Muktada el Sadr im Porträt
Gottesstreiter mit großen Ambitionen

Seit dem Sturz von Saddam Hussein versucht der schiitische Prediger Muktada el Sadr im Irak, sich an die Spitze des bisher von den Sunniten angeführten anti-amerikanischen Protestes zu stellen. Der füllige junge Mann mit dem starren Blick bietet sich als Führer von morgen an und will im Irak einen fundamentalistischen Gottesstaat schaffen.

HB BAGDAD. Dieses Modell ist für seine meist jugendlichen Anhänger in Bagdads Armenviertel und in den Städten des Südens ein überzeugendes Gegenmodell zu dem demokratisch-pluralistischen System islamischer Färbung, das der provisorische Regierungsrat befürwortet.

Über das Leben von Muktada el Sadr weiß die Öffentlichkeit wenig. Sein Alter wird meist mit 28 oder 29 Jahren angegeben. Seine Gefolgsleute bestehen allerdings darauf, dass er schon über 30 sei. Gegner behaupten gern, er mache sich älter, um sich mehr Respekt zu verschaffen. Er ist unverheiratet. Charisma und Rednertalent gelten nicht als seine Stärken. Oft liest er seine Reden monoton vom Blatt ab. Politisches Gewicht gibt ihm dagegen seine Herkunft. Sein Vater Mohammed Sadik el Sadr war ein angesehener Ajatollah, der sich Saddam Hussein nicht beugte. 1999 wurde er von Agenten des Regimes ermordet.

Der junge El Sadr übernahm vom Vater auch dessen Netzwerk wohltätiger Stiftungen. Damit kann er bei den ärmeren, wirtschaftlich benachteiligten Schiiten Punkte sammeln. Vom Establishment wird er aber als nicht ebenbürtig angesehen. Die Gelehrten der „Hausa Ilmija“, des maßgeblichen theologischen Seminars der Schiiten in Nadschaf, blicken auf ihn herab, was sie aber aus Respekt vor seinem Vater nicht offen zeigen. Sie meinen, Muktada habe nicht einmal den Rang eines Ajatollah und sei viel zu jung, um einen Führungsanspruch anzumelden. Doch unter den jüngeren „Hausa“-Seminaristen hat El Sadr durchaus Anhänger. Dabei stärkt ihm auch Ajatollah Kassim el Hairi den Rücken, der im iranischen Ghom lebt und den dortigen konservativen Mullahs nahe steht.

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