Mugabes Terrorregime
Beten für den Tod des Tyrannen

In der Vergangneheit galt Simbabwe als vorbildlicher Staat im häufig so turbulenten Afrika. Doch die einst so stabile Wirtschaft liegt am Boden und im vom Armut geprägten Land wütet ein rücksichtsloser Diktator: Staatspräsident Robert Mugabe hält das Land seit mehr als 20 Jahren in seinem eisernen Griff. Die Opposition fürchtet um ihr Leben. Doch Simbabwe ist kein Einzelfall.

BULAWAYO. Die Angst ist ein ständiger Begleiter. Mal leise und kaum spürbar, mal lodernd und laut. Selbst an diesem stillen Sonntagmorgen in der Kathedrale St. Mary’s im Herzen von Bulawayo im Südwesten Simbabwes, wo Pius Ncube, Erzbischof und schärfster Kritiker von Staatschef Robert Mugabe, betet. Ncube betet für Mugabes Tod – damit der Krieg gegen das eigene Volk, den der Präsident seit Jahren führt, damit das Foltern, das Morden, das Hungern endlich ein Ende haben.

Bulawayo, eine Million Einwohner, zweitgrößte Stadt des Landes und Hochburg der Opposition – eine heimliche Reise hat hierher geführt. Simbabwe, der einstige Vorzeigestaat Afrikas, erlebt unter seinem Diktator schlimmste Gewalt und einen wirtschaftlichen Niedergang, der seinesgleichen sucht, selbst im Krisenkontinent Afrika. Augenzeugen sind hier unerwünscht. Für offene Kritik an Mugabe droht Haft. Simbabwe wimmele nur so von Spitzeln, jeder zehnte Einwohner arbeite für den Geheimdienst, hatte ein Freund gewarnt. Und so ist aus einem Journalisten offiziell ein Tourist geworden.

Simbabwe liefert besonders viel Anschauungsmaterial dafür, wie eng Rassismus, Demokratieverlust und Unterentwicklung verwoben sind. Und es zeigt eindrücklich, dass Afrikas Krisen und Kriege heute fast alle hausgemacht sind.

Der Kontinent wird auf dem G8-Gipfel nächste Woche abermals ein Themenschwerpunkt sein wie zwei Jahre zuvor im schottischen Gleneagles. Wieder einmal geht es um mehr Entwicklungshilfe, dem vermeintlichen Allheilmittel. Das glauben zumindest die Rockstars und Hollywood-Sternchen, die sich für Afrika engagieren. Doch Simbabwe zeigt auch, dass sich Entwicklung nicht kaufen lässt. Nicht der Westen, sondern Afrikas machthungrige Potentaten tragen die Hauptschuld daran, dass der Schwarze Kontinent auf der Stelle tritt – aller Afrika-Euphorie zum Trotz.

Woher sie sich speist, bleibt ohnehin unklar. Denn die Lage dort ist dramatisch. Davon können auch Länder wie Angola und Äquatorialguinea nicht ablenken, deren Wirtschaft wegen des Ölbooms mit bis zu 20 Prozent jährlich wächst. Für den gesamten Kontinent bleibt es bei einem Plus von fünf Prozent – viel zu wenig, um die tiefe Armut spürbar zu reduzieren. Dafür wären Zuwachsraten von 15 Prozent und mehr notwendig und das mindestens zehn Jahre lang.

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