Mühsame Überzeugungsarbeit
Argentinien bessert Umschuldungs-Angebot nach

Argentinien hat am Montag sein endgültiges Angebot zur Umschuldung der Not leidenden Staatsanleihen vorgelegt. Mit einigen Nachbesserungen versucht die Regierung, die mit den Konditionen bisher unzufriedenen Anleger für einen Abbau der 100 Mrd. Dollar schweren Staatsschulden zu gewinnen.

HB BUENOS AIRES. Die Regierung werde neue Anleihen im Wert von bis zu 41,8 Mrd. Dollar zum Austausch der ausstehenden Staatspapiere begeben, erklärte Wirtschaftsminister Roberto Lavagna. Sollten weniger als 70 % der Anleger zustimmen, bietet der Staat nur 38,5 Mrd. Dollar in neuen Papieren an. Das Ausgabedatum soll auf den 31. Dezember 2003 zurückdatiert werden, während nach dem bisherigen Entschuldungskonzept der 30. Juni 2004 vorgesehen war. Damit würden die Anleger eine Milliarde Dollar an Zinszahlungen erhalten, sobald der Schuldentausch wie geplant am 17. Januar 2005 in Kraft träte.

Die Anleger, vertreten durch eine eigens gegründete internationale Gläubigerorganisation, hatten eine Rückzahlung von mindestens 65 % ihres Kapitals verlangt. Hans Humes von der Gläubigervertretung bezeichnete das Angebot als nicht attraktiv. „Das ist bestimmt weit weniger als Argentinien in der Lage wäre, zurückzuzahlen“, sagte er. Argentinien hat wegen einer schweren Wirtschaftskrise seit 2002 seine Schulden nicht mehr bedient. Kommt die Umschuldung zu Stande, wäre dies die weltweit größte Abschreibung Not leidender Staatsanleihen. Gut 60 % der Gläubiger des Landes stammen aus dem Ausland, gut fünf Prozent aus Deutschland.

Die Regierung stellte höhere Zinszahlungen bei besserem Wirtschaftswachstum in Aussicht. Sobald das Bruttoinlandsprodukt um mehr als drei Prozent steigt, sollen fünf Prozent des zusätzlichen Wachstums als Zinsbonus ausgeschüttet werden. In diesem Jahr werden sechs bis acht Prozent BIP-Zuwachs nach 8,7 % im vergangenen Jahr erwartet. Für 2005 sagt die Regierung vier Prozent voraus.

Zum Tausch werden drei Arten von Anleihen angeboten: eine zu pari (Verkaufspreis entspricht dem Nennwert) in Dollar, eine zu quasi-pari in Pesos und eine mit Abschlag, ebenfalls in Dollar. Zu pari werden Anleihen in Dollar angeboten. Das Volumen beträgt zehn Mrd. Dollar, wenn weniger als 70 % der Gläubiger mitmachen. Bei höherer Beteiligung steigt der Ausgabebetrag auf 15 Millilarden Dollar. Die Zinsen steigen bis zum Laufzeitende 2038 von 1,33 auf 5,25 %. Kleinere Anleger, die weniger als 50 000 Dollar halten, sollen bei dieser Anleihe bevorzugt behandelt werden. „Das ist für keinen unserer europäischen Kunden akzeptabel, und für die Amerikaner schon gar nicht“, sagte Humes von der Anlegerorganisation GCAB, die eine Investitionssumme von 37 Mrd. Dollar repräsentiert.

Die „quasi-pari“ Peso-Bonds mit einem Volumen im Wert von 8,3 Mrd. Dollar sind auf heimische Pensionsfonds zugeschnitten. Die Discount-Bonds gewähren einen Abschlag von 66,3 % des Nennwerts und einen Zins von 8,28 %. Die Laufzeit beträgt 30 Jahre.

Das Ausmaß der Umschuldungsaktion ist ohne Beispiel in der Geschichte. Wie Finanzstaatssekretär Guillermo Nielsen kürzlich in einem Interview mit Reuters sagte, sind aus den ursprünglich begebenen 152 Staatsanleihen inzwischen mehr als 300 Finanzprodukte in acht verschiedenen Regionen und Rechtssystemen geworden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%