„Motor City“ in Not Detroits letzte Chance

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Detroit gilt als die gefährlichste Stadt in den USA

Der 54-jährige Anwalt aus Washington hat schon schwere Fälle gehabt, etwa als oberster Vertreter von Chrysler während der Insolvenz des Autoriesen. Doch was Orr nun in Detroit vor sich hat, dürfte das in den Schatten stellen.

Es gilt eine Stadt wiederzubeleben, die tief gestürzt ist. Die Zahlen sprechen für sich: Nur noch 700.000 Einwohner leben heute in Detroit – zu Spitzenzeiten in den 50er Jahren waren es 1,8 Millionen. 250.000 gingen allein in den vergangenen zehn Jahren weg. Die Folge: Fast ein Drittel aller Häuser im Stadtgebiet steht leer.

Die verbliebenen Einwohner, fast 90 Prozent Farbige, haben einen Lebensstandard weit unterhalb anderer Städte. 48 Prozent leben in Armut, das mittlere Haushaltseinkommen liegt bei knapp 18.000 Dollar. Im gesamten Bundesstaat Michigan sind es rund 49.000 Dollar.

Dazu gilt Detroit als gefährlichste Stadt der USA: Statistisch gesehen gibt es jeden Tag einen Mord, die Rate an Gewaltverbrechen ist fünf Mal höher als im Landesdurchschnitt. Die Aufklärungsquote ist kümmerlich, weil die Polizei chronisch unterbesetzt ist. Auch das Bildungsniveau ist katastrophal: Gut die Hälfte der Detroiter kann kaum bis gar nicht lesen und schreiben.

Wie konnte es nur so weit kommen? „Die Stadt ist Opfer eines fast perfekten Sturms“, sagt Finanzexperte Boyle. Da war unter anderem der Niedergang der US-Autoindustrie, der Jobs vernichtete und Menschen zwang, wegzuziehen. Hohe Steuern und stetig bröckelnde Infrastruktur verscheuchten noch mehr Leute aus der Stadt. Wer konnte, der floh. Dazu kam die Immobilienkrise ab 2007, und Ende 2008 dann die große Rezession.

Für die Stadt hieß das weniger Steuereinnahmen, wobei die Finanzlage durch jahrelanges Missmanagement und Korruption ohnehin schon dramatisch war. Erst kürzlich wurde Ex-Bürgermeister Kwame Kilpatrick wegen Korruption und 23 weiterer Delikte zu einer Haftstrafe verurteilt. Nachfolger Dave Bing, ein Ex-Basketballprofi, scheint mit der Lage überfordert zu sein. In der Stadtverwaltung war niemand für ein Interview zu sprechen.

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16 Kommentare zu "„Motor City“ in Not: Detroits letzte Chance"

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  • Detroit war einst ein perfektes Cluster der Automobilindustrie. Es gab Fachkräfte, Zulieferer und eine einmalige Infrastruktur.

    Die Sozialisten hatten die Lohnforderungen in eine Höhe getrieben, dass die Automobilwerke in Detroit nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

    Neue Hersteller in den USA wie VW, Mercedes, BMW, Japaner haben darum ihre Automobilwerke überall in den USA gebaut nur nicht in Michigan.

    Vandale

  • Ja wirklich? Vielleicht liegt die Antwort auch im politisch Unkorrektem. Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern.

  • Stimme zu -- die meisten nie da gewwesen !! Kommentieren nur aus deutschem Wohnzimmer.V

  • ich bin schon mehrmals in Detroit gewesen und kenne die Geschichte der Stadt. Auch wenn diese Antwort nicht politisch korrekt sein wird, aber es gibt nur eine Wahrheit:
    Die schwarze Bevoelkerung uebernahm in den 60er Jahren nach militanten Auseinandersetzungen die politische und wirtschaftliche Kontrolle der Stadt. Seit dem ging es mit Detroit nur noch abwaerts.

  • "Die verbliebenen Einwohner, fast 90 Prozent Farbige, haben einen Lebensstandard weit unterhalb anderer Städte."

    "Dazu gilt Detroit als gefährlichste Stadt der USA: Statistisch gesehen gibt es jeden Tag einen Mord, die Rate an Gewaltverbrechen ist fünf Mal höher als im Landesdurchschnitt."

    Sollte es da etwa einen Zusammenhang geben?

  • Die sind alle schon weiter. Da geht's weiter mit dem wachset und mehret euch. Wehret den Anfängen, der Ursache des Übels.

  • Ja, Detroit ist die häßliche Seite des Kapitalismus.So sieht industrieller Niedergang und sozialer Zerfall aus. Im Ruhrgebiet würde es heute ähnlich aussehen ohne soziale Absicherung des Strukturwandels.

  • Seit 2009 war ich dreimal in Detroit und alleine an den Kommentaren hier sieht man, das die meisten Leute dazu nur Klischees vortragen können und nicht wirklich wissen wie die Stadt ist. "Ruin Porn" finden nur sehr wenige Detroiter nervig, die meisten finden es irgendwie cool das jemand aus Deutschland dorthin fährt um Fotos zu machen, die Leute sind freundlich und hilfsbereit und trotz düsterer Kulisse und ungutem Gefühl beim ersten Besuch fühlte ich mich dort nie sicherer/unsicherer als in Bamberg, New York, London oder aufm Dorf. @Adam Schmidt: Diesen Quatsch haben wir auch gehört, das sind Leute die das nur in den Medien hören und selber nie dort waren. Wir waren mehrere Tage auch in wirklich finsteren Gegenden von Detroit und das schlimmste was passierte, war eine alte Dame, die total durchdrehte, weil wir mit Kamera vor ihrem Haus stand. @karstenberwanger: Sie geben ja wirklich zu alles und jedem einen Kommentar ab. Wären Sie je in Detroit gewesen, würde Ihr Kommentar anders lauten. Das einzige wo ich Ihnen zustimmen kann, nachts würde ich dort auch nicht rumlaufen, tagsüber no Problem. @Ben-Wa: Immer diese Weltverschwörungstheorien, Detroit steht mal wieder vor einer Haushaltsklippe und das Thema verrottende Stadt macht sich halt gut als Aufhänger um Aufmerksamkeit zu erzielen.

  • O-Ton Handelsblatt
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    Er ist die wohl letzte Chance Detroits, einen Bankrott zu vermeiden.
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    Na und?

    Zerbricht jetzt die Dollarzone?

    Haben die anderen US-Städte einen bail-out Fonds gegründet?

  • Überbevölkerung ist jetzt aber nicht das Problem Detroits. Ganz im Gegenteil.

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