Heute kontrollieren die Revolutionsgarden ein weit verzweigtes Konglomerat aus Baufirmen, Tunnelgräbern, Asphaltierunternehmen, Ölbohrbetrieben, Banken, Autobauern und Handelsfirmen.
Kern des Industrieimperiums der Militär-Mullahs ist der Baukonzern Khatam al-Anbya, der traditionell für die Armee Kasernen und für ihre Kampfjets Landepisten gebaut hat und sich nach Angaben des US-Finanzministeriums mittlerweile zu einem Mischkonzern mit sieben Milliarden Dollar Jahresumsatz gemausert hat.
„Als Ahmadinedschad antrat, hatten die Pasdaran kaum Firmen. Heute kontrollieren sie mindestens drei Prozent des gesamten Bruttoinlandsprodukts der zweitgrößten Volkswirtschaft des Mittleren Ostens“, sagt Sayed Leylaz und greift in seiner Wohnung in Teheran in einen silbernen Napf mit Pistazien. Der Ökonom ist verbittert über die Militarisierung der Wirtschaft und das, was ein deutscher Firmenvertreter in Irans Hauptstadt „die himmelschreiende Unprofessionalität der von den Pasdaran in Regierungsämter gebrachten Kader“ nennt.
Die Folge: Irans Wirtschaftsaufschwung mit Wachstumsraten von zuletzt regelmäßig fünf Prozent pro Jahr stockt. „Die Wirtschaftsmaschine Iran hat dank des Ölpreisbooms in den vergangenen Jahren 500 Milliarden Dollar zusätzlich eingeworfen bekommen, doch sie stößt nur die gleiche Produktmenge aus“, sagt Ökonom Leylaz. „Die Fassade sieht noch gut aus, aber die Sanktionen des Auslands und eine vollkommen verfehlte Politik lassen nun das Mauerwerk bröckeln“, sagt der Unternehmensberater Albrecht Frischenschlager in Diensten von „Middle East Strategies“ in Teheran: „Die Inflation liegt auf Höchststand und das Wirtschaftswachstum real unter fünf Prozent.“
Schuld daran ist nach Ansicht der meisten iranischen Volkswirtschaftler Ahmadinedschads irrwitzige Subventionspolitik: Statt wie andere Golfstaaten Öldollar in Stabilitätsfonds für schlechte Zeiten zu parken, plündert der Präsident die Kasse, schreibt trotzdem gewaltige Haushaltsdefizite – und die Subventionen für Strom, Benzin, Grundnahrungs- und Arzneimittel pervertieren sein Versprechen, „die Ölmillionen auf die Tische der Armen“ zu bringen. Denn nun leert eine Inflation von rund 20 Prozent den Armen die Teller und stiehlt der zweitgrößten Volkswirtschaft des Mittleren Ostens die Zukunft, obwohl Iran auf neun Prozent der weltweiten Öl- und 15 Prozent der Gasvorkommen sitzt.
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