Morde in Toulouse
Wahlkampf im Zeichen von Terror und nationaler Einheit

Bevor die juristischen Ermittlungen zu den Morden in Toulouse abgeschlossen sind, verkündet Frankreichs Präsident Sarkozy neue Gesetze. Damit läutet er die Rückkehr zum Wahlkampf ein. In neuen Umfragen führt Sarkozy.
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ParisStaatspräsident Nicolas Sarkozy verliert keine Zeit. Nur zwei Stunden nachdem der Attentäter von Toulouse zu Tode gekommen ist, kündigt der Präsident bereits politische Konsequenzen an. Er will die Nutzung von Terror-Webseiten, den Besuch von Ausbildungslagern der Terroristen und die Verbreitung ihrer Ideologie unter Strafe stellen. Außerdem soll untersucht werden, inwieweit die Gotteskrieger neue Anhänger in Gefängnissen werben. Zeitgleich machten Meldungen die Runde, wonach sich eine dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende Organisation zu den Anschlägen in Frankreich bekennt. Die Gruppe namens Dschund al-Chilafah (Die Soldaten des Kalifats) forderte Frankreich am Donnerstag in einer im Internet veröffentlichten Botschaft auf, seine «feindliche» Politik gegenüber Muslimen aufzugeben.

Sarkozy reagiert so rasch, um zu zeigen, dass er ein entschieden handelnder Präsident ist. Zugleich markiert er mit der Ankündigung neuer Gesetze aber auch die Rückkehr zum Wahlkampf. In anderen Ländern würde man das Ende der juristischen Untersuchung abwarten, die gerade erst begonnen hat. Schließlich konnten in dem Moment, da Sarkozy redete,  die Experten der Police Judiciaire erst seit zwei Stunden die Wohnung untersuchen, in der Mohammed Merah, der mutmaßliche Attentäter, sich verschanzt hatte. Doch Sarkozy will den Moment, in dem er als Staatspräsident weit über die anderen Kandidaten hinausragt, so stark wie möglich ausnutzen.

Seit den Morden in Toulouse hat der Wahlkampf sich verändert. Sarkozy ist nicht mehr ein Kandidat neben anderen, nicht mehr der Politiker, der in den Umfragen hinter seinem Herausforderer Francois Hollande zurückliegt. Er verkörpert die Französische Republik. Er hat sich vor den Opfern verneigt, hat die getöteten Soldaten geehrt, und jetzt, nach dem Ende des Dramas, zur Verteidigung der republikanischen Werte aufgerufen und davor gewarnt, Frankreichs Muslime für die Taten eines Kriminellen haftbar zu machen. Als Staatsmann agiert er in diesen Tagen in einer anderen Klasse als Hollande. Die erste Umfrage nach der Identifizierung des Täters sieht ihn (im ersten Wahlgang) zwei Prozentpunkte vor Hollande. Das bestätigt die Wirkung dieser herausgehobenen Position.

Terroranschläge können über den Ausgang von Wahlen entscheiden. Normalerweise ist die Wirkung eines Angriffs auf den Staat, dass sich die Wähler um den Amtsinhaber scharen. Die Bombenanschläge auf Nahverkehrszüge in Madrid im Jahr 2003 dagegen haben maßgeblich zum damaligen Wahlsieg des Sozialisten Zapatero beigetragen. Allerdings: Diese Attentate einer Gruppe muslimischer Terroristen hatten anders als die Morde in Toulouse und Montauban katastrophale Ausmaße. Und: Die damalige konservative Regierung versuchte auf groteske Weise und unter wildesten Lügen, die Anschläge der baskischen Terrorganisation ETA anzulasten. Das führte zu einer Empörung der Wähler, die die Sozialisten zum Sieg trug.

Die Umstände in Frankreich sind anders. Bei allem Grauen über die Tötung von Kindern und unbewaffneten Soldaten: Das Land ist entsetzt, aber nicht traumatisiert. Die Polizei hat den mutmaßlichen Täter stellen und unschädlich machen können. Das ist zweifellos ein Erfolg für die Regierung.

