Die Revolutionsprinzipien des schiitischen Islams machten sich die Stiftungen für ihre Geschäfte stets zunutze. Ein Fünftel seiner Gewinne, so gebietet es die Tradition, soll jeder Geschäftsmann der lokalen Moschee spenden – freiwillig. Doch wer nicht zahlt, bekommt rasch Besuch, verrät ein Teheraner Unternehmer, der seinen Namen lieber für sich behält: „Kaum machst du dein erstes Geld, stehen die Mullahs auf der Matte und kassieren. Wer nicht zahlen will, wird von den Imamen als schlechter Moslem verunglimpft und kommt ins Gefängnis.“ Methoden wie die der Cosa Nostra – samt „Omerta“, dem eisernen Gesetz des Schweigens.
Die Almosen, die die Stiftungen einst annahmen und an die Bedürftigen verteilten, wurden abgelöst von Profitgier. Die paarte sich mit wild wucherndem Filz und hemmungsloser Vetternwirtschaft. Die Mullah-Millionäre kontrollieren nach seriösen Schätzungen 60 Prozent der iranischen Wirtschaft. Allein Bonyad-e mostafazan, die „Stiftung der Entrechteten und Kriegsinvaliden“, verfügt über Firmenkapital von über zwölf Milliarden Dollar. Längst setzt die Stiftung mit ihren Hotels, Softdrinkabfüllereien, dem Monopol für Arzneimittel-Importe, Hüttenwerke und Beteiligungen an börsennotierten Betrieben mehr Geld um, als die Regierung in Teheran an Steuern pro Jahr einnimmt.
Und noch eines macht die Stiftungen zum Staat im Staate: Sie müssen weder Steuern zahlen noch Bilanzen vorlegen. Als Einzigem rechenschaftspflichtig sind sie Ajatollah Ali Khamenei, Irans Religions- und Revolutionsführer, dem ersten Mann im Staat. Selbst die Regierung von Präsident Ahmadinedschad bekommt keinen Einblick in ihre Bücher.
Das will der jedoch immer weniger akzeptieren. Und rüttelt so auch an einem eisernen Prinzip von Revolutionsführer Khomeini. Der Ajatollah hatte nach seiner Islamischen Revolution 1979 das Welayat-e Faghieh verkündet, die absolute Herrschaft der Geistlichkeit und damit der Kleriker. Unter Ahmadinedschad schickt sich nun die Generation der Kinder an, die Revolution der Eltern zu fressen: Die Paramilitärs der Revolutionsgarden, bisher die Kettenhunde der Revolution und radikale Moslems, drängen die Kleriker ins Abseits.
Weißer Lack spritzt aus Sprührohren auf die hochgeklappte Motorhaube eines Peugeot 206. „Iran Khodro“ heißt der größte Autobauer der Perser an einer staubigen, achtspurigen Ausfallstraße des Millionen-Molochs Teheran. Zwei vermummte, mit hellblauen Schutzanzügen bekleidete Arbeiter bringen Farbe auf das französische Lizenzprodukt auf.
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