Mord in Frankreich
„Die Gewalt trägt das Markenzeichen der extremen Rechten“

Der Mord an einem Studenten durch Skinheads löst in Frankreich ein politisches Beben aus. Hollande spricht von „scheußlicher Gewalt“. Selbst die Vorsitzende der rechtsradikalen Front National verurteilt den Angriff.

ParisDer Mord an dem 18-jährigen Clément Méric, der am Mittwoch mitten in Paris von Neonazis totgeschlagen wurde, hat in Frankreich ein politisches Beben ausgelöst. Der junge Student von Sciences Po wurde kein Opfer zufälliger Gewalt, sondern laut Aussage des Innenministers gezielt angegriffen, weil er Mitglied der „Antifaschistischen Aktion“ war: „Diese Gewalt trägt das Markenzeichen der extremen Rechten.“

Nach Aussage von Augenzeugen griffen erst drei, dann vier in schwarze Lederjacken und „Blood and Honour“ T-Shirts gekleidete Skinheads Méric und zwei Freunde an, die an einem Kleider-Basar in einer Privatwohnung teilnahmen.

Die beiden Gruppen hätten sich gegenseitig beschimpft, Verstärkung gerufen und dann auf der Straße eine Schlägerei begonnen. Zwei Männer, einer mit einem Totschläger bewaffnet, und eine Frau hätten auf den schmächtigen Méric eingeschlagen, der sich beim Hinfallen eine weitere schwere Kopfverletzung zuzog. Er wurde ins Krankenhaus Salpetrière-Pitié eingeliefert, wo sein Hirntod festgestellt wurde.

Die Linkspartei „Front de Gauche“ macht die Neonazi-Gruppe Junge revolutionäre Nationalisten (JNR) für den Angriff verantwortlich. Deren Vorsitzender behauptet, seine Organisation habe mit der Gewalttat nichts zu tun. Die JNR hatte im Zuge der Großdemonstrationen von sich reden gemacht: Sie hatte die ursprünglich katholisch-bürgerliche Protestbewegung zunehmend unterwandert und missbraucht, um sich Schlägereien mit der Polizei zu liefern und gezielt Aktivisten der homosexuellen Szene zu bedrohen. Mehrere Befürworter der Homo-Ehe wurden mit dem Tod bedroht, einige zusammen geschlagen. Sogar Abgeordnete der Nationalversammlung wurden mehrfach bedrängt und bei Veranstaltungen am Reden gehindert.

Staatspräsident Francois Hollande verurteilte „mit aller Schärfe diese scheußliche Gewalttat.“ Die Täter müssten gefunden und zur Verantwortung gezogen werden, vor allem müssten die Sicherheitsbehörden alle nötigen Konsequenzen aus dem Angriff mitten in Paris ziehen. Bis zum späten Vormittag waren die Täter noch flüchtig. Die Vorsitzende der rechtsradikalen Front National, Marine Le Pen, verurteilte den Angriff ebenfalls: „Auch wenn wir nicht dieselben Ideale haben trauere ich mit den Freunden des jungen Opfers.“

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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