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Der Täter lockt die Polizei in eine Falle

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  • wow jetzt hat sarkozy auch mal seine große flut wie damals der schröder bei uns. so langsam kommt mir das doch sehr komisch vor. gerade kurz vor den wahlen dreht ein irrer judenhasser in frankreich durch, obwohl er von so ziemlich allen geheimdiensten beobachtet wird. hier ist wohl was anderes im gange und wird auch von aussen gesteuert. zuerst die erfolgreiche diskredierung von strauss-kahn, die auch zur folge hatte, dass nun lagarde (auch eine mögliche gegenspielerin von napoleon 2.0) weggelobt wurde. Nun halt noch eine schlimme Tat, die zeigen soll, das die sozialisten unter hollande versagen mit ihrer gutmenschenpolitik in bezug auf die islamischen einwanderer in frankreich. für mich ist dies nur ein abgekartertes spiel, um die achse merkozy solange wie möglich am leben zu erhalten und damit europa zu schwächen. ich denke, die usa haben hier ihre finger im spiel, genauso wie damals beim irren sdu-günstling breivik.

  • Kleiner Nachtritt:

    Die wirklich entscheidende Arbeit gegen den islamistischen Fundamentalismus leisten zur Zeit nicht etwa solche Hetzerseiten wie PI, dir Leute dort sind keinen Deut besser als jeder durchschnittliche Irre, der mit einer Knarre losläuft - nein, den leistet eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern um Prof "Luxenberger" (ein Pseudonym) in Saarbrücken, die den Koran gerade zu einer textkritischen Neuübersetzung verhilft und dabei wirklich interessante Entdeckungen macht.

    Wie etwa die: Es gab keine arabische Schriftsprache zu der Zeit, als die ersten Schichten des Koran entstanden - der wurde ja nicht in einem Rutsch geschrieben, er besteht aus "Schichten". Die erste Schicht jedenfalls in aramäisch verfasst.

    Das führt zu lustigen Einsichten wie etwa der, daß das Wort, das gerne als "Jungfrauen" (eben jene, die im Paradies warten) mißverstanden wird, in Wirklichkeit wahrscheinlich "Weintrauben" bedeutet. Das wird zu einigen Überraschungen im Paradies führen, wenn die Herrschaften sich ihre "Belohnung" abholen und sie sich fragen müssen,ob das nicht billiger auf dem MArkt zu kaufen gewesen wäre.

    Hier vollzieht sich - in aller Stille und jenseits Ihres dummdreisten Gekreisches - so etwas wie "Aufklärung", die wie immer, nicht von den verhetzten Volltrotteln Ihrer Provinienz geleistet wird, sindern von _Wissenschaftlern_, die das tun, was sie verabsäumen: die Texte lesen.

  • Geschichter, werter MirFälltNixMehrEin,

    ist etwas, was mit nicht mit der dummdreisten Perspektive des besserwisserischen Jetztmenschen betrachten darf - Ihr elend unwissendes Geschwafel legt davon beredt Zeugnis ab.

    Ich picke als Detail einfach mal die "9jährige" heraus. Der JetztMensch "weiss", daß Menschen eine Lebensspanne von jenseits 60 Jahren hat. In der Geschichte, oh Schreck!, gab es aber nun einmal Zeiten, in denen die durchschnittliche Lebensdauer eines Menschen gerade mal 17 Jahre waren (betrachten Siein diesem Zusammenhang einfach mal die Zeit um den Ausbruch der Pest in Mitteleuropa herum).

    In diesen Zeiten waren 9jährige keine "Kinder" - denn das ist es ja, was Sie hier in Ihrer Ahnungslosigkeit unterstellen wollen - sie waren "Erwachsene" und entscheidend war die "Geschlechtsreife".

    Sie sollten sich lieber in Geschichtsbücher einlesen, statt Ihren geistigen Müll direkt von PI zu beziehen.

    Was den Islam betrifft - nun, in Zeiten, in denen beiuns das finstere Mittelalter herrschte, war es der Islam, der uns die römischen und griechischen Quellen wieder verfügbar machte, "Al Andalus" als Stichwort, eine tolerante Gesellschaft, in der alle Angehörigen der Buchreligion friedlich leben konnten - bis ein Haufen durchgeknallter Fundis aus Marokko (nicht eta die Ritter) das Projekt zu Fall brachten - Muslime, die Muslime töteten, weil Sie in etwa so beschränkt waren wie SIE.

    Es geht nichtum "Religion", es ging und geht um die Fähigkeit zur Toleranz und des Ertragens, daß andere Menschen anders Denken und Leben wollen.

    In dieser Hinsicht führen Christentum und Islam schon immer einen Kampf um den ersten Platz im Umbringen von "Ungläubigen" und es macht keinen Unterschied, ob ein islamischer oder christlicher Hassprediger zu deren Vernichtung aufruft.

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