Mursi-Anhänger erschossen
Muslimbrüder rufen zu Aufstand auf

Bei einer Schießerei sind mehrere Muslimbrüder getötet worden. Die Islamisten wollten offenbar den Sitz der Republikanischen Garde stürmen. Nach der Bluttat beendete die salafistische Partei alle politischen Gespräche.
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KairoBei Zusammenstößen zwischen Islamisten und dem Militär sind am Montag in der Hauptstadt Kairo nach Angaben des ägyptischen Gesundheitsministeriums mindestens 42 Menschen getötet worden. Die Islamisten hatten den Angaben nach versucht, eine Kaserne der Republikanischen Garde am Stadtrand von Kairo zu stürmen, als das Feuer auf sie eröffnet worden sei. Es halten sich Gerüchte, dass sich der vom Militär gestürzte Präsident Mohammed Mursi dort aufhalten könnte.

Militärsprecher Ahmed Mohammed Ali erklärte, ersten Erkenntnissen zufolge hatten der Muslimbruderschaft nahestehende Bewaffnete im Morgengrauen versucht, das Hauptquartier der Republikanischen Garde zu stürmen. Sie hätten scharf geschossen und Feuerbomben auf eine nahe gelegene Moschee und Häuserdächer geworfen. Ein Polizist sei dabei getötet und sechs weitere verletzt worden. Ein anderer Sprecher der Armee erklärte, fünf Anhänger Mursis seien bei dem Gefecht getötet worden. In einer später von der amtlichen Nachrichtenagentur Mena verbreiteten Armeeerklärung hieß es zudem, 200 Angreifer seien festgenommen worden.

Ein Sprecher der Muslimbruderschaft widersprach den Darstellungen der Armee. Vor dem Hauptquartier der Republikanischen Garde hätten vielmehr Armeetruppen im Morgengrauen auf Demonstranten geschossen. Eine Teilnehmerin an der Sitzblockade, Al-Schaimaa Junes, bestätigte die Version. „Sie feuerten mit scharfer Munition und schleuderten Tränengas“, sagte sie telefonisch. „Es brach Panik aus, die Leute rannten weg. Ich sah Menschen zu Boden fallen.“ Unter den Demonstranten seien auch Frauen und Kinder gewesen.

Auf ihrer Facebook-Seite rief die Muslimbruderschaft ihre Anhänger zum Widerstand auf. „Die Partei Freiheit und Gerechtigkeit ruft das große ägyptische Volk auf, sich gegen die zu erheben, die die Revolution mit Panzern und gepanzerten Fahrzeugen stehlen wollen und dabei auch über Leichen gehen.“

Seit der Entmachtung Mursis hatten sich dessen Anhänger zu Kundgebungen und Sitzblockaden vor dem Sitz der Republikanischen Garde versammelt. Die Demonstranten stemmen sich gegen den von der Armee durchgesetzten Machtwechsel und pochen auf eine Wiedereinsetzung Mursis als Staatschef.

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  • @ Sir_John_Bowe

    Ich habe diese Interview auch gelesen und finde folgende Aussage ebenso wichtig:

    "Religionen sind wichtig für die Gesellschaft, aber wenn Religionen sich einmischen in die Politik, egal, welche Religionen, dann kommt es zu Komplikationen, gerade in Gesellschaften, die multiethnisch und multireligiös sind. Das gehört nicht zu einem demokratischen Staat, sondern es legt die Saat für einen Bürgerkrieg."

    Dieses klare Bekenntnis zur Trennung von Staat und Religion gilt nicht nur für Ägypten, sondern für alle Länder - auch Deutschland.

  • "Der Präsident wurde von dreizehn Millionen Ägyptern gewählt, es gehen mehr als vierzehn Millionen Ägypter auf die Straße und fordern seine Ablösung. Demokratie besteht nicht nur aus der Wahlurne. Dieser Präsident hat gegen alle demokratischen Gepflogenheiten verstoßen, er hat mit Demokratie nichts zu tun. Es ist kein Militärputsch aus meiner Sicht, sondern ein sanfter Putsch, um diese Bewegung zu unterstützen. Die Armee kümmert sich um die Sicherheit in Ägypten, aber sie macht sich auch Sorgen um die wirtschaftliche Lage Ägyptens. Jetzt muss die Armee die Handbremse ziehen."

    Das sagte Hamed Abdel-Samad in einem Interview mit der FAZ kurz vor dem "Putsch". Ich schließe mich seiner Meinung an.

  • Der Militärputsch ist mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung unvereinbar. Davon Profitieren die Generäle, die über dutzende Konzerne im Land unterhalten.Bis zu hundert Milliarden Dollar Ertrag, die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts Ägyptens, produzierten die Militärfabriken, schätzen amerikanische Ökonomen.

    Berichte über den Wirtschaftskonzern Militär sind unter Strafe gestellt, selbst die eigenen Staatsbehörden haben keinen Einblick in die Bücher der Generäle: Die militärischen Nudelfabriken müssen Ägyptens Steuerbehörden weder Daten über Umsatz noch Gewinn melden, die Tankstellen der militäreigenen Kette „Wataniyyah“ keine Rechenschaft ablegen über die Höhe der Benzinverkäufe. Wie viele Lastwagenladungen Fleisch aus den Armee-Schlachthäusern an der Grenze zu Libyen kommen, ist Staatsgeheimnis. Zwischen dreißig und vierzig Konzerne sind den Militärministerien direkt unterstellt.

    Genau darum geht es den Generälen. Die Umverteilung dieses Volksvemögens an die Ägypter zu verhindern. Durch die dmokratische gewählte Mursi und das Parlament, hätte kurz oder lang das Volk von diesem Vermögen profitieren können.

    Der Ruf nach dem Militär hat nichts mit Liberalität, Aufklärung, Demokratie oder Freiheit am Hut, er schürt lediglich Gewalt, Hass und Unruhe.

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