Mossul
Der Krieg hinter dem Krieg

Türkei und Irak wollen die irakische Stadt Mossul aus den Klauen der Terrormiliz IS befreien. Doch mit dem Einsatz der Truppen verfolgen beide Länder auch ihre eigenen Interessen. Die Kluft ist gewaltig.

BagdadDie Großoffensive zur Rückeroberung von Mossul ist erst seit einigen Tagen im Gange. Aber schon hat sich ein Graben zwischen dem Irak und der Türkei verbreitert, das Misstrauen zwischen den verschiedenen Kräften, die dem Islamischen Staat die Stadt entreißen wollen, wieder aufgewallt.

Die Rhetorik auf beiden Seiten heizt sich auf. Der irakische Regierungschef Haidar al-Abadi und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan haben Beleidigungen ausgetauscht. Und am Dienstag demonstrierten Tausende Anhänger des schiitischen Geistlichen Moktada al-Sadr vor der türkischen Botschaft in Bagdad, forderten ein Ende der türkischen „Besatzung“.

Sie bezogen sich auf die etwa 500 türkischen Soldaten, die sich auf einem Stützpunkt nördlich von Mossul befinden und seit Dezember sunnitische und kurdische Kämpfer ausgebildet haben. Die Bagdader Regierung sagt, dass sich die Soldaten dort unerlaubt aufhalten. Sie fordert ihren Abzug. Aber Ankara weigert sich, betont, dass die Truppe bei der Befreiung von Mossul eine Rolle spielen werde.

Die Türkei hat enge Verbindungen zu Kurden-Präsident Massud Barsani, was vielleicht erklärt, wie es überhaupt zur Stationierung der Soldaten auf dem Stützpunkt kam. Die Kämpfer, die von ihnen ausgebildet werden, sind kurdische Gefolgsleute von Barsani und sunnitische Anhänger von Athil al-Nudschaifi, dem früheren Gouverneur der Provinz Ninive, deren Hauptstadt Mossul ist.

Ein irakisches Gericht hat diese Woche einen Haftbefehl gegen Al-Nudschaifi ausgestellt. Es wirft ihm vor, widerrechtlich den Einzug türkische Kräfte ermöglicht zu haben.

Beide, Barsani und Al-Nudschaifi, wollen größere Autonomie von der schiitisch-dominierten Regierung erreichen. Sie haben sich damit den Zorn von staatlich sanktionierten Schiiten-Milizen zugezogen, die vom Iran gestützt werden.

Jetzt sind alle diese unterschiedlichen Gruppen um Mossul versammelt. Sie sind Teil der größten Militäroffensive, die der Irak seit der US-geführten Invasion 2003 gestartet hat.

Die Türkei hat historische Verbindungen zu Mossul, die Jahrhunderte zurückreichen. Sie betrachte sich angesichts der sunnitischen Mehrheit der Einwohner und einer großen türkischen Gemeinschaft in der Stadt als ihre Beschützerin, erläutert Fadi Hakura von der Denkfabrik Chatham House.

„Die Türkei befürchtet, dass die von Schiiten dominierte Zentralregierung das demografische Gleichgewicht ändert, wenn der Islamische Staat aus der Stadt vertrieben worden ist.“

Türkische Verbündete weisen auf die engen Bagdader Verbindungen zu Ankaras regionalem Rivalen Iran hin. Es sind zwar offenbar keine iranischen Militärkräfte im Land, aber Teheran sponsert eine Reihe mächtiger Milizen.

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Erdogan will die Freiheit schützen

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