlimousine steigen wollte, feuerten die Täter mehrere Schüsse auf ihn ab. Sein Fahrer, der zugleich als sein Leibwächter fungierte, war auf der Stelle tot, Koslow selbst starb Stunden später im Krankenhaus.

In der russischen Führung herrschte Entsetzen über die Ermordung des Vorzeige-Beamten. „Er hat mehr als einmal die Interessen zwielichtiger Bankiers durchkreuzt“, sagte Finanzminister Alexej Kudrin. Wiederholt hatte Koslow betont, sein besonderes Augenmerk gelte jenen kleinen Moskauer Banken, die sich auf Geldwäsche und Steuerhinterziehung spezialisiert hätten.

Bei weit mehr als der Hälfte der knapp 1 300 russischen Kreditinstitute liegt das Eigenkapital unter fünf Millionen Euro. Viele Kleinbanken dienen nach Expertenmeinung vor allem dazu, die Finanzgeschäfte eines einzelnen Oligarchen zu führen und bei Bedarf zu verschleiern. Ob groß oder klein, ein Riesengeschäft machen fast alle: Im Vorjahr schoss der Reingewinn der Branche im Vergleich zu 2004 um fast 50 Prozent in die Höhe.

Koslow war 2002 bei der Zentralbank mit dem Ziel angetreten, den ärgsten Wildwuchs einzudämmen. Damals litt die Branche noch akut unter dem Vertrauensverlust infolge der schweren Finanzkrise von 1998, als Anleger die Filialen stürmten, Guthaben über Nacht gestrichen wurden und eine 1000-prozentige Inflation den Rest entwertete.

Seite 1:

Viel Schatten, viel Profit

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%