Mord-Prozess
Verwirrung um Schuldspruch für ukrainische Pilotin

Der Prozess ist ein Politikum: Eine ukrainische Pilotin wird wegen Kampfhandlungen in der Ostukraine in Russland des Mordes schuldig gesprochen. Oder doch nicht. Angeblich steht der Schuldspruch noch aus.

MoskauDie russischen Nachrichtenagenturen haben ihre Angaben zur Verurteilung der ukrainischen Kampfpilotin Nadja Sawtschenko zurückgezogen, das Urteil ist noch nicht gesprochen. Ein russisches Gericht hatte einem Agenturbericht zufolge Sawtschenko bereits am frühen Vormittag für schuldig befunden. Sawtschenko habe Beihilfe bei der Ermordung zweier russischer Journalistin in der Ostukraine geleistet, meldete die Nachrichtenagentur Tass am Montag. Das Strafmaß wird wohl am Dienstag bekannt gegeben werden. Die Staatsanwaltschaft hat 23 Jahre Haft beantragt.

Die 34-Jährige habe „aus Hass absichtlich den Tod zweier Menschen verursacht“, erklärte Richter Leonid Stepanenko am Montag in Südrussland.

International wird das Verfahren scharf kritisiert. Die Ukraine bezeichnet Sawtschenko als Kriegsgefangene und fordert ihre Freilassung im Austausch gegen russische Offiziere. Die Freilassung verlangen auch die Europäische Union und US-Präsident Barack Obama. Russland will aber erst nach einem Urteil über einen etwaigen Austausch sprechen.

In der Ukraine wird die Pilotin als Nationalheldin und Symbol des Widerstands gegen den Kreml verehrt, während sie im russischen Staatsfernsehen als gefährliche Nationalistin dargestellt wird, die das Blut russischer Zivilisten an den Händen hat. Sie selbst bestreitet jegliches Fehlverhalten und spricht von einem Schauprozess. Das Gerichtsverfahren hatte die Spannungen zwischen Russland und der Ukraine weiter verschärft.

Auch die Bundesregierung hat den Prozess scharf kritisert und Sawtschenkos Freilassung gefordert. „Ihre über 20-monatige Inhaftierung mit Einzelhaft, mit fragwürdigen Verhörmethoden, widerspricht internationalen Standards", erklärte Regierungssprecher Steffen Seibert zuletzt. Er äußerte sich auch besorgt über den Gesundheitszustand der 34-Jährigen, die bereits mehrere Hungerstreiks hinter sich hat.

Sawtschenko war im Juli 2014 im Kampfgebiet in der Ostukraine gefangen genommen worden. Die 34-Jährige ist ausgebildete Kampfpilotin, kämpfte aber damals in einem ukrainischen Freiwilligenbataillon gegen die von Russland unterstützten Rebellen. Russland wirft ihr vor, als Aufklärungsoffizierin die Koordinaten für einen Mörserangriff geliefert zu haben, bei dem die beiden Journalisten und mehrere Zivilisten ums Leben gekommen seien.

Sawtschenko hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen und den Prozess als Farce bezeichnet. Sie trat während ihrer Haft in Russland mehrfach in den Hungerstreik. Ihre Richter hat sie als „Idioten“ bezeichnet und ihnen den Mittelfinger gezeigt.

Der Fall wird in der russischen Grenzstadt Donezk verhandelt. Ein Sprecher des ukrainischen Präsidialamts beklagte am Montag, dass eine ukrainische Delegation auf dem Weg zum Gericht von russischen Grenzern gestoppt und drei Stunden lang festgehalten worden sei. Der Präsidentengesandten Irina Geraschenko sei die Einreise verwehrt worden.

Der Krieg in der Ostukraine zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten hat seit April 2014 mehr als 9000 Menschen das Leben gekostet. Inzwischen herrscht offiziell eine Waffenruhe, die aber als sehr zerbrechlich gilt.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%