Moslems besorgt nach Tod eines Unschuldigen in London
Entsetzen über tödlichen Irrtum

Die britische Polizei steht nach den tödlichen Schüssen auf einen Unschuldigen bei der Fahndung nach den Tätern der gescheiterten Terroranschläge in London in der Kritik. Insbesondere bei Moslems in Großbritannien hat der Tod des 27-jährigen Brasilianers Zweifel am Vorgehen der Polizei aufkommen lassen. Brasiliens Außenminister, Celso Amorim, sowie Angehörige des Mannes forderten eine Aufklärung des Vorfalls.

HB LONDON. Am Sonntag mehrten sich die Fragen nach dem Vorgehen von Scotland Yard. Dabei hatten Fahnder in Zivil am Freitag den 27-jährigen Elektriker Jean Charles de Menezes aus Brasilien in der Londoner U-Bahn-Station Stockwell vor den Augen zahlreicher Fahrgäste aus nächster Nähe mit fünf Kopfschüssen niedergestreckt. Die Polizei kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an.

Die Menschenrechtsorganisation Liberty verlangte eine „umfassende“ Untersuchung. Iqbal Sacranie, Generalsekretär des Muslimischen Rates in Großbritannien, sagte, er könne den Druck, der auf der Polizei laste, verstehen, aber es müsse „größte Sorge getragen werden, dass unschuldige Menschen nicht auf Grund von Übereifer getötet werden“. Freunde und Angehörige des Toten sagten, Menezes habe keinen Grund gehabt, vor der Polizei davonzulaufen. Sie warfen den Ermittlern Fehlverhalten vor.

„Dies sorgt für Schock und Bestürzung in der moslemischen Gemeinschaft“, sagte Inayat Bunglawala, Sprecher des Moslemischen Rates von Großbritannien, am Samstag. „Es gibt große Beklemmung.“ Zwar verstünden die 1,6 Millionen Moslems des Landes, dass die Polizei stark unter Druck stehe, die Täter der Bombenanschläge auf das Nahverkehrssystem Londons zu finden. Er fügte aber hinzu: „Wir glauben, dass es absolut unerlässlich ist, äußerste Sorgfalt anzuwenden, damit sicher gestellt ist, dass nicht unschuldige Menschen wegen Übereifers getötet werden.“

Die Regierung in Brasilien zeigte sich „schockiert und perplex“. Brasilien warte auf die Erklärungen der britischen Behörden „zu den Umständen, die zu dieser Tragödie geführt haben“, hieß es in einer in Brasilia veröffentlichten Erklärung von Außenminister Celso Amorim. Die Cousine des Opfers sagte: „Es ist eine Ungerechtigkeit, es muss etwas getan werden.“

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