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„Motor City“ in Not: Detroits letzte Chance

Armut, Kriminalität, Ruinen: Die einstige Hochburg der US-Autoindustrie liegt am Boden. Jetzt hat ein Notfall-Manager seine Arbeit aufgenommen um zu retten, was zu retten ist. Seine Herausforderungen sind gigantisch.

Verlorener Glanz: Das Packard Automotive Plant. Quelle: dpa
Verlorener Glanz: Das Packard Automotive Plant. Quelle: dpa

DetroitHätten sie doch bloß mal John Boyle gefragt. Hätten ihn und seine Zahlen ernst genommen. Dann würde Detroit heute nicht so tief im Schlamassel stecken. Das meint zumindest John Boyle selbst. „Es ist ein komplettes Desaster“, sagt er und wedelt mit dem Zeigefinger.

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Boyle, Schnauzer, blaues Hemd mit Fliege, sitzt in einem schweren Sessel im Zigarrenklub La Habana in der Innenstadt. Und er will jetzt mal etwas loswerden. Über das reden, was vor acht Jahren passiert ist.

Damals war der Unternehmensberater und ehemalige Risiko-Spezialist bei Ford tief in die Bücher der hoch verschuldeten Stadt gestiegen, um zu ermitteln, wie schlimm es wirklich steht. Der Auftrag kam vom obersten Rechnungsprüfer persönlich.

Ruinen in Detroit Der Zerfall von „Motor City“ in Bildern

Wohnen im Schatten von Bauruinen: Häuser nahe des Stadtzentrums von Detroit.

Bild: Nils Rüdel

Was Boyle entdeckte, war eine Zeitbombe: 7,2 Milliarden Dollar an versprochenen Gesundheitsleistungen für Pensionäre, für die niemand Geld zurückgelegt hatte. „Wir dachten, diese Leute müssen schockiert sein“, sagt Boyle über jenen Tag im Mai 2005, als er seinen Bericht dem Stadtrat vorstellte. „Doch nicht einer von ihnen war bestürzt! Können Sie das glauben?“ Der Bürgermeister winkte ab, der Report verschwand, und niemand sprach seitdem mehr davon.

Das Problem allerdings ist nicht verschwunden. Mehr als 14 Milliarden Dollar Schulden hat Detroit inzwischen laut einer Untersuchung der Landesregierung angehäuft, bei einem Haushaltsdefizit von jährlich 327 Millionen – eigentlich ist die Stadt längst ein Fall für den Konkursrichter.

Die innovativsten Autostandorte

  • Quelle

    In der Studie „European Automotive Survey 2013“ haben die Wirtschaftsprüfer von Ernst&Young 300 europäische Unternehmen der Automotive-Branche befragt, wie sie die Innovationskraft der Automobilstandorte bewerten.

  • Platz 18

    Spanien
    Die Spanier verlieren im Innovationsranking satte 12 Prozentpunkte. Drei Prozent halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 14 Prozent für eher wettbewerbsfähig. Damit sind die Spanier Schlusslicht in Europa.

  • Platz 17

    Ungarn
    Mit Daimler und Audi haben zwei deutsche Hersteller große Werke in Ungarn. In punkto Innovationskraft hat das osteuropäische Land enormen Nachholbedarf. Ein Prozent halten die Ungarn in diesem Feld für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 16

    Türkei
    Gleichauf mit Ungarn sind die Türken in punkto Innovationskraft. Auch die Türkei ist für ein Prozent der befragten Unternehmen sehr wettbewerbsfähig, für 17 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 15

    Polen
    Der Nachbar ist ein wichtiger Produktionsstandort für deutsche Autokonzerne, doch nicht sonderlich innovativ. Drei Prozent halten die Polen für sehr wettbewerbsfähig, 17 Prozent für wettbewerbsfähig. Das sind acht Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

  • Platz 14

    Slowakei
    Die Heimat von VW-Tochter Skoda schneidet im Innovationsranking ebenfalls eher schlecht ab. Zwei Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 13

    Italien
    Satte neun Prozentpunkte haben die Italiener im Innovationsranking eingebüßt. Die Heimat von Fiat und Ferrari halten mittlerweile nur noch vier Prozent aller befragten Unternehmen für sehr wettbewerbsfähig,  24 halten Italien für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 12

    England
    Das Vereinigte Königreich war einst eine stolze Autonation. In punkto Innovation ist davon wenig geblieben. Erneut büßen die Briten 11 Prozentpunkte ein – und rutschen damit im Ranking ab. Sieben Prozent bewerten UK als sehr wettbewerbsfähig, 23 Prozent als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 11

