Morden beenden
Wo bleiben Nato-Bomber gegen Libyen?

Schön, dass die westlichen Strategen so schnell und einstimmig Sanktionen im Uno-Sicherheitsrat beschlossen haben. Doch Strafmaßnahmen reichen gegen Gaddafi nicht aus. Ein Kommentar von Mathias Brüggmann
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Wer die Vereinten Nationen kennt und schon oft fast an ihnen verzweifelt ist, weiß zu schätzen, dass sie angesichts höchster Not der Menschen in Libyen nicht mehr ewig taktiert, sondern schnell entschieden haben. Finanzsanktionen und Reiseverbote gegen den Gaddafi-Clan sind ein wichtiger Schritt, vor allem weil die EU anfangs erheblich gezögert und blockiert hat.

Doch eines ist ganz klar: Sanktionen reichen gegen den Diktator Muammar el Gaddafi überhaupt nicht aus. Sie dienen eher der Selbsttäuschung der Weltgemeinschaft, die stolz ist, endlich etwas getan zu haben.

Das Reden über Menschenrechte ist das eine, dafür mit letzter Konsequenz einzutreten das andere. An Worten mangelt es nicht – aber an Taten. Warum war die US-Regierung so lange in ihrem politischen Handeln blockiert? Weil sie Angst haben musste um die in Libyen festsitzenden Landsleute. Aber wo war die Nato, um bedrohte Amerikaner, Türken, Deutsche, Engländer und Belgier aus Libyen auszuschiffen oder auszufliegen?

Außerdem: Geht der brutale Krieg Gaddafis gegen sein eigenes Volk die Politiker und die Generäle in Brüssel nichts an? Warum haben wir ein so teures westliches Bündnis, wenn es in einer solchen Krise nicht einmal entschlossen und nationenübergreifend gefährdete Bürger herausholen kann? Wären die US-Bürger schneller heraus gebracht worden, hätte Barack Obama schneller und entschlossener handeln können.

Vor allem aber: Warum brauchen wir die Nato, wenn sie einem Völkermörder wie Gaddafi nicht in den Arm fällt? Das Morden am libyschen Volk durch einen durchgeknallten Staatschef zu stoppen ist die vordringliche Aufgabe. Wie Serbiens Autokrat Slobodan Milosevic einst durch Nato-Bomber daran gehindert wurde, weiter im Kosovo zu morden, so muss die Nato dies jetzt auch in Libyen durchsetzen. Es ist vollkommen unverständlich, warum nicht längst Awacs-Flugzeuge aus Deutschland im Nato-Auftrag oder – besser noch! – mit Uno-Mandat Libyens Luftraum überwachen. Und warum nicht Nato-Jets die noch immer nach Libyen fliegenden Maschinen mit Söldnern für Gaddafi abdrängen. Und vor allem, warum nicht libysche Kampfjets, die ihre eigene Bevölkerung bombardieren, abgeschossen werden.

Das wäre die aktive Durchsetzung des grundlegendsten Menschenrechts: des Rechts auf Leben. Der Westen muss endlich wieder aktiv für Menschenrechte eintreten, vor allem in einer Weltregion, wo die Menschen allzu lange dubiosen Diktatoren ausgeliefert waren, mit denen unsere Regierungen auch noch offen oder klammheimlich kooperiert haben.

Ein Lufteinsatz der Nato wäre nicht nur eine Wiedergutmachung an den Arabern, sondern auch ein wichtiger Beitrag zu den neuen Beziehungen zwischen der arabischen Welt und dem Westen in der Nach-Diktatoren-Ära.

 

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Morden beenden: Wo bleiben Nato-Bomber gegen Libyen?"

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  • Sehr naiv. Als eigentlich treuer Handelsblattleser verweise ich zu diesem Thema gerne auf einen wirklich aufschlussreichen Artikel und hoffe darauf, dass dieses Mal nicht gelöscht wird. Danke.

    http://www.taz.de/1/politik/afrika/artikel/1/wir-koennen-in-libyen-nicht-eingreifen/

  • Sie sind völlig verrückt, wenn Sie Bomben für Tripolis wollen!!! Europäer und Amerikaner (insbesondere) sind mindestens ebenso schuld daran, was jetzt passiert, wenn man die Vergangenheit fair interpretiert.

    Wolf, Lima, Peru

  • Die Forderung nach Bomben ist krimenell, den damit werden Tote mit Toten gerächt. Abscheulich für die christliche Welt.

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