Mordfall Litwinenko
Briten fürchten um Russland-Geschäft

Die Ausweisung von vier russichen Diplomaten aus Großbritannien schlägt hohe Wellen. In Medien ist von einer diplomatischen Kriegserklärung die Rede. Nun mehren sich die Befürchtungen, dass der politische Streit noch ganz andere Konsequenzen haben könnte.

HB MOSKAU. „Großbritannien und Russland sind in einen diplomatischen Krieg ungeahnten Ausmaßes geschliddert“, hieß es am Dienstag in der Wirtschaftszeitung „Kommersant“. Andere russische Kommentatoren warfen den Briten Doppelzüngigkeit vor, weil sie zahlreiche russische Auslieferungsgesuche ignoriert hätten.

„Während der letzten sechs Jahre hat Moskau 21 Auslieferungsgesuche an Großbritannien gesandt, aber es wurde kein einziger Verdächtiger überstellt“, klagte die Regierungszeitung „Rossiyskaja Gaseta“. Unter den Gesuchten seien Mörder, Terroristen, Drogendealer und Betrüger gewesen. Sechs der Beschuldigten hätten in Großbritannien sogar politisches Asyl erhalten.

Der britische Außenminister David Miliband hatte am Montag die Ausweisung der vier Diplomaten angekündigt und sie mit der russischen Weigerung begründet, den Hauptverdächtigen im auszuliefern. Der frühere russische Geheimdienstler Alexander Litwinenko war 2006 in London vergiftet worden. Die britische Justiz sieht in dem Geschäftsmann Andrej Lugowoj, ebenfalls ein Ex-KGB-Offizier, den Hauptverdächtigen.

Aufgrund der harschen Reaktion Russlands kamen in Befüchtungen auf, die politischen Spannungen könnten sich auch auf die britisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen auswirken. Großbritannien ist vor allem im politisch sensiblen Öl- und Gassektor engagiert. Der russische Botschafter in London, Juri Fedotow, sagte der „Nesawisimaja Gaseta“, beider Länder hätten viel zu verlieren.

Russlands Rohstoff-Minister Juri Trutnew erklärte dagegen, britische Unternehmer müssten sich keine Sorge um ihre Geschäfte machen. „Wir werden so weiter machen wie bisher und sehen keinen Grund, unsere Haltung gegenüber ausländischen Investition wegen der jüngsten Ereignisse zu überdenken“, sagte Trutnew russischen Nachrichtenagenturen zufolge.

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