Mufti, Tschetschenen-Präsident und Kollaborateur
Portrait: Achmat Kadyrow

Für den Kreml war Kadyrow die zentrale Figur in Tschetschenien. Für die Rebellen war ihr einstiger Kampfgefährte allerdings ein verhasster Kollaborateur.

HB MOSKAU. Der tschetschenische Präsident Achmat Kadyrow (52) war für den Kreml die zentrale Figur bei der Befriedung der seit zehn Jahren umkämpften Teilrepublik im Nordkaukasus. Für die Rebellen dagegen war ihr einstiger Kampfgefährte ein verhasster Kollaborateur, dem sie nach dem Leben trachteten. „Es gab so viele Attentatsversuche auf mich, dass ich das Zählen schon vor langer Zeit aufgegeben habe“, sagte er einmal.

Kadyrow wurde 1951 in Kasachstan geboren, wohin seine Familie 1944 aus Tschetschenien deportiert worden war. Der Abkömmling des einflussreichen Benoi-Clans schlug die Laufbahn eines islamischen Geistlichen ein und wurde 1993 stellvertretender Mufti von Tschetschenien. Im ersten Tschetschenien-Krieg 1994-1996 kämpfte er mit der Waffe in der Hand gegen die russische Armee und rief 1995 sogar zu einem „Heiligen Krieg“ gegen sie auf.

Er warnte jedoch vor dem Ausbruch des zweiten Krieges im Herbst 1999 und brach mit den Separatisten um den Ex-Präsidenten Aslan Maschadow oder den Feldkommandeur Schamil Bassajew. Deswegen ernannte der Kreml Kadyrow im Juni 2000 zum Verwaltungschef der wiedereroberten Teilrepublik der Russischen Föderation und ebnete ihm im Oktober 2003 den Weg in die Präsidentschaft.

Als Statthalter Moskaus war Kadyrow in Tschetschenien zwar der mächtigste Politiker, aber bei vielen verhasst. Auch wenn er gelegentlich Kritik am Verhalten der russischen Truppen übte, sahen ihn viele Tschetschenen nicht als Vertreter ihre Interessen. Nach Presseberichten nutzte Kadyrow seine Stellung zur Bereicherung seiner Familie. Sein Sohn Ramsan kommandierte die präsidiale Leibwache und setzte sie auf politische Gegner oder geschäftliche Konkurrenten an.

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