Mordanklage gegen US-Polizisten
Den USA droht ein zweites Ferguson

Ein weißer Polizist soll einen Schwarzen erschossen haben – angeblich in Todesangst. Das Handyvideo der Tat erschüttert die USA. Dem angeklagten Polizisten droht nun die Todesstrafe.
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North CharlestonNach Todesschüssen auf einen 50-jährigen offenbar unbewaffneten Schwarzen ist ein weißer Polizist im US-Bundesstaat South Carolina des Mordes angeklagt worden. Gerichtsunterlagen zufolge droht ihm die Todesstrafe. Seinen Job hat er bereits verloren, dies teilte der Bürgermeister von North Charleston, Keith Summey, am Mittwoch mit. Die Stadt werde aber weiter die Krankenversicherung des Polizisten bezahlen, weil dessen Frau im achten Monat schwanger sei. Sumney nannte den Fall eine Tragödie für zwei Familien. In North Charleston kamen am Mittwoch Demonstranten zusammen und protestierten gegen Rassismus in der Stadt.

Dort sind etwa die Hälfte der 100.000 Einwohner Afroamerikaner, Medienberichten zufolge jedoch nur 18 Prozent der Polizisten. Die Bundespolizei FBI und das US-Justizministerium kündigten unabhängige Untersuchungen an. Die Tötung setzt eine Serie von ähnlichen Fällen in jüngster Vergangenheit fort, die in den USA zu einer neuen Diskussion über Polizeigewalt und Rassismus geführt haben.

Der Vorfall ereignete sich am Samstagmorgen.

Der Beamte in North Charleston im Südstaat South Carolina hatte nach den tödlichen Schüssen vom Wochenende erklärt, er habe in Selbstverteidigung gehandelt. Erst ein der Familie des 50-jährigen Opfers zugespieltes Handy-Video zeigte, wie der Streifenpolizist dem Schwarzen Walter Scott achtmal in den Rücken schoss, während dieser davonzulaufen versuchte. In knapp neun Metern Distanz brach Scott zusammen.

Momente nach den Schüssen ist zu sehen, wie der Polizist dorthin zurückgeht, wo die Auseinandersetzung mit Scott begann. Dort hebt er offenbar den Elektroschocker auf, geht zu dem reglosen Körper des 50-Jährigen zurück und lässt die Betäubungswaffe dort fallen. Dann kommt ein weiterer Beamter hinzu, um den Zustand des sterbenden Mannes zu überprüfen.

Der Familienanwalt L. Chris Stewart lobte den Filmer am Mittwoch in höchsten Tönen. „Was, wenn es kein Video geben würde? Was, wenn sich kein Zeuge gemeldet hätte, oder „Held“, wie ich ihn nenne?„, sagte Stewart der Nachrichtenagentur AP. „Wir wussten nicht, dass es ihn gab. Er kam aus heiterem Himmel.“

Kommentare zu " Mordanklage gegen US-Polizisten: Den USA droht ein zweites Ferguson"

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  • @ Schuster
    Entscheidend ist nicht die Perspektive Dritter, sondern die des Beamten. Er wird von einem möglicherweise bewaffneten als gewaltbereit eingestuften Mann angegriffen, der schon mehrfach Haftstrafen absaß. Dem Polizisten wird ein Verteidigungsmittel entrissen, der Angreifer der seine Kampfbereitschaft bewiesen hat setzt zur Flucht an und reagiert wiederholt nicht auf die Aufforderungen. Wir wissen, dass er registrierter Waffenbesitzer ist (möglicherweise ein geübter Schütze?) und dass er nicht davor zurückgeschreckt hat den Polizisten anzugreifen. In einer solchen Situation ist es nun eine Entscheidung die in Bruchteilen von Sekunden getroffen werden muss, der Polizist steht unter Spannung, zieht der Angreifer seine Waffe? Dreht er sich um und schießt? Wann wird er dies tun? Soll er ihm hinterher laufen? Wartet der Angreifer darauf? Wenn der Angreifer dies tatsächlich macht, dann dauert die Bewegung des Umdrehens und Schießens nicht einmal eine Sekunde. Der Angreifer ist auf solch eine Bewegung vorbereitet, der Polizist müsste erst einmal darauf reagieren. Von daher ist es aus Gründen des Eigenschutzes nicht falsch stehen zu bleiben, die Waffe zu ziehen und den Angreifer kampfunfähig zu machen. Das Maß der hohen Streuung der Schüsse zeigt, dass der Polizist keinesfalls aus kalter Mordlust gehandelt hat. Die hohe Zahl der Schüsse verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass der Angreifer erst beim letzten Schuss ins straucheln gerät. Das im Anschluss scheinbar ruhige verhalten des Polizisten, kann auf die Schockwirkung der Situation zurückgeführt werden. Wer schon mal einen heftigen Autounfall hatte, der weiß vielleicht wie es ist im Angesicht des Schreckens nichts zu fühlen.
    @Emmerich
    Vielleicht aus einer emotional übersteigerten Betrachtungsweise. Setzen Sie sich mit der Arbeit von Polizisten auseinander, vielleicht rüttelt das etwas an Ihrem Weltbild. Aber diese Leute sind auch nur Menschen die in Extremsituationen Entscheidungen treffen müssen.

  • @Herr Caesan,
    schon ihr Name klingt wie eine sehnsucht. Ihre Menschenverachtung quillt aus jeder Pore ihrer vielen schaumigen Worte. Möge uns Gott vor Menschen mit solchen Ansichten schützen.

  • Wie üblich in den USA, wird ein guter Rechtsanwalt den Antrag stellen, das besagte Video als Beweismittel nicht zuzulassen. Mögliche Begründung: Die im Video gezeigten Personen haben ihre Zustimmung zu den Aufnahmen nicht erteilt. Damit wurde das Persönlichkeitsrecht verletzt und die abgebildeten Personen müssen unkenntlich gemacht werden. Folglich kann nur die Zeugenaussage zugelassen werden. Zudem könnte dem Zeugen eine Anklage drohen, da zum Zeitpunkt der Videoaufnahme keine „Permission“ vorlag, um die Polizei beim Einsatz zu filmen. Es wäre nicht das 1. Mal in den USA, das offensichtliche Beweismittel aus Privatbesitz aufgrund der komplizierten Rechtslage nicht als Beweismittel zugelassen werden, auch wenn das für die meisten Bürger nicht nachvollziehbar ist. Von einem guten Strafverteidiger wird dieses „unmoralische“ Vorgehen vor Gericht erwartet, denn er verteidigt nicht den Toten, sondern den mutmaßlichen Täter. Bin sehr gespannt über den weiteren Verlauf.

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