Mordserie in Südfrankreich
„Wer jetzt falsch reagiert, verliert die Wahl“

Nach den Mord-Anschlägen in Toulouse und Montauban liegt der französische Präsidentschaftswahlkampf auf Eis - zumindest offiziell. Hinter den Kulissen belauern sich die Kandidaten - und warten auf Fehler des anderen.
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ParisNach dem Anschlag auf eine jüdische Schule im südfranzösischen Toulouse haben die Behörden noch keine heiße Spur zum Täter. Die Ermittler gingen verschiedenen Hinweisen nach, sagte Innenminister Claude Gueant
am Dienstag. Der Täter verwendete nach seinen Worten bei allen Anschlägen einen gestohlenen Motorroller und dieselbe Handfeuerwaffe. Der Mann soll auch für die Tötung von drei Fallschirmjägern vor wenigen Tagen verantwortlich sein. Guéant sagte, dass es sich beim Täter um einen aus der Armee entlassenen Soldaten handeln könnte. Doch dies ist nach wie vor nur eine der Hypothesen. Sie klingt wahrscheinlich, weil die drei ermordeten Soldaten dem in Montauban stationierten 17. Fallschirmjäger-Regiment angehörten. 2008 wurden drei Soldaten derselben Einheit entlassen, weil sie vor der französischen Fahne den Hitlergruß gezeigt hatten. Einer der drei hat sich heute Morgen den Behörden gestellt, um vernommen zu werden. Das 17. Regiment hat im Afghanistan-Krieg die höchsten Verluste verzeichnet.

Der Attentäter habe die Morde mit einer am Hals befestigten Videokamera gefilmt, sagte Innenminister Gueant. Das habe die Auswertung der Überwachungskameras ergeben. Der Täter sei kalt und zielstrebig vorgegangen und habe sich mit großer Präzision bewegt. Er sei deswegen besonders grausam, sagte der Minister. Aus Furcht vor weiteren Anschlägen wurde die Terrorwarnstufe in der Region Toulouse auf die höchste Stufe angehoben. Vor religiösen Einrichtungen wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft.

Die Morde in Südfrankreich sind für die französische Öffentlichkeit ebenso erschreckend wie verwirrend. Sie sprengen alle herkömmlichen Kategorien von Gewalttaten – nicht allein wegen der Zahl der Opfer, sondern auch, weil diese offenbar vom Täter aufgrund ihrer ethnischen Herkunft ausgesucht wurden. Was bei den jüdischen Kindern und ihrem Vater offenkundig ist, wurde im Falle der Soldaten erst später deutlich: Der Mörder hat sich gezielt drei junge Männer als Opfer gesucht, die aus Nordafrika beziehungsweise von den französischen Antillen stammen. Auch der vierte, schwer verwundete Soldat ist Migrantenkind. Die französischen Behörden hatten diese Gemeinsamkeit anfangs zurückgehalten und nur allgemein von Soldaten gesprochen.

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