    Tschechien
    Unter Osteuropas Ländern belegen die Tschechen einen Spitzenplatz, insgesamt reicht das aber nur fürs Mittelfeld. Vier Prozent halten Tschechien für sehr wettbewerbsfähig, 27 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 10

    Russland
    Die große Wachstumshoffnung in Europa, doch in punkto Innovationskraft besteht Nachholbedarf. Sieben Prozent halten das Land für sehr wettbewerbsfähig, 24 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 9

    Frankreich
    Der große Verlierer im Innovationsranking. 21 Prozentpunkte büßt der Standort Frankreich ein. Nur noch sechs Prozent aller befragten Unternehmen halten das Land in punkto Innovationskraft für sehr wettbewerbsfähig, 28 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 8

    Schweden
    Die Heimat von Volvo gehört zu den großen Gewinnern des Innovationsrankings. Neun Prozentpunkte haben die Skandinavier im vergangenen Jahr hinzugewonnen. 13 Prozent aller befragten Unternehmen halten Schweden für sehr wettbewerbsfähig, 30 Prozent für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 7

    Indien
    Auf Indiens Automarkt regieren die Billigmodelle. Trotzdem wird das Land von den Automobilunternehmen als relativ innovativ angesehen. Zehn Prozent bewerten den Standort als sehr wettbewerbsfähig, 35 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 6

    Brasilien
    Den zweitgrößten Sprung im Ranking macht das südamerikanische Land (+13 Prozentpunkte). Zuletzt haben mehrere Autokonzerne in Brasilien investiert. Die Innovationskraft bewerten zehn Prozent als sehr wettbewerbsfähig, 39 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 5

    USA
    Volkswagen feiert in Amerika immer neue Wachstumsrekorde, auch in punkto Innovationskraft hat das Land zugelegt. 13 Prozent halten den Standort USA für sehr wettbewerbsfähig, 43 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 4

    China
    Obwohl der chinesische Automarkt sich zuletzt wieder abgekühlt hat, belegt das Land im Innovationsranking einen der Spitzenplätze. 18 Prozent halten China für sehr wettbewerbsfähig, 42 für eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 3

    Südkorea
    Hyundai und Kia sorgen auf dem europäischen Automarkt für Wirbel. Das liegt vor allem an der Innovationskraft der südkoreanischen Konzerne. Der Standort gewinnt im Innovationsranking satte 21 Prozentpunkte – mehr als jedes andere Land. Für 20 Prozent aller befragte ist das Land sehr wettbewerbsfähig, für 41 Prozent eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 2

    Japan
    Die japanische Autoindustrie hat sich erholt und greift nun wieder nach der Weltspitze – auch in punkto Innovationskraft. 24 Prozent bewerten Japan als sehr wettbewerbsfähig, 41 als eher wettbewerbsfähig.

  • Platz 1

    Deutschland
    Geht es nach der Einschätzung der europäischen Automotive-Unternehmen ist kein Land in Europa innovativer als Deutschland. Satte 44 Prozent halten den Standort für sehr wettbewerbsfähig in punkto Innovationskraft, 37 bewerten die Deutschen als eher wettbewerbsfähig

Damit es so weit nicht kommt, hatte der Gouverneur des umliegenden Bundesstaates Michigan kürzlich zu drastischen Maßnahmen gegriffen. Per Dekret entmachtete er Detroits Bürgermeister und setze ihm einen Notfall-Finanzmanager vor die Nase. Kevyn Orr, der Feuerwehrmann, hat am Montag seine Arbeit aufgenommen. Er ist die wohl letzte Chance Detroits, einen Bankrott zu vermeiden.

  • 29.03.2013, 10:04 Uhrvandale

    Detroit war einst ein perfektes Cluster der Automobilindustrie. Es gab Fachkräfte, Zulieferer und eine einmalige Infrastruktur.

    Die Sozialisten hatten die Lohnforderungen in eine Höhe getrieben, dass die Automobilwerke in Detroit nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

    Neue Hersteller in den USA wie VW, Mercedes, BMW, Japaner haben darum ihre Automobilwerke überall in den USA gebaut nur nicht in Michigan.

    Vandale

  • 29.03.2013, 08:42 UhrEcke

    Ja wirklich? Vielleicht liegt die Antwort auch im politisch Unkorrektem. Die Spatzen pfeifen es längst von den Dächern.

  • 29.03.2013, 08:02 Uhrulrichhauck

    Stimme zu -- die meisten nie da gewwesen !! Kommentieren nur aus deutschem Wohnzimmer.V

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