Mordfall Alexander Litwinenko
Scotland Yard findet Giftspur am Arsenal-Stadion

Die Spurensuche im Mordfall des früheren russischen Agenten Alexander Litwinenko geht weiter. Scotland Yard ermittelt dabei auch in Russland. Fündig geworden ist die Polizei bislang allerdings eher vor der eigenen Haustüre – zuletzt am Stadion des englischen Fußballclubs Arsenal London.

HB LONDON. Es seien winzige und kaum nachweisbare Mengen des radioaktiven Stoffes Poloniums 210 an der Fußballarena entdeckt worden, sagte eine Sprecherin der Gesundheitsbehörde am Dienstag. Für die Öffentlichkeit bestehe keine Gefahr. Die Ermittler hatten das Areal durchsucht, weil ein Bekannter Litwinenkos sich dort ein Spiel angesehen hatte.

Ex-Agent Litwinenko, der seit Jahren in Großbritannien lebt, war in London mit Polonium 210 vergiftet worden und am 23. November in einem Krankenhaus gestorben. Vom Sterbebett aus hatte er dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, seine Ermordung befohlen zu haben. Die Regierung in Moskau wies die Vorwürfe zurück.

In dem Fall ermitteln britische Kriminalbeamte derzeit auch in Russland. Unter anderem wollen sie Andrej Lugowoj befragen, der am 31. Oktober nach London reiste, um am 1. November – dem Tag von Litwinenkos Erkrankung – mit seiner Frau und seinen drei Kindern das Champions-League-Spiel von Arsenal gegen ZSKA Moskau zu sehen. Kurz vor dem Spiel hatte er den Putin-Gegner Litwinenko in einem Hotel getroffen. Litvinenko hatte eigenen Angaben zufolge an Nachforschungen über die Ermordung der regierungskritischen Journalistin Anna Politkowskaja gearbeitet.

Der wichtigste Zeuge

Lugowoj gilt als der wichtigste Zeuge. Nicht nur auf dem Gelände des Stadions, sondern auch in seinem Londoner Hotelzimmer und in den Maschinen von British Airways, mit denen Lugowoj von Moskau nach London geflogen war, hatten britische Ermittler Spuren von Polonium 210 gefunden. Lugowoj sagte am Dienstagabend der Agentur Itar-Tass, er sei bereit, alle Fragen von Scotland Yard zu beantworten. Der Unternehmer und frühere Geheimdienstler und seine Familie waren am Morgen überraschend ins Krankenhaus gebracht worden.

Die russischen Behörden setzen der Arbeit der britischen Ermittler allerdings enge Grenzen. So dürfen die Fahnder von Scotland Yard beispielsweise Zeugen nicht eigenständig vernehmen. Auch werden Verdächtige nicht nach Großbritannien ausgeliefert. Der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika schloss eine Befragung der Führung des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB gänzlich aus.

Tschaika schloss aus, dass das Polonium 210 aus Russland stammen könnte. In den von ausländischer Seite genannten Atomanlagen werde diese Substanz nicht hergestellt. Die britischen Ermittler sollten stattdessen im eigenen Land suchen, sagte Tschaika. Vize-Justizminister Wladimir Kolesnikow regte an, Russland solle im Fall Litwinenko eigene Ermittlungen beginnen. Man dürfe nicht vergessen, dass Litwinenko auch russischer Staatsbürger war. Zuletzt hatte er einen britischen Pass.

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