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20.05.2008 
Ma Ying Jeou vereidigt

„Mr. Handsome“ ist neuer Präsident von Taiwan

Morgendliches Joggen und häufiges Schwimmen lassen Ma Ying-jeou jünger als seine 57 Jahre erscheinen. Seine weiblichen Fans nennen ihn „Mr. Handsome“ oder „Bruder Ma“. So manche Taiwanesin hält ihren neuen Präsidenten für den attraktivsten Staatsmann Asiens. Doch nicht nur sein gutes Aussehen hat Ma Ying-jeou im März zu seinem klaren Wahlsieg verholfen.

Nicht nur sein gutes Aussehen hat Ma Ying-jeou zum Wahlsieg verholfen. Foto: apLupe

Nicht nur sein gutes Aussehen hat Ma Ying-jeou zum Wahlsieg verholfen. Foto: ap

HB TAIPEH. Taiwan hat einen neuen Präsidenten. Der 57-jährige Ma Ying-jeou wurde am Dienstag in Taipeh zum neuen Staatsoberhaupt ernannt. Der Politiker verfolgt einen versöhnlichen Kurs im Umgang mit China, anders als sein Vorgänger Chen Shui Bian.

Der 1950 in Hongkong auf der Flucht vor den Kommunisten geborene Sohn eines Kuomintang-Funktionärs studierte Jura an der führenden Hochschule Taiwans und der Harvard-Universität in den USA. Er spricht fließend Englisch. 1981 diente Ma Ying-jeou dem damaligen Präsidenten Chiang Ching-kuo als Dolmetscher für Englisch, was sein Sprungbrett in die Politik wurde. Schon 1984 stieg Ma Ying-jeou zum Vize- Generalsekretär der Nationalpartei auf.

Der heute 57-Jährige repräsentiert eine neue Generation von Politikern in Taiwan. Er steht für „die neue Kuomintang“, die ihr diktatorisches Erbe abschütteln will. Seine Amtseinführung ist die demokratische Rückkehr zur Herrschaft der Kuomintang, die die Inselrepublik - bis 1987 noch mit Kriegsrecht - mehr als fünf Jahrzehnte regiert hatte.

Viele Wähler waren enttäuscht vom alten Präsidenten und der Fortschrittspartei (DPP). Ihre Unabhängigkeitspolitik verärgerte Peking. Auch wandten sich viele Wähler angewidert durch ihre Korruptionsskandale ab. Viele wollten - auch aus Rücksicht auf die Wirtschaft - einfach nur ein besseres Verhältnis zu China. Chen Shui-bian durfte nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten. Aber auch der neue DPP-Kandidat und frühere Ministerpräsident Frank Hsieh konnte die Wähler nicht überzeugen.

Dagegen gewann Ma Ying-jeou trotz seiner Herkunft als Sohn eines Festlandchinesen sogar die gebürtigen Taiwanesen für sich. Er lernte ihre Dialekte, radelte mit dem Fahrrad durch den Süden der Insel, der seit jeher die Hochburg der Fortschrittspartei ist, um die Sorgen der Arbeiter und Bauern zu hören. Ma Ying-jeou konnte auch Korruptionsvorwürfe des politischen Gegners abschütteln. Er wurde vor Gericht freigesprochen und bestätigte sein Ansehen als „Mr. Clean“.

Als ehemaliger Justizminister, Vize-Vorsitzender des höchsten Organs für die Beziehungen zu China, als Bürgermeister der Hauptstadt und zeitweiser Kuomintang-Chef gilt Ma Ying-jeou als erfahrener und besonnener Politiker. Er ist mit einer Bankerin verheiratet, hält seine Frau und zwei Töchter, die in den USA studieren, aber bewusst aus dem Rampenlicht, um ihre Privatsphäre zu schützen.

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