HB ISLAMABAD/WASHINGTON. US- und pakistanische Regierungsvertreter bestätigten einen Bericht der „New York Times“, nachdem Baradar gefasst wurde. Er ist der ranghöchste Taliban, der seit Beginn der US-Invasion in Afghanistan 2001 gefasst wurde. Er befinde sich in pakistanischer Haft und werde unter Beteiligung von US-Agenten verhört, so die Zeitung.
Der Verhaftete gilt hinter Mullah Omar als Nummer zwei der islamistischen Bewegung und als enger Vertrauter von El-Kaida-Chef Osama bin Laden. In der 2001 gestürzten Taliban-Regierung soll Baradar Vize-Verteidigungsminister gewesen sein. Zuletzt führte er den Militärrat der Rebellen und soll vor allem die militärischen Aktivitäten im Süden und Südwesten Afghanistans koordiniert haben. In seine Verantwortung fielen die Unruheprovinzen Kandahar, Nimros, Sabul, Urusgan sowie Helmand. In dieser Provinz haben Nato- und afghanische Truppen am Wochenende die größte Militäroffensive seit dem Sturz der Taliban gestartet.
Dem Bericht zufolge wurde Baradar etwa eine Woche vor Beginn der Offensive in der pakistanischen Hafenstadt Karachi festgenommen. Analysten halten die Bekanntgabe der Verhaftung zum jetzigen Zeitpunkt denn auch für keinen Zufall. Vermutlich sollten damit die Taliban-Kämpfer in der Stadt Mardschah demoralisiert werden, gegen die sich die derzeitige alliierte Großoffensive richtet. Ein Taliban-Sprecher wies die Berichte von der Festnahme denn auch als westliche Propaganda zurück.
Taktischer Schachzug Pakistans
Dass die Nachricht über die Verhaftung Baradars gerade jetzt durchsickerte, halten Beobachter für einen taktischen Schachzug des pakistanischen Geheimdienstes. „Wenn die pakistanischen Beamten ihn hätten festnehmen wollen, hätten sie das schon längst tun können“, ist der afghanische Parlamentsabgeordnete und frühere Gouverneur der Provinz Helmand, Scher Mohammed Achud Sada, überzeugt. „Warum also haben sie es gerade jetzt getan?“
Eine Erklärung ist, dass der pakistanische Geheimdienst Vorwürfe entkräften wollte, immer noch Taliban-Führer zu decken. Bis zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 hatte Pakistan die radikalen Islamisten unterstützt. Pakistans Innenminister Rehman Malik bezeichnete die Berichte offiziell als „Propaganda“, da es keine gemeinsamen Ermittlungen und Razzien der Geheimdienste der USA und seines Landes gebe. Die Regierung in Islamabad ist zwar ein enger Verbündeter Washingtons im Antiterrorkampf, steht deshalb aber innenpolitisch unter Druck.
Für die Kooperation bei der Festnahme dürften die USA Pakistan anderweitig entgegenkommen, glauben Analysten – etwa beim Einfluss, den das Land künftig in Afghanistan haben wird. Experten verweisen auch auf erwogene Verhandlungen der USA und ihrer Nato-Verbündeten mit gemäßigten Taliban, zu denen Baradar keinesfalls zählt. Zugleich signalisiere Islamabad den Taliban, dass ihr Schicksal in der Hand der pakistanischen Regierung liege.
Wie wertvoll der strategische Kopf der Taliban baradan für die US-Militärs sein wird, wird sich weisen. Dass aber ein Deal stattgefunden hat ist klar - unter Einbeziehung Pakistans und den Talibans. Es könnte kriegsentscheidend sein und ersten Einblick in die Karten des US-Präsidenten Obama erlauben. bislang war der Kriegsschauplatz Afghanistan ja eher ein Geldtransfereinsatz in die Taschen einiger Privilegierter in Afghanistan und Pakistan - verbunden mit einem gewissen Outdrop an Zivilisten und Militärs. Aber die Rüstungsindustrie in den USA hat auch ein wenig mitgenascht an den produzierten Leichenbergen. Das ist ihre Existenzberechtigung.
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