Moskau ist auf illegale Fahrer angewiesen
„Alarm Gelb“ am Kursker Bahnhof

Erst fielen garstige Worte. Dann flogen Fäuste. Am Ende lag ein Taxifahrer blutend am Boden, ein Sanitäter musste gerufen werden. Zusammengeschlagen hatten ihn Konkurrenten, die ohne Lizenz fahren – für Moskaus Taxi-Mafia.

HB MOSKAU. Seither demonstrieren Moskaus lizenzierte Taxi-Chauffeure gegen die illegalen Konkurrenten: Jeden Abend färben die Offiziellen mit ihren Wolga-Limousinen zur besten Fahrzeit den Kursker Bahnhof in Moskau gelb – die Station, auf der ihr Kollege zusammengeschlagen wurde. Kein Freiberufler kommt mit seinem Wagen mehr in die Nähe.

Dabei zeigt gerade der Faustkampf von Ende Juli die Widersprüchlichkeit der Lage an der Taxi-Front in der fast 15 Millionen Bewohner zählenden russischen Hauptstadt: Der Taxifahrer war zum Bahnhof bestellt worden, um einen Fahrgast vom Nachtzug abzuholen. Der wollte sich nicht von der Mafia chauffieren lassen, die an Bahnhöfen und Flughäfen durch Absprachen die Preise in die Höhe treibt und Konkurrenten verjagt.

Oft sind die Privaten aber Retter in der Not, denn es gibt viel zu wenig Taxis in Russlands Hauptstadt. Die Stadtverwaltung hat einen Bedarf von 25 000 offiziellen Taxen berechnet – derzeit sind es gerade 4 000.

Trotzdem hat man meist binnen einer Minute einen Fahrer, wenn man am Straßenrand den Arm herausstreckt: Meist bremsen Ladas, Moskwitschs oder westliche Gebrauchtwagen, oft aus dem Moskauer Umland, deren Fahrer sich mit dem privaten Herumkutschieren ein Zubrot zu ihren kargen Löhnen verdienen. Auch schwarze Wolgas halten an – deren Fahrer Schichtende haben bei von Duma-Abgeordneten oder Ministerialbeamten. Eines gilt für alle: Den Sicherheitsgurt darf man nicht anlegen, wenn man den Fahrer nicht beleidigen will – trotz der gerade für Westeuropäer massiv Nerven raubenden Moskauer Fahrweise.

Meist sind die privaten Fahrer auch erheblich preiswerter als die offiziellen Taxis – wenn sie sich eben nicht mafia-ähnlich an Bahnhöfen oder Flughäfen zusammenrotten und die Konkurrenz ausschalten. Und wenn man vor dem Einsteigen ins Auto einen Preis aushandelt.

Dennoch soll jetzt Schluss sein mit den „Schwarzfahrern“ in Moskau. Per Taxi-Gesetz will die Stadtregierung „die Nachfrage der Moskowiter und der Gäste der Hauptstadt nach sicheren und qualitativ hochwertigen Taxi-Dienstleistungen“ befriedigen. Sprich: An Bahnhöfen, Flugplätzen und anderen wichtigen Orten dürfen nur noch die 4 000 offiziellen Taxis nach Passagieren Ausschau halten, nicht aber die geschätzt 40  000 Fahrer, die täglich illegal ihre Dienste feilbieten. Die streichen bisher 90 Prozent der jährlich auf umgerechnet 900 Mill. Dollar geschätzten Fahrpreise für Taxis ein.

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