Moskaus Ex-Bürgermeister
Luschkow will gegen Entlassung klagen

Bis gestern war er Moskaus Bürgermeister. Dann entließ ihn der russische Präsident Dimitrij Medwedjew. Doch der unter Korruptionsverdacht stehende Juri Luschkow will nach dem Rauswurf nicht klein beigeben. Der geschasste Rathauschef will kämpfen und gerichtlich gegen die Absetzung vorgehen.
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HB MOSKAU. Das sagte Luschkows enger Freund, Iossif Kobson, nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch. Außerdem hatte Luschkow (74) am Vortag unmittelbar nach seiner Entlassung angedroht, politisch weiter aktiv zu bleiben. Als einer der mächtigsten Politiker in Russland ist er bei vielen Russen beliebt. Zeitungen schrieben, dass Luschkow ein Gerichtsverfahren wegen massiven Amtsmissbrauchs drohe.

Beobachter schließen nicht aus, dass der Ex-Bürgermeister eine Oppositionspartei gründen und damit direkt auf Konfrontation zum Kreml gehen könnte. "Das wäre die schlechteste aller denkbaren Varianten für Luschkow", sagte der kremlnahe Politologe Gleb Pawlowski. Eine Kremlsprecherin bestätigte, dass Luschkow dem Präsidenten einen vorwurfsvollen Brief geschrieben habe. Medien zufolge soll Luschkow Medwedjew mit dem Sowjetdiktator Josef Stalin verglichen haben.

Experten schließen nicht aus, dass dem bestens verdrahteten Rathauschef ein ähnliches Schicksal wie dem inhaftierten Kremlkritiker Michail Chodorkowski drohen könnte. Der frühere Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war nach Darstellung seiner Anwälte ebenfalls wegen seiner politischen Einmischung beim Kreml in Ungnade gefallen. Die Vorwürfe wegen Betrugs und Geldwäsche gegen Chodorkowski hält der Westen für inszeniert und politisch motiviert.

Die Generalstaatsanwaltschaft und das Innenministerium seien schon dabei, die Amtsgeschäfte von Luschkow zu untersuchen, schrieb die Zeitung "Kommersant" (Mittwoch). Staatsmedien werfen Luschkow seit Wochen Korruption und Vetternwirtschaft vor. Ins Blickfeld gerät dabei immer wieder auch seine Ehefrau Jelena Baturina, die mit einem geschätzten Vermögen von gut zwei Mrd. Euro als reichste Russin gilt. In Russland hielten sich Spekulationen, dass Luschkow und Baturina im Fall einer Verfolgung durch den Kreml nach Österreich fliehen könnten.

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