Heute haben die Revolutionsgarden 125 000 Mann unter Waffen, dazu kommen 300 000 Reservisten und die Schlägerhorden der „Tugendwächter“ der Freiwilligenmiliz Basiji mit ihren elf Millionen Anhängern.
Schild und Schwert, Auge und Ohr der Islamisten sind die Pasdaran seit jeher. Nun sind sie auch ihre Geldbörse. Die Revolutionsgarden verfügen inzwischen über ein Firmengeflecht, das den Religionsstiftungen den Rang abzulaufen droht. Manchmal von außen, indem sie den Stiftungen lukrative Geschäfte entwinden. Manchmal aber auch von innen, indem sie die Ihren in Stiftungen platzieren: Den Vorsitz der mächtigen Stiftung der Entrechteten und Kriegsinvaliden hat beispielsweise der Revolutionsgardist Mohammad Faruzandeh übernommen.
Auch politisch haben es die Pasdaran längst geschafft: 13 von 21 Ministern im Kabinett von Präsident Ahmadinedschad sind – wie er selbst – Ex-Kommandeure von Einheiten der Revolutionsgarden. Dafür sitzt kein einziger prominenter Imam mehr in der Regierung.
Bei der Wahl am Freitag dürfte diese Machtverschiebung von den Mullahs zu den radikal-islamischen Paramilitärs noch weiter gefestigt werden. Damit schlagen die Pasdaran das von Religionsführer Khomeini auf dem Sterbebett formulierte Testament in den Wind, das da lautet: „Das Militär soll sich aus der Politik heraushalten.“
Seit Ahmadinedschads Amtsantritt vor fast drei Jahren wächst die Wirtschaftsmacht der Radikalen. Auch vor Gewalt schrecken die Pasdaran nicht zurück, um sich lukrative Geschäfte zu sichern: Rasend schnell näherte sich im August 2006 ein Militärboot der rumänischen Bohrplattform „Orizont“. Schüsse. Uniformierte Revolutionsgardisten stürmen die Bohrinsel, Kalaschnikows im Anschlag.
Der rumänische Plattform-Chef Viorel Petcu kann gerade noch seine Firma GSP telefonisch erreichen, dann ist die Leitung tot. Wenige Tage später ist der Auftraggeber der rumänischen Ölbohrer seinen Status als größter privater iranischer Ölförderer los – die Petrodollar-Millionen gehen von nun an die Pasdaran.
Das war der Einstieg der Pasdaran ins iranische Ölgeschäft. Kurz zuvor hatten sie schon einen Gasvertrag über 2,3 Milliarden Dollar vom Staat zugeschanzt bekommen und einen 1,3-Milliarden-Dollar-Auftrag zum Bau einer Pipeline nach Pakistan.
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