Munich Economic Summit
Nur ein „Super-Kyoto“ kann helfen

Die Umweltexperten auf dem Munich Economic Summit sind sich einig: Die Menschheit kann die drohende Klimakatastrophe nur abwenden, wenn alle Regionen der Welt zusammenarbeiten. Ohne Mitwirkung von China und Indien lasse sich die Erderwärmung nicht mehr stoppen.

MÜNCHEN. Nur mit einer gewaltigen, länderübergreifenden Kraftanstrengung kann die Menschheit die weltweite Klimakatastrophe noch abwenden. Das war die zentrale Botschaft von 160 internationalen Umweltexperten, die sich auf dem Munich Economic Summit getroffen haben. "Wir brauchen eine Art Super-Kyoto-Protokoll, an dem alle Regionen der Welt teilnehmen", sagte Carlo Carraro, Umweltökonom von der Universität Venedig, auf dem Wirtschaftsgipfel, den das Forschungsnetzwerk CES-Ifo und die BMW Stiftung Herbert Quandt Ende vergangener Woche veranstaltete.

Im Dezember trifft sich die internationale Staatengemeinschaft zum nächsten Klimagipfel der Vereinten Nationen in Kopenhagen. Dort soll ein Nachfolge-Vertrag für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beschlossen werden. In diesem Papier hatten sich die Teilnehmerstaaten 1995 verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu verringern.

Die Herausforderungen, vor denen die Menschheit mit Blick auf Klima und Energie steht, sind gewaltig: Um den Schaden durch die Erderwärmung in Grenzen zu halten, darf die weltweite Durchschnittstemperatur nach Ansicht der meisten Experten um nicht mehr als zwei Grad Celsius steigen. Das ist nur möglich, wenn die Menschheit bis zur Mitte dieses Jahrhunderts auf ein CO2-neutrales Energiesystem umsteigt. "Wir brauchen aber mindestens 25 Jahre, um ein alternatives Energiesystem aufzubauen", sagte Claudia Kemfert, Klimaexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW): "Auf globaler Ebene haben wir damit noch nicht einmal angefangen."

Einen Durchbruch in Kopenhagen wird es nur dann geben, wenn sich Industrie- und Schwellenländer auf gemeinsame Ziele verständigen. Die EU-Mitgliedstaaten und wohl auch die neue US-Regierung dürften bereit sein, sich auf einen deutlich geringeren CO2-Ausstoß einzulassen. Offen ist, ob die energiehungrigen Schwellenländer mitziehen.

Ohne die Mitwirkung Chinas und Indiens lasse sich die Erderwärmung jedoch nicht mehr stoppen, betonte der italienische Ökonom Carlo Carraro. "Außer den afrikanischen Ländern südlich der Sahara müssen alle Staaten an Bord sein". Der Verbrauch fossiler Energie in China und Indien ist zuletzt rasant gestiegen. Die Chinesen zum Beispiel pusten heute schon fast 50 Prozent mehr CO2 in die Atmosphäre als vor neun Jahren.

Ob einzelne Staaten oder Wirtschaftsräume allein überhaupt etwas gegen den Klimawandel tun können, war in München umstritten. So will die EU zwischen 2007 und 2020 ihren CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken. Für Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ist klar: Solange sich nicht alle Staaten auf der Welt darauf einigen, die jährlich geförderte Gesamtmenge an Kohle, Öl und Gas zu senken, verschlimmere die Klimaschutzpolitik der Europäischen Union die globale Erwärmung eher noch.

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